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Prokurist der Infra-Leuna: Jurist löst seinen letzten Fall

Werner Popp (links) übergibt Ende des Monats seine Amtsgeschäfte an Detlev Brodkorb. Einen Monat lang arbeitet der 63-Jährige seinen Nachfolger ein. „Ich habe ein gutes Gefühl dabei“, sagt der scheidende Prokurist.

Werner Popp (links) übergibt Ende des Monats seine Amtsgeschäfte an Detlev Brodkorb. Einen Monat lang arbeitet der 63-Jährige seinen Nachfolger ein. „Ich habe ein gutes Gefühl dabei“, sagt der scheidende Prokurist.

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Peter Wölk

Leuna -

Im Büro von Werner Popp geht es seit Anfang des Jahres beengter zu. Zwei Schreibtische stehen sich gegenüber. Auf der einen Seite hat Werner Popp - Prokurist und Leiter der Rechtsabteilung der Infra-Leuna GmbH - seinen angestammten Platz. Ihm gegenüber sitzt Detlev Brodkorb. Der gebürtige Hamburger wird am 1. Februar den Posten von Popp übernehmen. Beide Männer bereiten derzeit intensiv die Amtsübergabe vor. Schließlich soll der Wechsel möglichst reibungslos über die Bühne gehen. Für Werner Popp, der heute seinen 63. Geburtstag feiert und in einem festlichen Rahmen verabschiedet wird, endet damit der wichtigste Abschnitt seines beruflichen Lebens. 38 Jahre lang hatte er am Chemiestandort gearbeitet. MZ-Redakteur Dirk Skrzypczak hat mit ihm gesprochen.

Herr Popp, verspüren Sie ein flaues Gefühl in der Magengegend? So ein Abschied setzt ja zumeist starke Emotionen frei.

Popp: Ehrlich gesagt, bin ich in den letzten Tagen kaum zum Grübeln gekommen. Und das ist auch gut so. Das Tagesgeschäft muss geregelt sein. Außerdem bereite ich mit Detlev Brodkorb die Übergabe vor. Aber es wird natürlich der Moment kommen, an dem es emotionaler für mich wird. Aber so habe ich es ja gewollt.

Sie hatten sich eine Verabschiedung im kleinen Kreis gewünscht, ohne großen Rummel. Ihr Arbeitgeber sieht das anders und hat einen festlichen Rahmen organisiert.

Popp: Naja, ich sehe mich nicht als Helden. Die Arbeit habe ich mit Herzblut erledigt. Leuna war für mich immer mehr als nur ein Job. Leistung bringt man nur dann, wenn man sich mit einer Sache auch identifiziert. Zumindest ist es bei mir so gewesen. Aber ich freue mich natürlich über die Wertschätzung, die ich erfahre.

Als Chefjustiziar hatten sie auch schon vor der Wende tiefe Einblicke in die inneren Mechanismen am Standort. Welche Zeit war denn die spannendere - die vor oder die nach dem Mauerfall?

Popp: Gedanklich liegen die Jahre nach 1990 näher. Das Jahrzehnt bis 1990 war von der Intensität definitiv das schwierigste und das anspruchsvollste. Meine Frau erinnert mich noch heute daran, wie wenig sie mich damals gesehen hatte. Diese Phase nach der Wende bis zum Abschluss der Restrukturierung hat von uns alles abverlangt. Ich denke aber gern an die Zeit zurück, weil sichtbare Ergebnisse erzielt wurden. Wir haben nicht für den Papierkorb gearbeitet. Die größte Motivation in dieser Phase war für mich, so viele Arbeitsplätze wie möglich zu erhalten. Ich bin stolz, dass uns das auch gelungen ist.

In der DDR musste die Planwirtschaft doch möglichst im Gleichschritt marschieren. Natürlich gab es auch Wirtschaftskontakte in den Westen, die geregelt werden mussten. Aber es ist schwer vorstellbar, dass Sie sich mit anderen sozialistischen Betrieben gestritten haben.

Popp: Selbstverständlich gab es damals im Vergleich zu heute fundamentale, vor allem systemrelevante Unterschiede. Die Planwirtschaft war stark reglementiert. Auch in der DDR stand die Vertragsarbeit im Mittelpunkt. Und ja, wir haben uns mit anderen Betrieben gestritten. So selten war das nicht. Dafür war das Staatliche Vertragsgericht zuständig. Jeder hat versucht, die viel zu kurze Decke so hin- und herzuziehen, dass er den größten Zipfel abbekommt.

Mit der Wende hat sich Ihr Einsatzgebiet sicher deutlich vergrößert und damit das Konfliktpotenzial. Sind Sie ein streitlustiger Mensch, der gern vor den Kadi gezogen ist?

Popp: Tatsächlich hatten sich seit 1990 die Rechtsvorschriften deutlich erweitert. Aber nein, wir versuchen, so wenige Gerichtsverfahren wie möglich zu führen. Die kosten nämlich viel Zeit und Geld, erfordern einen hohen Aufwand und führen oft zu einer Entscheidung, mit der beide Seiten nicht wirklich leben können. Also versuchen wir, dass wir uns gütlich mit anderen einigen, was fast immer, aber eben nicht überall funktioniert.

Sie sind seit dem Jahr 2000 Vorsitzender des Kulturhaus-Fördervereins und damit auch gesellschaftlich in Leuna sehr aktiv. Halten Sie dem Verein die Treue?

Popp: Ich wurde im vergangenen Jahr bis 2018 im Amt bestätigt. Und dabei bleibt es auch. Ich habe mich nie vor der Verantwortung gedrückt. Die ehrenamtliche Aufgabe im Förderverein hat mich immer gereizt. Die Zusammenarbeit mit dem Kulturhaus funktioniert klasse, und diese werde ich fortsetzen.

Sie haben mal gesagt, dass die Beziehung zu Leuna für Sie eher eine Liebe auf den vierten oder fünften Blick gewesen ist. Fühlen Sie sich jetzt hier zu Hause?

Popp: 1969 bin ich aus dem oberen Vogtland in die Gegend gekommen. Das war anfangs ein Schock für mich. Im Laufe der Zeit ist mir die Region aber ans Herz gewachsen. Und was ich mir vor 40 Jahren nie hätte vorstellen können: Seit 1997 wohnen wir in Leuna. Und ja, es ist unsere Heimat.


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