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Unglück in Bad Lauchstädt: Woher kam die Rakete?

Tatort

Der 18-jährige Tom kehrt mit seiner Mutter an die Stelle zurück, an der ihn die Rakete am linken Oberarm traf - er telefonierte.

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Peter Wölk

Merseburg -

Die Menschen im Schreberweg von Bad Lauchstädt machen sich Gedanken um die beiden Jugendlichen, die am Samstagabend vor dem Eingang zur Gartenanlage „Erholung“ verletzt wurden. „Das ist ganz schlimm, aber uns ist an dem Abend nichts aufgefallen“, sagte eine Anwohnerin. „Wir haben auch keinen Knall gehört“, meinte eine andere Nachbarin. „Aber das ist so, wenn wir die Jalousien unten haben, dann hören wir von draußen nichts.“

Rekonstruktion des Unglücks

Gegen 20.50 Uhr am Samstagabend waren die beiden Cousins Tom (18) und Kevin (16) von einer Feuerwerksrakete getroffen worden. Kevin erlitt durch die Explosion schwerste Verbrennungen im Gesicht und Verletzungen an den Augen, Tom wurde an der Hand verletzt und leidet ebenfalls durch die Explosion immer noch unter Schmerzen im Gesicht. „Sonne können meine Augen zum Beispiel gar nicht ertragen. Das ist ganz schlimm“, sagt der 18-Jährige und zeigt der MZ nochmal den Ort, wo das Unglück passiert war. „Die Rakete muss hier die Straße entlanggeflogen sein“, meint er. „Aus Richtung Gartenanlage ist sie glaube ich nicht gekommen.“ Es könnte sein, dass er nach dem Knall jemanden habe weglaufen sehen. „Ganz sicher bin ich mir da aber nicht.“ Allerdings habe er, als er mit Kevin mit dem Auto angekommen sei, etwa 50 Meter vor der Gartenanlage einen Transporter gesehen, der mit geöffneter Ladeklappe neben einer kleinen Baustelle gestanden habe. „Ob der allerdings damit etwas zu tun gehabt haben könnte? Keine Ahnung“, meint Tom schulterzuckend.

Unfall oder Absicht?

Noch immer ist nicht klar, wer für die Verletzungen der beiden Jugendlichen verantwortlich ist. „Unsere Beamten waren vor Ort, haben alles videografiert und mit Anwohnern und den Betroffenen gesprochen“, sagte Jürgen Müller, der Polizeisprecher des Saalekreises, auf Anfrage der MZ. „Wir konnten allerdings keine Spuren sichern, deshalb haben wir bisher auch noch keine Erkenntnisse, die zu demjenigen führen, der die Rakete abgefeuert hat. Unfall oder Absicht - wir ermitteln in alle Richtungen.“

MZ fragte Pyrotechniker Sven Richter aus Merseburg, ob es sich bei dem, was am Samstagabend explodiert ist, um etwas anderes als eine Feuerwerksrakete handeln könnte. „Ich halte eine Feuerwerksrakete für das Wahrscheinlichste“, meint der Mann, der für Privat- oder Firmenkunden Feuerwerke unterschiedlichster Größe organisiert. Normalerweise fliege eine Rakete 60 bis 70 Meter hoch. Das könne allerdings variieren, und natürlich könne man eine Rakete auch waagerecht fliegen lassen. Ein Feuerwerksrakete hatte den 18-jährigen Tom zunächst am Arm getroffen, als er telefonierte, dann war das Geschoss gegen Kevins Kopf geflogen und explodiert. (mz)


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