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Mitteldeutsche Zeitung | Auszeichnungen des Landes Sachsen-Anhalt: Orden sind Männersache
14. February 2016
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Auszeichnungen des Landes Sachsen-Anhalt: Orden sind Männersache

Der Verdienstorden Sachsen-Anhalts wurde auch an den ehemaligen Ministerpräsidenten des Landes, Wolfgang Böhmer, verliehen.

Der Verdienstorden Sachsen-Anhalts wurde auch an den ehemaligen Ministerpräsidenten des Landes, Wolfgang Böhmer, verliehen.

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dpa

Magdeburg -

Der Verdienstorden Sachsen-Anhalts ist die höchste Auszeichnung, die das Bundesland zu vergeben hat. Verliehen wird er nur für „außergewöhnliche Leistungen über einen längeren Zeitraum oder eine ganz außergewöhnliche Einzelleistung für Sachsen-Anhalt und die Allgemeinheit.“ So steht es in den Verleihungsvorschriften. Um die Exklusivität zu wahren, dürfen zudem immer nur 300 lebende Personen das achtspitzige weiße Kreuz mit Landeswappen tragen. Dass die Zahl in absehbarer Zeit gerissen wird, scheint ausgeschlossen: Denn seit die Ehrung 2006 geschaffen wurde, ist der Orden nur an 25 Männer verliehen worden - und gerade einmal an zwei Frauen.

Beirat prüft Vorschläge

Die Zahlen gehen aus einer Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des Landtagsabgeordneten Sebastian Striegel (Grüne) hervor. Striegel stört sich nicht daran, dass der Orden in den vergangenen neun Jahren nur 27 Mal verliehen wurde - wohl aber an der eindeutigen Dominanz männlicher Ordensträger. Kein Wunder, meint Striegel, „denn in Sachsen-Anhalt zeichnen alte Männer andere alte Männer aus“. In der Tat haben derzeit zwar 13 Männer über die Ordensvergabe zu entscheiden - aber nur eine Frau. Vorschlagsberechtigt sind neben Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) alle Minister; dem Kabinett gehört aber nur eine Ministerin an - die Ressortchefin für Gleichstellung und Justiz, Angela Kolb (SPD).

Die Vorschläge der Regierung werden dann vom Ordensbeirat geprüft, dem wiederum derzeit nur Männer angehören: Der Stellvertreter des Regierungschefs sowie die Präsidenten des Landtages, des Landesrechnungshofes und des Landesverfassungsgerichtes. Deutlich besser sieht es mit dem Frauenanteil bei der Vorschlagsliste des Landes für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes der Bundesrepublik durch den Bundespräsidenten aus: Hier wurden seit 2006 183 Männer und 91 Frauen vorgeschlagen. Der Grund: Der damalige Bundespräsident Horst Köhler (CDU) hatte 2006 eine Frauenquote bei den Vorgeschlagenen von mindestens 30 Prozent gefordert. Sachsen-Anhalt hat diese im Schnitt mit 3,2 Prozentpunkten überboten. in den vergangenen zwei Jahren lag die Frauenquote sogar bei 87,5 bzw. 68 Prozent.

Gut, findet Striegel, aber nicht gut genug: „50 Prozent Frauenquote auf den Vorschlagslisten für Ordensverleihungen. Das ist das Mindeste!“ Doch die Staatskanzlei sieht dafür keine Veranlassung: Es gebe keine Überlegungen, für den Verdienstorden des Landes eine Frauenquote einzuführen. „Bei der Würdigung mit dem Verdienstorden des Landes geht es um die Anerkennung einer individuellen Leistung unabhängig vom Geschlecht“, teilte Staatsminister Rainer Robra (CDU) dem grünen Landtagsabgeordeten mit.

Gleichstellungsministerin Kolb teilt diese Ansicht jedoch auf Anfrage der Mitteldeutschen Zeitung eindeutig nicht: „Eine Frauenquote von 30 Prozent bei der Verleihung des Verdienstordens des Landes wäre ein Schritt in die richtige Richtung.“ Damit würde der Fokus endlich auf die Frauen gerichtet: „Das Problem ist aber grundsätzlicherer Natur, wir haben nach wie vor zu wenig Frauen in Führungspositionen, so dass diese auch zu wenig wahrgenommen werden“, sagte die Ministerin.

„Leistung nicht ausreichend“

Kolb, die als einziges weibliches Mitglied der Landesregierung Vorschläge für den Verdienstorden machen kann, sagte zudem: „Ich habe auch schon mehrfach Frauen für diese Auszeichnung vorgeschlagen. Mir wurde aber jedes Mal erklärt, dass deren Verdienste nicht ausreichend seien.“ So habe es statt des Verdienstordens immer nur die Verdienstmedaille des Ministerpräsidenten gegeben. (mz)