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Ackerland: Ostdeutsche Agrarflächen werden teurer

Uhr | Aktualisiert 01.02.2013 22:29 Uhr
Die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) hat durch Verkauf und die Verpachtung von Agrarflächen in Ostdeutschland dem Bund im vorigen Jahr 483 Millionen Euro in die Kasse gespült. (SYMBOLFOTO: BAUMBACH) 
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In Sachsen-Anhalt haben sich die Preise in fünf Jahren mehr als verdoppelt. Meist kaufen die Bauern aus der Region.
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Berlin/MZ/dpa. 

Die Preise für Ackerland in Ostdeutschland sind im vergangenen Jahr weiter deutlich gestiegen. So privatisierte die bundeseigene Bodenverwertungs- und Verwaltungs GmbH - kurz BVVG - ihre Flächen nach eigenen Angaben für einen Durchschnittspreis von 13 761 Euro pro Hektar. Dies ist ein Plus von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr. Noch höher fiel der Anstieg in Sachsen-Anhalt aus: Hier kletterten die Notierungen um 11,3 Prozent auf 17 392 Euro. Das höhere Niveau ist vor allem auf bessere Böden zurückzuführen. Damit haben sich die Preise in fünf Jahren mehr als verdoppelt.

Mit den steigenden Notierungen dürfte die Diskussion wegen teuren Bodens an Fahrt gewinnen. Zuletzt sagte Sachsen-Anhalts Agrarminister Hermann Onko Aeikens (CDU): „Der Acker wird zum Spekulationsobjekt für Anleger.“ Seit der Finanzkrise 2008 würden auch Investoren, die nicht aus der Landwirtschaft kommen, Boden kaufen, um so Rendite zu erzielen (die MZ berichtete).

BVVG-Geschäftsführer Wilhelm Müller begründete den fortgesetzten Preisanstieg mit einer weltweit zunehmenden Nachfrage nach Agrarprodukten. Außerdem näherten sich die Preise in Ostdeutschland allmählich denen in Westdeutschland an, sagte Müller gestern in Berlin. Im Westen waren für Ackerland 2011 im Durchschnitt 20 500 Euro pro Hektar zu zahlen.

Aus ihrem Bestand verkaufte die BVVG im vergangenen Jahr 40 400 Hektar Ackerland und 12 200 Hektar Wald. Von den Äckern gingen 15 300 Hektar verbilligt an Alteigentümer. „Die übrigen Felder bekamen überwiegend ortsansässige Betriebe“, sagte Müller. So seien 16 700 Hektar an bisherige Pächter verkauft worden. 7 600 Hektar wurden laut Müller nach einer Ausschreibung veräußert. Etwa 80 Prozent davon seien ebenfalls an Betriebe am Ort gegangen.

Müller räumte ein, dass hinter diesen Betrieben auch Konzerne von außerhalb stecken könnten oder Landwirte mit Investoren kooperierten. Zahlen dazu nannte er nicht. Für Kapitalanleger seien aber die Ausschreibungen der BVVG mit durchschnittlich 8,3 Hektar Fläche „in der Regel uninteressant“.

Aeikens und die Bauernverbände in Sachsen-Anhalt haben in der Vergangenheit öfter kritisiert, dass mitunter auch große Flächen verkauft werden. Sie dringen darauf, dass die BVVG immer nur kleinere Flächen zum Verkauf ausschreibt. Bei größeren Flächen können finanzschwächere landwirtschaftliche Betriebe kaum mitbieten.

Verkauf und Verpachtung von Feldern und Forst spülte dem Bund im vorigen Jahr 483 Millionen Euro in die Kasse. Im Jahr zuvor hatte der Überschuss 597 Millionen Euro betragen. Für dieses Jahr plant die BVVG Einnahmen von etwa 363 Millionen Euro.

Seit dem Jahr 1992 hat die Gesellschaft 1,3 Millionen Hektar ehemalige DDR-Agrarflächen privatisiert. Ende 2012 hatte sie noch 316 000 Hektar im Bestand. Die Wälder sollen bis 2014, die Äcker bis 2025 abgegeben sein.

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