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Nach Vollsperrung der Autobahn 38 wegen Glätte: Raser schocken Einsatzkräfte

Auf der Querfurter Platte warnen große elektronische Tafeln beispielsweise vor Glätte. Wie Polizei und Feuerwehr am Sonnabend allerdings feststellten, waren trotzdem viele Raser unterwegs, die die Hinweise ignorierten.

Auf der Querfurter Platte warnen große elektronische Tafeln beispielsweise vor Glätte. Wie Polizei und Feuerwehr am Sonnabend allerdings feststellten, waren trotzdem viele Raser unterwegs, die die Hinweise ignorierten.

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Wölk

Schafstädt -

Es ist kurz nach 6 Uhr am Samstag früh, als die Feuerwehr Schafstädt alarmiert wird. Auf der Autobahn 38 liegt nahe dem Dreieck Halle-Süd ein Lastzug quer, umgestürzt auf einer glatten Piste aus Schneematsch und Eis. „Wir sind vorsichtig mit Tempo 50 und Blaulicht zum Einsatz auf der Autobahn gefahren. Es war höllisch glatt“, schildert Ronny Just, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Schafstädt. „Und doch sind wir von vielen Autos überholt worden. Den Fahrern waren die winterlichen Verhältnisse egal“, sagt er. Auch die Beamten der Autobahnpolizei, die zu dem Unfall gerufen werden, machen die gleichen Beobachtungen. Die elektronische Warnanlage auf der Querfurter Platte, die mit großen Tafeln und stechenden leuchtenden Hinweisen die Verkehrsteilnehmer zur Vorsicht mahnt, bringt jedenfalls nichts, wenn die Warnungen so zahlreich wie am Sonnabend ignoriert werden. „Erschreckend ist das aber schon gewesen“, meint Just.

Seit Dezember 2013 ist die Anlage in Betrieb. Im November 2012 hatte es auf der Weitzschkertalbrücke bei dichtem Nebel und Blitzeis eine Massenkarambolage mit 56 Fahrzeugen, elf schwer verletzten Personen und einem Sachschaden in Millionenhöhe gegeben. Daraufhin war die Warnanlage installiert worden. Ein Allheilmittel ist sie nicht, wie der Sonnabend zeigt. Zunächst war in der Nacht Eisregen gefallen, dann kam der Schnee. Dem Sattelzug aus Griechenland, der am Dreieck Halle-Süd ins Schlingern kam und umstürzte, wurden vermutlich vereiste Spurrillen zum Verhängnis. „Das Gespann war mit Winterreifen unterwegs. Die genaue Unfallursache muss natürlich noch ermittelt werden“, sagt eine Beamtin der Autobahnpolizei der MZ. Der verletzte Fahrer wird ins Krankenhaus nach Merseburg gebracht.

15 Stunden Vollsperrung

Es entwickelt sich ein Geduldsspiel und ein langwieriger Einsatz. 15 Stunden bis 21.30 Uhr ist die A 38 an der Unfallstelle in Richtung Leipzig voll gesperrt. An der Abfahrt Schafstädt lotst die Polizei die Fahrzeuge herunter. Dass am Sonnabend weniger Verkehr unterwegs ist, erweist sich natürlich als Vorteil. Der havarierte Lkw hat Mischgut geladen, darunter Laminat und Fässer mit Farbe. Einige dieser Fässer platzen, Farbe läuft auf die Autobahn, ebenso Betriebsstoffe aus der Zugmaschine. „Wir haben uns zunächst um den verletzten Fahrer gekümmert und die Flüssigkeiten eingedämmt, damit sie nicht weiter auslaufen“, sagt Wehrleiter Ronny Just.

Die Säuberung der Fahrbahn übernimmt später die Ölwehr. Außerdem muss die Fracht auf einen anderen Lkw umgeladen werden, bevor das umgestürzte Gespann aufgerichtet werden kann. Derweil ereignen sich im Zuständigkeitsbereich der Autobahnpolizei Weißenfels zwölf weitere glättebedingte Unfälle. Unter anderem kracht an der Auffahrt Merseburg-Süd ein weiterer Lkw in die Leitplanke.

Der Winterdienst hatte indes keine Chance, den Niederschlägen überall und sofort die Stirn zu bieten. Das Wetter selbst brauchte im Tagesverlauf die erhoffte Entspannung. Die Temperaturen kletterten deutlich über den Gefrierpunkt, was die Lage auf den Straßen spürbar entspannte. (mz)


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