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Naturtrend: Der Hobby-Schäfer aus Lochau

Reinhard Beier hält sich sich Schafe - zum Spaß. Immer mehr Privatleute folgen diesem Trend.

Reinhard Beier hält sich sich Schafe - zum Spaß. Immer mehr Privatleute folgen diesem Trend.

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Peter Wölk

Lochau -

In Sachsen-Anhalt gibt es einen Trend zum Privat-Schaf. Immer mehr Menschen halten sich die wolligen Vierbeiner wie Hunde, Katzen oder Kanarienvögel. Der Schafzuchtverband Sachsen-Anhalt zählte im vergangenen Jahr 221 Mitglieder - acht mehr als 2014.

Einer der Hobby-Hirten wohnt im Saalekreis. Die zehn Schafe von Reinhard Beier halten immer zwei bis drei Meter Abstand zu Besuchern, Spaziergängern und selbst zu ihrem 62-jährigen Besitzer, der beruflich so gar nichts mit Schafen zu tun hatte. Er ist Ruheständler und war nach der Wende Vollstreckungsbeamter im öffentlichen Dienst. Zu DDR-Zeiten arbeitete er bei Robotron. Nun hält er sich knapp ein Dutzend Heidschnucken auf einer Weide am Ende einer Sackgasse, eine Gehminute von seinem Haus in Lochau entfernt.

Dass die wolligen Vierbeiner nicht zum Kuscheln gedacht sind und den Abstand zu Menschen wahren, ist nicht der einzige Unterschied zu gewöhnlichen Haustieren. Sie machen auch viel mehr Arbeit. „Zwei bis drei Stunden bin ich jeden Tag bei ihnen“, erzählt Beier. Im Sommer zieht er stundenlang mit seinen beiden Hütehunden umher. Maximal vier Tage Urlaub können er und seine Frau Doris nehmen, dann müssen sie wieder nach den Tieren schauen.

Es ist ein Unterschied, ob ein Nachbar für 14 Tage täglich eine Dose Katzenfutter aufmachen oder nach zehn Heidschnucken schauen muss. Die können im Sommer gut und gerne zehn Kilo Gras fressen. Im Winter brauchen sie mindestens ein Kilo Zuckerrüben. Hinzu kommen die Kontrolle des Zauns, ein kurzer Gesundheitscheck der Tiere und die Reinigung.

Reinhard Beier hat sich aus mehreren Gründen trotz des großen Aufwands für die gutmütigen Tiere entschieden. Sein Vater und Großvater waren Schäfer. Hin und wieder half er bei ihnen aus - schon damals als Hobby. Der Lochauer will die Schafe in einer Umgebung belassen, die so natürlich ist, wie nur eben möglich. „Bei mir ist das anders als bei den Profis. Die Schafe können sich alles selbst aussuchen“, sagt er. Das habe mit Tierliebe zu tun und mit noch etwas anderem: „Man muss sie respektieren“, sagt Beier mit Blick auf seine Schafe, die sich im großen Gehege bewegen können, wie sie wollen. Trotzdem landet hin und wieder ein Schaf im Kochtopf. Aber weder für das Fleisch noch für die nicht-spinnbare filzige Wolle hält er die Tiere. Das betont der Hobby-Hirte.

Heidschnucken haben ihren eigenen Kopf. Beier will sie nicht einsperren und ihnen nicht - wie kommerzielle Schafhalter - vorschreiben, wann sie sich paaren. Das lassen Heidschnucken auch überhaupt nicht mit sich machen. Nur einmal im Jahr gibt es eine Chance auf Lämmer. Für Fleisch- und Wollproduzenten sind sie deshalb uninteressant.

Reinhard Beier hat auch schon bemerkt, dass sich immer mehr Privatleute Schafe halten, so wie er. Wer es ihm gleichtun möchte, sollte allerdings viele Punkte beachten: Bietet mein Grundstück genug Auslauf? Wie viel Zeit und Geld will ich opfern. Schließlich ist es mit rund 100 Euro Anschaffungskosten für ein zuchtfähiges Schaf nicht getan. Tierarzt, Futter und Schur kosten zusätzlich. Und selbst, wer mit einem Schaf der Rasenmäher ersetzen will, könnte enttäuscht werden. „Das Schaf frisst das Gras nicht gleichmäßig“, sagt Beier. Es ist eben doch nur ein Haustier - ein außergewöhnliches. (mz)


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