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Merseburger Professor protestiert gegen Angela Merkel: Rüge für Kritiker Thomas Rödel

Ein Gast der Eröffnung des neuen Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) in Halle unterbricht die Rede der Bundeskanzlerin mit einem Zwischenruf zur Politik der Kanzlerin und hält ein Plakat mit dem Schriftzug "Keine Experimente CDU".

Ein Gast der Eröffnung des neuen Fraunhofer-Instituts für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) in Halle unterbricht die Rede der Bundeskanzlerin mit einem Zwischenruf zur Politik der Kanzlerin und hält ein Plakat mit dem Schriftzug "Keine Experimente CDU".

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dpa

Halle (Saale)/Merseburg -

Die Protest-Aktion eines Professors der Hochschule Merseburg während der Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zur Eröffnung des neuen Fraunhofer-Instituts am Montag in Halle hat ein Nachspiel. Der Rektor der Hochschule, Jörg Kirbs, distanzierte sich am Dienstag: „Die Hochschule wird dieses Verhalten aufarbeiten, wobei auch eventuelle juristische Schritte geprüft werden müssen.“

Merkel-Rede in Halle von Zwischenrufer unterbrochen
Halle (Saale), 26. Januar 2016: Bei der Eröffnung des neuen Fraunhofer-Instituts in Halle hielt ein Chemie-Professor der Hochschule Merseburg ein Schild mit dem Aufruf „Keine Experimente“ hoch. Er habe Angst um die Zukunft seiner Kinder, rief er am Montag der Kanzlerin auf dem Podium zu.

Während der Merkel-Rede ein Plakat hochgehalten

Thomas Rödel, Professor für Chemie, hatte während der Merkel-Rede ein Plakat hochgehalten: „Keine Experimente. CDU“. Er habe Angst um die Zukunft seiner Kinder, hatte er zudem der Kanzlerin zugerufen. Und: „Ich erwarte von ihnen als Physikerin verantwortungsvollere Entscheidungen.“ Er bezog das auf die Flüchtlingspolitik. Merkel hatte entgegnet: „Ich werde meiner Verantwortung gerecht und werde auf alles achten, so dass Deutschland eine gute Zukunft hat.“ Rödel wurde aus dem Saal geleitet.

Rektor Kirbs sagte am Dienstag, die private Meinung eines Wissenschaftlers der Hochschule gehe ihn nichts an. „Die persönliche und private Einstellung zu politischen Fragen muss respektiert werden, auch wenn ich sie nicht teile.“ Rödel sei aber nicht als Privatmann bei der Einweihung des Instituts gewesen, sondern als Vertreter der Hochschule. Sein Zwischenruf habe weder etwas mit der Veranstaltung noch mit dem Inhalt der Merkel-Rede zu tun gehabt. Mit diesem Auftritt habe Rödel das „Gastrecht des Fraunhofer-Instituts missbraucht und dem Ansehen der Hochschule enorm geschadet“. Man vertrete in der Flüchtlingsfrage einen völlig anderen Standpunkt als Rödel.

Kirbs bestellte den Chemieprofessor am Dienstag ein. Gegenüber der MZ sagte der Rektor, er erwartet, dass sich Rödel beim Fraunhofer-Institut als Gastgeber entschuldigt. Zu möglichen juristischen Schritten äußerte er sich zurückhaltend. Das müsse geprüft werden. Es gehe aber nicht darum, den Professor zu entlassen.

Ministerpräsident Reiner Haseloff äußert sich entspannt

Rödel sagte der MZ, er habe sich als Privatmann geäußert. Er mache sich angesichts der Entwicklung der Flüchtlingskrise große Sorgen und habe dies vermitteln wollen. Dass er sich als Gast nicht so verhalten hat, wie man das von ihm erwartet habe, bedauere er. Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), der an der Veranstaltung teilgenommen hatte, äußerte sich entspannt. „So ist Demokratie. Ab und zu gibt es da auch Zwischenrufe. Dafür sind wir schließlich auf die Straße gegangen.“ Der zuständige Wissenschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) will nicht eingreifen: „Für schlechtes Benehmen ist jeder selbst verantwortlich.“ Er äußerte sich aber auch kritisch: „Man muss sich manchmal wundern, wer alles einen Professorentitel bekommt.“

Das Bundespresseamt wollte sich auf MZ-Anfrage am Dienstag nicht weiter dazu äußern. Die Kanzlerin selbst habe während ihrer Rede darauf reagiert. Dem sei nichts hinzuzufügen, sagte ein Sprecher. (mz)


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