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Nach Protest gegen Angela Merkel: Jetzt spricht der Merseburger Professor und erklärt seine Aktion

Thomas Rödel

Thomas Rödel

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Peter Wölk

Halle (Saale)/Merseburg -

Das Plakat stammt aus den Kindertagen der Bundesrepublik Deutschland. In den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts warb die CDU damit für die Politik von Konrad Adenauer. Mit dem Spruch „Keine Experimente“ wurde vor der angeblich drohenden Planwirtschaft gewarnt, sollte die CDU die Macht verlieren.

Thomas Rödel, Chemieprofessor an der Hochschule Merseburg, hat das Plakat entstaubt und damit bei der Eröffnung des Fraunhofer-Instituts in Halle am Montag für Aufsehen gesorgt. Rödel hielt das Plakat während der Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hoch - als Sinnbild für die seiner Meinung nach falsche Flüchtlingspolitik. Am Dienstag schlugen die Wogen hoch: Uni-Rektor Jörg Kirbs distanzierte sich, und Rödel bemühte sich, die Aktion zu erklären.

Merkel-Rede in Halle von Zwischenrufer unterbrochen
Halle (Saale), 26. Januar 2016: Bei der Eröffnung des neuen Fraunhofer-Instituts in Halle hielt ein Chemie-Professor der Hochschule Merseburg ein Schild mit dem Aufruf „Keine Experimente“ hoch. Er habe Angst um die Zukunft seiner Kinder, rief er am Montag der Kanzlerin auf dem Podium zu.

Er sei ein politisch interessierter Mensch und mache sich angesichts der Entwicklung große Sorgen. Im Zusammenhang mit der Flüchtlingsfrage nehme das Gegeneinander in Europa immer mehr zu, Deutschland werde zunehmend isoliert.

„Ich bin unsicher, ob wir das schaffen. Das wollte ich mit der Aktion zum Ausdruck bringen“, sagte Rödel.

Guten Ruf in der Fachwelt

Der 48-Jährige lehrt seit zehn Jahren in Merseburg, zuvor hatte er in der freien Wirtschaft gearbeitet. Er hat in der Fachwelt einen guten Ruf. Rödel stammt aus Oberfranken, wo er seinen ersten Wohnsitz hat. Nach seinen Angaben habe er dort mehrfach den Kontakt mit dem örtlichen Bundestagsabgeordneten gesucht, um mit ihm über die Flüchtlingskrise zu sprechen. Als Antwort habe er nur die Aufforderung erhalten, eine Mail zu schicken.

Auch dieses Erlebnis habe ihn zu der Aktion im Fraunhofer-Institut bewogen. „Das habe ich als Privatmensch gemacht.“ Er sehe im Nachhinein ein, dass er die Veranstaltung gestört habe. „Das haben die Wissenschaftler nicht verdient, dadurch wurde deren Arbeit weniger gewürdigt.“ Er werde dies auch in einem Gespräch mit dem Leiter des Instituts, Ralf Wehrspohn, zum Ausdruck bringen.

Ausdrücklich verwahrte sich Rödel dagegen, wegen des Protestes in die rechte Ecke gestellt zu werden. Und in diesem Punkt erhält der Wissenschaftler auch Unterstützung von seinem Rektor: „Dort gehört er auf keinen Fall hin.“ (mz/zö)


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