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Lichtmeß in Spergau: In den letzten Zügen

Der Vater hilft dem Sohn bei den Vorbereitungen für die Lichtmeß.

Der Vater hilft dem Sohn bei den Vorbereitungen für die Lichtmeß.

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Peter Wölk

Spergau -

In mühsamer Kleinarbeit haben Torsten Desernot und Sohn Paul das Kostüm gebastelt. Der 16-jährige Paul ist Mitglied der Lichtmeß-Gesellschaft in Spergau und in diesem Jahr erstmalig als Schwarzmacher unterwegs. So wie auch schon sein Vater und sein Großvater. „Ich helfe ihm bei dem Kostüm, zeige wie es gebastelt wird, und irgendwann weiß er wie es geht und zeigt es seinen Kindern“, so Torsten Desernot. Auch er ist den Weg bis zum Küchenburschen gegangen und steht heute an der Seite seines Sohnes, der sich in der Hierarchie der Lichtmeß langsam nach oben arbeitet. Die Eierfrau und den Pritscher hat er schon hinter sich gelassen, und nachdem er auch einige Jahre Schwarzmacher ist, wird er danach Soldat.

Am Sonntag startet die Lichtmeß wieder um 5.30 Uhr. Mit dem Jahrhunderte alten Brauch soll der Winter vertrieben werden. Damit auch keiner das Fest der Feste in Spergau verpasst, werden die Anwohner von Zigeunern geweckt, die dann auch für das Feuer zuständig sind. Auch Schwarzmacher Paul ist um diese Uhrzeit schon unterwegs. „Ich denke, dass wir uns schon so gegen 4 Uhr treffen werden“, sagt er. Bis zum Sonntag müssen aber noch ein paar Kleinigkeiten am Kostüm nachgebessert werden.

160 Meter Nähgarn in 100 Stunden

Denn auch da gibt es strenge Regeln. Man könne da nicht einfach irgendwas basteln. So gehören die Sonnen, der Blitz und auch das handgemachte Flechtblatt dazu. Nicht vergessen darf man die Nummer, die jeder Schwarzmacher hat. In römischen Ziffern prangt die Sechs auf den Schultern von Paul. Und auch die MZ findet noch eine Zweitnutzung - in Streifen geschnitten verziert sie die Kanten des vormals alten Fracks. „Ich habe bestimmt 100 Stunden und 160 Meter Nähgarn verbraucht“, sagt Torsten Desernot. Allein das Falten der Rosetten am Hut hat ihn einen ganzen Tag gekostet. Und nach der Lichtmeß? „Da ist das Kostüm dann hin. Wir machen nächstes Jahr ein neues“, sagt Torsten Desernot. Übung hat er ja.

Auch er erinnert sich gern an die Zeit, als er noch Mitglied der Lichtmeß-Gesellschaft war. Damals, so sagt er, waren sie noch 20 Schwarzmacher. Heute sind es gerade einmal sieben. Am liebsten sei er Sänger und auch Bärenführer gewesen. Paul dagegen freut sich darauf, Zigeuner zu sein. Aber jetzt wird er als Schwarzmacher seines Amtes walten und die Schaulustigen sowie Anwohner schwarz beschmieren. Dafür braucht man Ruß. „Das ist heute auch nicht mehr so einfach zu bekommen wie früher“, sagt Vater Torsten und lacht.

Aber einige haben dann doch noch Öfen und helfen da gern aus. Der Ruß allein wird aber nicht in die Gesichter geschmiert. Zusammen mit Rasierschaum, Parfüm und klarem Alkohol - damit das Gemisch nicht friert - entsteht eine schwarze Schmiere. Die Schwarzmacher müssen nicht am Heischegang teilnehmen, sondern bewegen sich frei in Spergau und beschmieren alle, die ihnen zwischen die Hände kommen. (mz)


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