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Sekundarschule Bertolt Brecht in Zöschen: Keine Lehrer, keine Englisch-Noten

Statt einer Note stehen bei einigen Schülern der Sekundarschule in Zöschen nur zwei Buchstaben auf dem Halbjahreszeugnis.

Statt einer Note stehen bei einigen Schülern der Sekundarschule in Zöschen nur zwei Buchstaben auf dem Halbjahreszeugnis.

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Peter Wölk

Zöschen -

Einige Fünftklässler der Sekundarschule Bertolt Brecht in Zöschen konnten der Zeugnisausgabe entspannt entgegensehen. Wo bei ihren Mitschülern eine Englischnote eingetragen war, standen bei ihnen nur zwei Buchstaben: „n.b.“ - nicht benotet. In ihrer Klasse war im ersten Halbjahr so viel Englischunterricht ausgefallen, dass eine Benotung nicht möglich war. Die Eltern erfuhren im Oktober durch einem Brief davon.

Was für die Schüler (noch) ein Grund zu Freude sein könnte, ärgert die Eltern gewaltig. Sie fürchten, dass ihre Kinder später Nachteile durch den verpassten Unterricht davontragen. Grund für den Ausfall sei eine für lange Zeit kranke Englischlehrerin, erklärt Sabine Heklau, Schulfachliche Referentin am Landesschulamt. Von zwei Englischlehrern, die an der Schule arbeiten, sei eine seit September krank. Der Versuch, eine Ersatz-Lehrerin von einer anderen Schule nach Zöschen zu holen, scheiterte. Der Unterricht sei deshalb auf zwei Wochenstunden reduziert worden. Normal fünf Stunden Englischunterricht pro Woche.

GEW fordert 300 neue Lehrer einzustellen

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte schon im Oktober eindringlich davor gewarnt, dass es zu wenig Lehrer gebe. Die Situation sei so schlecht, dass es so nicht bis zum Schuljahresende weitergehen könne, sagte damals GEW-Landeschef Thomas Lippmann. Es müssten sofort 300 neue Lehrer eingestellt werden, um Reserven für Krankheitsfälle zu schaffen.

Problematisch in Zöschen ist auch, dass der wenige verbliebene Unterricht teilweise durch fachfremde Lehrer übernommen wurde. Laut Heklau sei eine der beiden Klassen durch die verbliebene Englischlehrerin und eine von ihr intern geschulte fachfremde Kollegin unterrichtet worden. Diese Klasse sei auch benotet worden. Die andere Klasse habe jedoch von der Englischlehrerin erstellte Aufgaben erhalten. Jene Schüler haben jetzt ein „n.b.“ auf dem Zeugnis stehen.

Eine ganze Klasse muss zu Hause bleiben

Um die Situation im kommenden Schuljahr zu entschärfen, bemüht sich das Landesschulamt um einen neuen Englischlehrer. Bis kommenden Dienstag läuft eine Ausschreibung für eine Stelle in Zöschen. Würde sich ein geeigneter Bewerber finden, könne er ab dem 15. Februar eingestellt werden, so Heklau. Die Stelle ist voraussichtlich bis Juni befristet. Heklau nimmt die Schule in Schutz. „Sie hat alles getan, was ging. Und beide Klassen hatten Englischunterricht“, sagt sie. Außerdem hätten die Schüler ja auch Vorkenntnisse aus der Grundschule.

Im Dezember hatte die Sekundarschule schon einmal Schlagzeilen gemacht, weil so viele Lehrer krank waren, dass eine 7. Klasse mehrere Tage zu Hause bleiben musste. Elternratsvorsitzende Nicole Heldt ist deshalb alarmiert. „Wir brauchen jetzt eine Lösung“, sagte sie. Die Schulleitung habe sich an die Ämter gewandt, doch es geschehe nichts.

„Mehr als Ausschreiben können wir nicht“, sagt Sabine Heklau. Das Schulamt sei bemüht, eine Lösung zu finden, weil es wisse, dass Englisch ein Kernfach sei. Die Schule wollte sich auf Anfrage nicht äußern und verwies auf das Landesschulamt. (mz)


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