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Arbeitsmarkt: Haseloff erntet Widerspruch, Ironie und Beifall

Uhr | Aktualisiert 28.12.2012 08:57 Uhr
Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) (ARCHIVFOTO: DPA) 
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Die Urteile sind gegensätzlich: Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) habe mit seinem DDR-Vergleich seine Glaubwürdigkeit verspielt, heißt es in Leser-Beiträgen und Internet-Kommentaren ebenso wie: "Haseloff hat völlig Recht".
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Halle (Saale)/MZ. 

Ist die wirtschaftliche Lage von Hartz-IV-Empfängern besser als die Situation von Arbeitnehmern zu DDR-Zeiten? Von Empörung aus der Links-Fraktion bis zu Verständnis bei Wirtschaftsforschern reichen die Reaktionen auf entsprechende Äußerungen des Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts, Reiner Haseloff (CDU), in einem MZ-Interview. Eine Kontroverse zu dem Interview findet auch im Internet und in Leserreaktionen statt.

Wulf Gallert nannte Haseloffs Vergleich von DDR-Lebensverhältnisse mit der Situation von Arbeitslosen eine "unsägliche Entgleisung". Der Chef der Linken-Fraktion im Landtag sprach von einem "erneuten Versuch der Entwertung von DDR-Biografien".

Zurückhaltender kritisiert Andreas Steppuhn, Arbeitsmarktpolitiker des Koalitionspartners SPD. Er nannte Haseloffs Vergleich "unglücklich". Wegen verschiedener Rahmenbedingungen seien DDR-Einkommen mit heutigen Einkünften "nicht seriös vergleichbar". Er verwies auf die Unterschiede bei den Alltagskosten.

"Wir haben grundlegend andere Verhältnisse", sagte auch Wirtschaftswissenschaftler Oliver Holtemöller vom halleschen Institut für Wirtschaftsforschung (IWH). Vergleiche seien deshalb "problematisch". Wichtig sei indes die von Haseloff ebenfalls angesprochene soziale Sicherheit. Heutzutage seien Langzeitarbeitslose gut abgesichert, sowohl im internationalen als auch im historischen Vergleich. Zudem habe sich "auf jeden Fall" das Wohlstandsniveau verbessert, sagte Holtemöller.

Für die Lebenszufriedenheit jedes Einzelnen sei jedoch der Vergleich mit aktuellen Einkommen ausschlaggebend. Wichtig sei zudem, wie die eigenen Chancen bewertet werden - und die seien heute auch besser als vor 20 Jahren.

Dem widerspricht SPD-Mann Steppuhn: Es gebe heute viele Langzeitarbeitslose ohne Chance auf dem Arbeitsmarkt. Deshalb müsse weiter darum gekämpft werden, "jedem eine Perspektive zu geben".

Ministerpräsident Haseloff hatte im MZ-Interview gesagt, dass Langzeitarbeitslose in Deutschland besser abgesichert seien "als überall sonst auf der Welt". Und er habe sein letztes DDR-Einkommen mit den heutigen Verhältnissen verglichen. "Da lagen meine Frau und ich als Akademiker mit zwei Kindern bei 82 Prozent des heutigen Hartz IV." Zugleich hatte Haseloff betont, man könne Langzeitarbeitslose "nicht darauf verweisen, dass sie formal-materiell besser leben als in der DDR".

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