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Asylbewerber in Naumburg: Meldung von Massenschlägerei erweist sich als Fehlalarm

Großeinsatz abgeblasen: In der Jugendherberge gibt es keine Massenschlägerei, sondern nur eine Rangelei mit drei Leichtverletzten.

Großeinsatz abgeblasen: In der Jugendherberge gibt es keine Massenschlägerei, sondern nur eine Rangelei mit drei Leichtverletzten.

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Nicky Hellfritzsch

Naumburg -

Ein schwerer Unfall auf der Autobahn? Diese Vermutung kam Montagabend gegen 18.30 Uhr wohl bei so manchem Autofahrer auf, als mehrere aus Richtung Osterfeld kommende Rettungswagen und Notarztfahrzeuge mit Blaulicht auf der B180 mit hohem Tempo in die Kreisstadt fuhren. Allerdings kamen sie nicht vom Einsatzort, sondern waren erst auf dem Weg dorthin. Ziele waren die derzeit vom Land Sachsen-Anhalt als Asylbewerberunterkunft genutzte Naumburger Jugendherberge und die Vogelwiese. Dort wurde durch die aus Zeitz kommende Schnelleinsatzgruppe (SEG) des Deutschen Roten Kreuzes ein Behandlungsplatz aufgebaut, auf dem bis zu 50 Verletzte gleichzeitig betreut werden können.

Gebraucht wurde diese Zeltstadt allerdings nicht. Denn wie sich herausstellte, wurden die Rettungskräfte in Naumburg gar nicht gebraucht. Ausgelöst wurde der Großeinsatz von Rettungskräften und Polizei durch einen Fehlalarm, der durch wohl in Panik geratene Mitarbeiter einer die Jugendherberge bewachenden Sicherheitsfirma ausgelöst wurde.

Dieter Engelhardt, Beigeordneter des Burgenlandkreises, zur Chronologie des Geschehens an diesem Abend: „Gegen 18.06 Uhr ging in der Kreisleitstelle der erste Notruf ein.“ Im Speisesaal sei eine Schlägerei mit 100 Beteiligten ausgebrochen, ein Rettungswagen werde benötigt, Eile sei geboten. Eine Minute später war dann das Fahrzeug unterwegs in Richtung Herberge. 18.12 Uhr dann der nächste Anruf. Die Lage würde eskalieren, man benötige dringend mehrere Rettungswagen, es gäbe neben der Schlägerei Auseinandersetzungen mit Messern und Gabeln und insgesamt fünf bis sechs Leute mit Stichverletzungen. 18.22 Uhr dann der Rückruf der Rettungskräfte. Sie würden von den Betreuern nicht ins Objekt gelassen, weil der Polizeieinsatz Vorrang hätte.

Die gewalttätigen Auseinandersetzungen, so die Botschaft aus der Herberge, würden aber zunehmen, so dass die Schnelleinsatzgruppe alarmiert werden musste. Die wurde dann zwei Minuten später in Bewegung gesetzt.

Das Bild, das sich Polizeibeamten im Speisesaal bot, war allerdings nicht so dramatisch. Pressesprecherin Gesine Kerwien: „Die Meldung von einer Massenschlägerei bestätigte sich nicht.“ In Wirklichkeit hatte es zunächst verbale Auseinandersetzungen zwischen „alteingesessenen“ und neu angekommenen Afghanen gegeben, weil letztere sich bei der Essenausgabe vordrängeln wollten.

Der Streit eskalierte, wobei ein Asylbewerber einen anderen mit einer Gabel stach. Kerwien weiter: „Ein 28-jähriger Iraner, der dem angegriffenen 22-Jährigen zur Hilfe kommen wollte, erlitt eine Schnittverletzung im Gesicht. Bei der daraus entstehenden Rangelei stürzte eine Heimbewohnerin (50 Jahre) aus Afghanistan und verletzte sich leicht am Kopf.“

Insgesamt gab es also nur drei Leichtverletzte. Im Einsatz waren 26 Polizisten, zwölf Feuerwehrleute und 37 Rettungskräfte. Der Burgenlandkreis hatte fünf Rettungs- und zwei Notarztwagen zur Jugendherberge geschickt, die SEG war mit zehn Autos auf der Vogelwiese angerückt. (ntb)