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Bettwanzen in Sachsen-Anhalt: Die Rückkehr der kleinen Monster

Bettwanze beim Blutsaugen

Eine Bettwanze beim Blutsaugen auf menschlicher Haut

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magdeburg/MZ -

In Sachsen-Anhalt sind die Bettwanzen auf dem Vormarsch. Der Landesverband der Schädlingsbekämpfer registriert laut Landeschef Lutz Mittendorf seit vier Jahren eine starke Zunahme des Befalls der blutsaugenden Parasiten. „Das ist ein zunehmendes Problem“, bestätigt auch die Ungeziefer-Expertin des Umweltbundesamtes (UBA), Carola Kuhn. Genaue Zahlen gibt es nicht, der Befall wird weder vom UBA noch vom Landesamt für Verbraucherschutz statistisch erfasst. Betroffen seien Wohnheime jeder Art, die gesamte Hotellerie, aber auch Privathaushalte. Die Tiere gelten zwar grundsätzlich nicht als gesundheitsgefährdend, aber als schwierig zu bekämpfen. Problematisch sind die Stiche für Allergiker.

Im öffentlichen Bewusstsein spielen Bettwanzen bisher kaum eine Rolle - im Gegensatz zu den eher auf dem Rückzug befindlichen Kakerlaken. Laut Mittendorf ist das Thema Bettwanzen in der DDR seit Ende der 1970er Jahre fast vollständig vom Tisch gewesen. Seit Ende der 1990er Jahre nehmen die Probleme mit den nur wenige Millimeter großen Insekten aber wieder zu, so Mittendorf. „Das ist ein mitgebrachtes Problem.“ Das bestätigt auch UBA-Expertin Kuhn.

„Das ist ein mitgebrachtes Problem.“

Vor allem Reisende brächten die Wanzen unbemerkt mit, zudem würden die Parasiten immer mehr auch durch den Handel mit Gebrauchtwaren verbreitet. „Ich hatte einen Fall, da hat jemand über eine befallene DVD-Hülle unwissentlich seine ganze Videosammlung verseucht – und diese dann im Internet versteigert“, sagt Kuhn. Um die Bevölkerung zu sensibilisieren, hat das UBA eine Broschüre herausgegeben, wie man sich schützen kann und wie man einen Befall entdeckt. Das ist nicht ganz einfach, denn die – zunächst schmerzfreien Stiche – sind nur schwer von denen von Mücken zu unterscheiden.

Wer sich die Tiere einmal eingefangen hat, wird sie nur schwer wieder los. „Das ist auch kein Hygieneproblem“, so Kuhn. Die Bekämpfung sei schwierig und aufwendig, sagt Schädlingsbekämpfer Mittendorf. Ein befallenes Zimmer müsse komplett auseinandergenommen und jedes Nest entdeckt werden. Deshalb seien meist drei Behandlungen nötig. Das mache die Sache teuer – je nach Aufwand muss mit einigen hundert Euro gerechnet werden. Hinzu kommt, dass Bettwanzen immer öfter Resistenzen gegen Insektizide wie die häufig eingesetzten Pyrethroide entwickeln, so Kuhn. Dies fördere ihre Verbreitung.

„Das ist auch kein Hygieneproblem.“

Gesundheitliche Probleme sind selten. „Die gute Nachricht ist, dass Bettwanzen keine Krankheiten übertragen“, sagt Constanze Gottschalk, Dezernatsleiterin Hygiene beim Landesamt für Verbraucherschutz. Es bestehe nur ein theoretisches Risiko, dass eine Wanze, die etwa einen Hepatitis-C-Infizierten gestochen hat, später einen Gesunden infiziert. Empfindliche Personen könnten aber mit starken, allergischen Hautausschlägen reagieren.