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Merseburg: Frauenhaus sucht einen neuen Träger

Dem Frauenschutzhaus in Merseburg fehlt nicht nur Geld.

Dem Frauenschutzhaus in Merseburg fehlt nicht nur Geld.

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dpa/symbol

Merseburg -

Der Verein „Frauen helfen Frauen“ sucht einen neuen Betreiber für das Frauenschutzhaus in Merseburg. „Wir arbeiten als derzeitiger Träger der Einrichtung nur auf ehrenamtlicher Basis. Da die Aufgaben in der Vergangenheit aber zugenommen haben, ist das mit unserer ehrenamtlichen Struktur kaum noch zu schaffen“, erklärte Vereinsmitglied Halina Czikowsky auf der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses des Landkreises. Bis ein neuer Träger gefunden sei, bleibe der 29 Mitglieder starke Verein in der Verantwortung. Im vergangenen Jahr hatten 37 Frauen und 44 Kinder in dem Gebäude Schutz gefunden. Viele von ihnen wurden Opfer häuslicher Gewalt. Das Frauenschutzhaus in Merseburg ist das einzige seiner Art im Saalekreis.

Keine vertragliche Förderung

Unterdessen lehnt es die Kreisverwaltung ab, den Träger des Frauenschutzhauses mit einer vertraglichen Regelung und einer festen Fördersumme langfristig zu unterstützen. „Wir schätzen die Arbeit. Aber wenn wir dem Frauenschutzhaus dieses Recht einräumen, haben auch andere Träger die Möglichkeit, eine feste Förderung einzufordern“, sagte Sozialdezernent André Wähnelt. Die Linkspartei hatte eine Prüfung beantragt und eine Umstellung der finanziellen Unterstützung angeregt.

Bislang muss der Verein „Frauen helfen Frauen“ - wie andere gemeinnützige Verbände und Vereine der freien Wohlfahrtspflege auch - jährlich einen Antrag auf Zuschuss stellen. Durch eine neue Bewertungsmatrix, die die Konzepte der Antragsteller nach Punkten gewichtet, erhält das Frauenschutzhaus in diesem Jahr 7.500 Euro vom Landkreis. 2015 waren es noch 1.000, 2014 gar 5.000 Euro mehr. Die Matrix ist aus Sicht des Kreises notwendig, um das vorhandene Geld gerecht verteilen zu können. 181.280 Euro stehen für 2016 zur Verfügung. Insgesamt liegen dem Kreis 32 Anträge mit einem Volumen von 284.590,57 Euro vor.

Die Finanzierung des Frauenschutzhauses funktioniert nur, weil mehrere Partner sich beteiligen. Eine gesetzliche Grundlage gibt es nicht. Das Land überweist jährlich rund 70.000 Euro, die Stadt Merseburg 12.500 Euro. Auch Bad Lauchstädt (600 Euro) sowie Leuna und Braunsbedra (je 300) zählen zu den Unterstützern. Hinzu kommen rund 1.000 Euro aus Mitgliedsbeiträgen des Vereins und Zuschüsse aus Bußgeldern, die Gerichte verhängen. „Mit dem Geld können wir längst nicht alles abdecken, was wir müssten. Wir brauchen eigentlich einen Kinderpsychologen“, sagte Czikowsky.

Schwerpunkt Beratungen

Der Verein „Frauen helfen Frauen“ will sich indes auch künftig für Frauen in Not einsetzen. Geplant seien mehr Angebote im Frauenschutzhaus, eine verstärkte Öffentlichkeitsarbeit mit wie bisher Beratungen in der Region. Entsprechende Anlaufstellen, die neben Merseburg auch in Querfurt und Braunsbedra gibt, werden derzeit durch eine Mitarbeiterin des Frauenschutzhauses besetzt. 306 Beratungsgespräche listet der Verein für das vergangenen Jahr auf. (mz)


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