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„Polizeiruf 110“: Diskussion um Krimi aus Magdeburg

Szene aus dem neuen Polizeiruf

Eine Szene im Milieu: Polizeiruf-Kommissarin Brasch versucht, die Band „Blitzkrieger“ zu befragen.

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MDR/ julia terjung

Halle (Saale)/MZ -

Noch fast sechs Wochen müssen Krimifreunde auf die Ausstrahlung des ersten „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg warten. Doch schon jetzt sorgt der Streifen „Der verlorene Sohn“ für Diskussionen. In dem Film geht es um Rechtsextremismus. Auch wenn niemand offen darüber sprechen will, so heißt es in Teilen der Landesregierung doch, diese Themenwahl sei zumindest unglücklich.

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) will sich so schnell wie möglich ein eigenes Bild machen und sich den Film frühzeitig ansehen. Sein Sprecher Matthias Schuppe sagte am Montag zur MZ: „Der MDR stellt uns freundlicherweise vorab eine Kopie des Streifens zur Verfügung.“ Der Film soll erst am 17. September in Magdeburg offiziell vorgestellt werden. Die bundesweite Ausstrahlung ist für den 13. Oktober geplant.

Im vergangenen Jahr hatte der Umzug des Polizeirufs von Halle in die Landeshauptstadt für aufgeregte Diskussionen gesorgt. Während Halle befürchtete, mit dem Verlust der Krimi-Reihe auch einen Werbeträger zu verlieren, hofft man in Magdeburg, das eigene Image aufpolieren zu können.

Die erste Folge führt Claudia Michelsen (44) nun als Hauptkommissarin Doreen Brasch und Sylvester Groth (55) als ihren Kollegen Jochen Drexler in die rechte Szene von Magdeburg. Dabei trifft die Kommissarin ihren Sohn wieder, der ins rechtsextreme Milieu abgetaucht ist.

Die Reaktionen in der Landesregierung sind gespalten. Einerseits akzeptiere man die künstlerische Freiheit. Andererseits sehen viele die Gefahr, dass der Film längst überwunden geglaubte Klischees von Nazi-Hochburgen in Sachsen-Anhalt wiederbelebe. Es sei, so heißt es von Kritikern, angesichts der Erfolge im Kampf gegen Rechts vielleicht nicht günstig, ein solches Thema zu wählen.

Der MDR sieht sich indes auf der sicheren Seite. Pressechefin Susanne Odenthal: „Der Polizeiruf 110 ist ein fiktionales Format: Wir erzählen emotional packende Geschichten.“ Dabei habe man aber auch den Anspruch, nicht nur zu unterhalten, sondern gesellschaftliche Konflikte mit künstlerisch überzeugenden Figuren darzustellen. Das sei mit diesem Film, der auch ins rechte Milieu führe, hervorragend gelungen. In zukünftigen Folgen, so Odenthal, werde man sich aber dem breiten Spektrum an Kriminalfällen widmen.

Im aktuellen Jahresbericht des Landesverfassungsschutzes heißt es, Sachsen-Anhalt habe „mit einer zunehmenden rechtsextremen Belastung“ zu kämpfen. So habe sich die Zahl der Rechtsextremisten im Lande im vergangenen Jahr von 1?360 auf 1 400 erhöht. Vor diesem Hintergrund hofft David Begrich vom Verein Miteinander - einem Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt - dass der Film eine wichtige Debatte auslöst.