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Bergbau: Vom Salz erschlagen

Uhr | Aktualisiert 09.03.2012 20:54 Uhr
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Unter Tage

Mit Baggern wird das gesprengte Salz unter Tage abgefahren. (FOTO: ARCHIV)

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Tödlicher Zwischenfall unter Tage. Im Kaliwerk Zielitz (Bördekreis) wurde am Donnerstagabend ein 42-jähriger Bergmann aus Colbitz unter einer tonnenschweren Salzplatte verschüttet.
ZIELITZ/MZ. 

Zwar liefen die Rettungsmaßnahmen nach Auskunft eines Unternehmenssprechers sofort an, der Mann wurde aber erst gegen Mitternacht tot geborgen. Er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

Ein 27-jähriger Bergmann, der sich ebenfalls in dem 700 Meter tiefen Schacht befand, hatte dagegen Glück. Er überlebte leicht verletzt. Noch am Mittwoch waren Experten vom Landesamt für Geologie und Bergwesen genau an dieser Stelle, um die Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen. Ihr Ergebnis: alles in Ordnung.

Nur wenige Stunden nach dem Unglück nahm die Polizei die Ermittlungen auf. Laut Joachim Albrecht, Pressesprecher im Polizeirevier Bördekreis, wurde zunächst geprüft, ob eine fahrlässige Tötung durch Unterlassen vorliegt. "Es sieht nach aktuellem Stand aber nicht danach aus", sagte er.

Das Unglück ereignete sich nach Unternehmensangaben in einem der drei Stollen, die aktuell erkundet wurden, um das Abbaufeld zu erweitern. Die Decken in vier Meter Höhe seien mit großen Gebirgsankern gesichert gewesen. Diese Anker verbinden die unterschiedlichen Gesteinsschichten so, dass sie sich wie eine zusammenhängende Platte verhalten. "Bei der Überprüfung gab es keine Anzeichen für lose Schichten. Das kam für uns alle überraschend", sagte der Unternehmenssprecher.

Im Kaliwerk in Zielitz ist nicht zum ersten Mal ein Bergmann ums Leben gekommen. Bereits 2001 wurde ein Arbeiter bei einem ähnlich Zwischenfall verschüttet. Der Bergbau in Sachsen-Anhalt zählt trotz des Unglücks zu den sichersten überhaupt in Europa. Frank Esters, Bergbaudirektor beim Landesamt für Geologie und Bergwesen in Halle, sagte am Freitag, dass man jährlich nur rund 22 Arbeitsunfälle im Aufsichtsbereich mit meist leichten Verletzungen registriere.

Die Region um Zielitz gehört zu einem der größten Abbaugebiete der Welt. Jährlich werden auf einer Fläche von rund 200 Quadratkilometern etwa zwölf Millionen Tonnen Rohsalz gefördert. Im Werk Zielitz arbeiten insgesamt 1 800 Menschen, etwa 1 100 im Grubenbetrieb.

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