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Angriffe aus der Luft: Immer mehr Raben in Sachsen-Anhalt

Was das im Einzelfall auch bedeuten kann, erzählt Hobby-Gärtner Erwin Schröter aus dem Stadtteil Trotha: „Die Raben haben in diesem Herbst nahezu jeden zweiten Apfel am Baum mit ihren harten Schnäbeln angehackt - vor allem die rotbackigen Früchte“. Vieles habe er ausprobiert, aber weder Klappern noch Reflexstreifen im Geäst hätten sich als abschreckend erwiesen. Sein Vorschlag: „Da müssen endlich die Jäger ran.“

Landesjagdverband hüllt sich in Schweigen

Während der Naturschutzbund Nabu solche Pläne ablehnt - auch weil die Vögel viele Schädlinge, Käfer und Läuse fressen - hüllt sich Landesjagdverband in Schweigen. So gibt es keine Aussage, wie viele Rabenvögel jährlich abgeschossen werden. Ein Wunder ist das nicht, denn die Chancen für die Jagd auf Rabenvögel stehen in Sachsen-Anhalt schlecht. Nicht nur, weil innerhalb von Kommunen ohnehin nur in seltenen Ausnahmefällen geschossen werden darf. Rabenvögel, zu denen neben Nebel- und Rabenkrähen auch Kolkraben, Elstern und Eichelhäher zählen, können hierzulande nur zeitlich eingeschränkt oder gar nicht bejagt werden. Und Saatkrähen stehen sogar gänzlich unter Naturschutz.

Damit sind auch den Gemeinden die Hände gebunden. Nur wenn Verschmutzungen ein unerträgliches Maß erreichten oder die Gesundheit nachweislich gefährdet sei, dürfe gehandelt werden, heißt es. Selbst Aktionen, die auf die Vertreibung der Tiere zielen, sind laut Landesverwaltungsamt genehmigungspflichtig und an strenge Auflagen gebunden. MZ-Leser aus Eisleben (Mansfeld-Südharz) können das bestätigen. Obwohl sich viele Anwohner am Stadtpark vom Lärm und Dreck der Krähen massiv gestört fühlten, wollte die Behörde unter Hinweis auf den Naturschutz nicht eingreifen.

Unerreichbar für die Feuerwehr

Gleichzeitig rücken weitere Probleme ins Blickfeld. Erstens: Die Vögel bauen ihre Nester oft hoch in Bäume oder wie in Großkorbetha (Burgenlandkreis) sogar auf Strommasten. Damit sind sie mit einer normalen Feuerwehrleiter kaum erreichbar. Zweitens: Werden Krähen an einer Stelle vertrieben, berichtet Wolfgang Brandt nach einer solchen Aktion in Eisleben, weichen sie aus, suchen und finden gleich in der Nähe neue Nistplätze.

Landesweit am härtesten trifft es seit Jahren vermutlich die Stadt Kalbe an der Milde (Altmark). Dort hilft nicht einmal das Herunterspritzen der Nester von den Bäumen mit Feuerwehrschläuchen. Im Gegenteil: Immer noch zählen Vogelkundler deutlich mehr als 1 000 Saat- und andere Krähen, die in den Grünanlagen heimisch sind. Und die Kolonie wächst weiter. (mz)

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