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Milchbauern schlagen Alarm: Preisverfall auch im Saalekreis ein Teufelskreis

Die Milchbauern im Kreis haben angesichts des anhaltenden Preisverfalls nichts mehr zu lachen.

Die Milchbauern im Kreis haben angesichts des anhaltenden Preisverfalls nichts mehr zu lachen.

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Peter Wölk

Nemsdorf-Göhrendorf -

Weil die Milchpreise nach wie vor im Keller sind, hat der Landesbauernverband zu Wochenbeginn Alarm geschlagen. Von den 619 Betrieben in Sachsen-Anhalt stehen demnach rund 60 vor dem Aus, weil sie Miese machen. Auch im Saalekreis ist die Stimmung bei den Milchbauern auf dem Tiefpunkt angelangt. „Wir bekommen derzeit 26 Cent pro Liter Milch, bräuchten jedoch viel mehr, um kostendeckend arbeiten zu können“, klagt etwa der Geschäftsführer des Agrarunternehmens Barnstädt, Ralf Hägele im Gespräch mit der MZ.

Das Unternehmen habe in der Region Gewicht und sei auch technologisch auf dem aktuellsten Stand. „Das Aus droht uns deshalb nicht“, stellt Hägele klar. Die wenigen Gewinne des Unternehmens, das sich auch dem Pflanzenbau und der Fleischproduktion widmet, könnten aber die Verluste nicht mehr ausgleichen. „Wir schmeißen derzeit Geld raus, das wir eigentlich viel lieber in nachhaltige Modernisierungen investieren würden“, sagt der Geschäftsführer. „Wir sind ja nicht nur hier um zu verwalten - die Milch bleibt auch ohne uns weiß -, sondern um zu gestalten.“

Weil der finanzielle Druck stetig steigt, sah sich das Unternehmen gezwungen, einen Investitionsstopp zu verhängen. „Wenn ich mir an der Börse ansehe, was ich in den nächsten Monaten für meine Milche, mein Fleisch und meinen Weizen erwarten kann, da sehe ich keine Verbesserungen“, betont der Unternehmer. Darüber hinaus gilt seit diesem Jahr in der Landwirtschaft ein Mindestlohn von 7,90 Euro pro Stunde.

Da erscheint nachvollziehbar, dass viele Betriebe aufgeben, weil sie nicht mehr Schritt halten können. Am Problem der Milchpreise, die auch deshalb aus Sicht der Bauern unterirdisch sind, weil der Weltmarkt derzeit mit dem „weißen Gold“ geflutet wird, wird sich auch durch Unternehmensaufgaben nicht viel ändern.

„Die Tiere werden von anderen Betrieben übernommen, die dann weiter fleißig produzieren“, erklärt Häfele. Der Wegfall der Milchquote vor fast einem Jahr hatte dazu geführt, dass die Milchproduktion in die Höhe und die Preise in den Keller schossen. Ohne einen solchen politischen Hebel, meint Hägele, sei das Problem nicht mehr zu beheben. Denn die Milchbauern werden die Produktion von allein kaum drosseln. Die niedrigen Preise versuchen sie durch eine erhöhte Produktion auszugleichen - ein Teufelskreis.

Der Einführung eines Mindestpreises steht Hägele aufgeschlossen gegenüber. „Warum nicht?“, fragt er. In so vielen Branchen könne man sich auf einheitliche Preise verlassen: „Lebensmittel sind das höchste Gut, die können wir doch nicht einfach so verramschen“, sagt Hägele, in dessen Unternehmen zuletzt 1.268 Kühe standen, die im Durchschnitt 10.000 Liter Milch im Jahr erzeugten. (mz)


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