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Altenburg: Brutale Füttermethoden in der Krabbelgruppe

Uhr | Aktualisiert 23.11.2012 16:53 Uhr

In einer Kinderkrippe in Altenburg wurden mehrere Kleinkinder von Erzieherinnen gefesselt. (FOTO: DPA)

Rabiate Erziehungsmethoden bei Kleinkindern waren im Altenburger Kindergarten „Spatzennest“ offensichtlich schon länger Usus. Träger und Kultusministerium wollen aber erst diese Woche von älteren Vorwürfen erfahren haben.
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Altenburg/dpa. 

Vorwürfe über rabiate Praktiken einiger Erzieherinnen waren der Leitung des Kindergartens „Spatzennest“ in Altenburg wohl schon länger bekannt. So habe eine junge Frau, die dort ein freiwilliges soziales Jahr leistete, vor gut einem Jahr von brutalen Füttermethoden in der Krabbelgruppe berichtet, sagte der Geschäftsführer der Volkssolidarität im Altenburger Land, Volker Kibisch, am Freitag. Der Wohlfahrtsverband ist Träger des Kindergartens. Doch habe damals Aussage gegen Aussage gestanden und bei Kontrollen habe sich der Bericht der jungen Frau nicht bestätigt.

Über die neuerlichen Vorwürfe hatte diese Woche erst die „Bild“-Zeitung und dann die „Osterländer Volkszeitung“ berichtet. Den Blättern schilderte die 19-Jährige, Kinder seien zum Essen gezwungen worden. Manchmal hätten sie sich dabei erbrochen. Auch sei ihnen mit Zwang etwas zu trinken eingeflößt worden, wobei sie sich oft verschluckt und deshalb geweint hätten.

Bereits vor einer Woche war bekanntgeworden, dass Erzieherinnen einer Gruppe von Kindern im Alter von bis zu zwei Jahren ihre Schützlinge zum Mittagsschlaf fest in Decken eingewickelt und diese zugeschnürt haben sollen. Zudem sollen sie ihnen Tücher aufs Gesicht gelegt haben. Essen, das die Kinder ausgespukt hatten, hätten sie ihnen mit Nachdruck in den Mund gesteckt. So hat es eine Schülerin berichtet, die dort im Oktober ein Praktikum absolviert hatte.

Der Träger selbst hatte diese Schilderungen publik gemacht. Von den älteren Vorwürfen will er erst diese Woche erfahren haben. Auch das Kultusministerium sei vor einem Jahr nicht informiert worden, sagte Sprecher Gerd Schwinger. Selbst bei einem Besuch von Fachleuten zu Wochenbeginn sei die Frage, ob es schon früher solche Vorfälle oder Beschwerden gab, verneint worden. Er bekräftigte, dass die Vorwürfe lückenlos aufgeklärt werden müssten.

Laut Kibisch wurden die Gesprächsprotokolle zu den Vorwürfen im vergangenen Jahr der Polizei übergeben. Die müsse den Anschuldigungen nun nachgehen und sie rechtlich bewerten. Bisher hätten noch keine Eltern ihre Kinder aus dem „Spatzennest“ abgemeldet. Nach Angaben der Polizei konzentrieren sich die Ermittlungen derzeit vor allem auf drei Erzieherinnen, denen inzwischen gekündigt wurde. Als Straftatbestände stünden Verletzung der Fürsorgepflicht ebenso wie Körperverletzung, Nötigung und Misshandlung von Kindern im Raum.

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