Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

Sachsen-Anhalt: Fernbusse drücken Bahnpreise

Meinfernbus

Die Firma Meinfernbus fährt inzwischen 200 Städte an.

Foto:

dpa

Halle (Saale) -

Der Boom im Fernbusverkehr zeigt Wirkung: Immer öfter versucht die Deutsche Bahn AG mit Spezialangeboten, Kunden von der Konkurrenz auf der Straße zurückzuholen oder neue zusätzliche Fahrgäste zu gewinnen. So wird in Sachsen-Anhalt ab heute ein Ticket für 13 Euro angeboten, das für eine einfache Fahrt auf den Strecken von Halle nach Braunschweig, Goslar, Erfurt und Kassel gilt. Das Angebot ist ein bundesweit einmaliges Pilotprojekt, das zunächst auf drei Monate befristet ist. Seit April versucht die Bahn bereits, mit einem preisgünstigen Interregio zwischen Berlin und Hamburg den Fernbussen Paroli zu bieten.

Fernbus-Boom beschert Umsatzeinbußen

Der Fernbus-Boom hat dem Konzern im ersten Halbjahr 2014 Umsatzeinbußen von 50 Millionen Euro beschert. Nach Angaben des Bundesverbandes Deutscher Omnibusunternehmer sind vier von fünf Fernbus-Kunden vorher aber überhaupt nicht mit dem Zug gefahren, sondern haben Mitfahrzentralen genutzt. Diese Kunden will die Bahn für sich gewinnen. Jost Beckmann, Leiter Fahrgastmarketing bei der Bahn-Tochter DB-Regio Südost, sprach von „jungen preisbewussten Freizeit- und Gelegenheitsfahrern“, in der Regel Studenten oder Auszubildende mit schmalem Geldbeutel. „Der Fernbus hat da einen Markt erschlossen, den wir bisher nicht betrachtet haben, den Markt für die schnelle, spontane, einfache Fahrt“, so Beckmann. „Daran wollen wir gern teilhaben.“ Andere Spezialtarife der Bahn wie das Länderticket oder das Quer-durchs-Land-Ticket seien dafür nicht geeignet, weil die Zielgruppe sie als zu teuer für ihre Bedürfnisse betrachte.

Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßte das neue 13-Euro-Ticket. „Es ist richtig, dass die Bahn Neues ausprobiert“, sagte Pro-Bahn-Sprecher Gerd Aschoff der MZ. Ziel müsse es sein, mehr Kunden in die Züge zu bekommen. „Dabei kann man der Bahn nur Erfolg wünschen.“ Es dürfe aber nicht nur darum gehen, „mit dem Preishammer draufzuhauen“, sagte Aschoff. Das gehe zu Lasten der Qualität.

Sind Billig-Tickets der falsche Weg?

Skeptisch reagierte der ökologisch orientierte Verkehrsclub Deutschland (VCD). Billig-Tickets seien der falsche Weg, sagte VCD-Sprecherin Anja Smetanin. „Dumpingpreise haben nur kurzfristige Wirkung, langfristig werden sie die Bahn nicht vom Konkurrenzdruck durch die Fernbusse entlasten.“ Der Verkehrsclub fordert stattdessen, die Deutsche Bahn müsse ihre komplizierte Tarifstruktur entrümpeln. „Das ist das große Problem.“ Einen „Preiskrieg“ mit den Fernbus-Anbietern lehnt die Bahn ab. „Mit Preisen von fünf, sieben oder neun Euro können wir nicht mithalten“, sagte Marketing-Chef Beckmann. Man gehe aber davon aus, dass das 13-Euro-Angebot sich rechne. Im Herbst will die Bahn Bilanz ziehen. Falle sie positiv aus, solle das Ticket im kommenden Jahr in ganz Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen eingeführt werden, kündigte Beckmann an.

Das 13-Euro-Ticket ist nur in Regionalzügen gültig, werktags erst ab 9 Uhr, am Wochenende ganztägig. Derzeit kostet eine einfache Fahrt ohne Bahncard im Regionalverkehr von Halle nach Braunschweig über Magdeburg 31,50 Euro, nach Goslar 30,20 Euro, nach Erfurt 21,50 und nach Kassel 38,40 Euro. Fernbus-Tickets gibt es je nach Strecke und Buchungszeitpunkt schon für fünf Euro. Das neue Ticket gilt auch im Harz-Elbe-Express, der Erfurter Bahn in Thüringen und der Cantus-Bahn in Nordhessen. (MZ)


Es gibt neue Nachrichten!

Wir haben neue Artikel für Sie. Möchten Sie jetzt die aktuelle Startseite laden?