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Mitteldeutsche Zeitung | Notsicherung nach Erdrütschen : Altenburger Friedhof bald wieder frei
09. January 2016
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Notsicherung nach Erdrütschen : Altenburger Friedhof bald wieder frei

Bernd Rüttinger (rechts), Referatsleiter Bau in der Landeskirche Mitteldeutschlands, steht mit Pfarrer Martin Eberle (Mitte) un

Bernd Rüttinger (rechts), Referatsleiter Bau in der Landeskirche Mitteldeutschlands, steht mit Pfarrer Martin Eberle (Mitte) und Baugrundgutachter Rüdiger Langguth an einem der verfüllten Erdrutsche.

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Peter Wölk

Merseburg -

Unaufhörlich fließt die graue Masse aus dem Schlauch in das Bohrloch. Mehr als ein leises Gluckern ist nicht zu hören. Seit Mitte Dezember werden alte Luftschutzstollen verfüllt, die vor über 70 Jahren zumeist 16 Meter unter dem Altenburger Friedhof in den Berg getrieben wurden. 730 Kubikmeter der Mixtur wurden bislang in das Erdreich gepumpt, deutlich mehr als die ursprünglich veranschlagten 500 Kubikmeter. Wie stark der Kostenrahmen - 200.000 mühsam erkämpfte Euro - überzogen wird, ist unklar.

Die Arbeiten zeigen Wirkung, das ist für die Nutzer des Friedhofs die wichtigste Nachricht. „Zwei der drei Baufelder können wir freigeben. Nur der Bereich hinter dem Petri-Kloster muss noch etwa einen Monat gesperrt bleiben. Hier können wir noch keine Entwarnung geben“, sagt Bernd Rüttinger, Referatsleiter Bau in der evangelischen Kirche Mitteldeutschlands, der MZ.

Zugang zu Gräbern soll bald wieder möglich sein

Der Zugang zu einem Großteil der 281 Gräber, die seit September 2014 nicht mehr gepflegt werden dürfen, weil nach Erdrutschen in Teilen des Friedhofs Lebensgefahr drohte, ist also bald wieder möglich. Auf einen genauen Zeitpunkt will sich Pfarrer Martin Eberle aber nicht festlegen: „Zunächst benötigen wir von den Fachleuten die schriftliche Bestätigung, dass wir die entsprechenden Bereiche wieder betreten dürfen.“ Außerdem müsse man Wege kontrollieren, die mitunter durch Baumaschinen in Mitleidenschaft gezogen worden sind. Das gehe aber erst, wenn es das Wetter zulässt. Ein paar Tage müssen sich die Angehörigen noch gedulden.

Die weitere eingeschränkte Nutzung von Merseburgs ältestem Friedhof werde aber erst dann möglich sein, „wenn alle Sperrungen aufgehoben sind“. Es bleibt bei den für viele Merseburger schmerzhaften Entscheidungen, die das evangelische Kirchspiel getroffen hat. Nutzungsrechte für neue Grabstellen werden nicht mehr erteilt. Für eine Übergangszeit bis zum 31. Dezember 2025 sind aber noch Urnenbeisetzungen möglich - wenn dafür bereits Grabstellen existieren, auf denen Platz ist. Solange Nutzungsrechte noch bestehen, wird die Ruhestätte durch das Kirchspiel weiter bewirtschaftet, aber schrittweise auch abgebaut.

Friedhof wird aufgegeben

Spätestens 2040 ist dann Schluss. Der Altenburger Friedhof, auf dem seit 800 Jahren Menschen zu Grabe getragen wurden, wird aufgegeben. Der drastische Entschluss hat mehrere Gründe. Einerseits kann nicht garantiert werden, dass sich nicht doch noch Hohlräume unter dem Friedhof befinden. Zweitens ist der Gottesacker durch seine Hanglage nur schwer zu bewirtschaften. Und drittens hat Merseburg deutlich mehr Friedhofsfläche (kirchlich wie kommunal), als es die Einwohnerzahl hergibt. Und so gibt das Kirchspiel in der Kernstadt dem Stadtfriedhof sowie dem Friedhof am Neumarkt den Vorzug.

Angehörige können Verstorbene vom Altenburger Friedhof in eine der beiden Ruhestätten umbetten lassen - um beispielsweise Familiengräber für Sargbestattungen weiter nutzen zu können. Voraussetzung ist aber, dass sich eine Firma findet, die auf eigenes Risiko die Umbettung vornimmt. An tiefe Erdarbeiten wagt sich die Kirche aus Sicherheitsgründen selbst jedenfalls nicht mehr heran. (mz)


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