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Kommentar zum Adolphi-Streit in Merseburg: Nicht tragbar

Stadt und Hochschule wollen nach eigenen Recherchen prüfen, ob die Widmung einer Straße rückgängig gemacht wird.

Stadt und Hochschule wollen nach eigenen Recherchen prüfen, ob die Widmung einer Straße rückgängig gemacht wird.

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Peter Wölk

Merseburg -

Die Hängepartie um die Adolphi-Straße in Merseburg geht weiter. Aber immerhin hat eine Forschungsgruppe ein erstes Signal abgegeben, wie die endgültige Entscheidung ausfallen könnte: Die Straße soll wohl umbenannt werden. Schade ist, dass die Wissenschaftler den Werdegang Adolphis erst jetzt so genau beleuchtet haben und nicht schon damals, als sie ihn als möglichen Namenspatron für eine Straße vorgeschlagen hatten. Denn eigentlich hätte man schon damals stutzig werden müssen, da Adolphis Biografie ab Mitte der 30er Jahre Lücken aufweist und erst nach Kriegsende wieder genauer dokumentiert ist.

Sicher, Belege über die genaue Rolle Adolphis in Auschwitz-Monowitz fehlen nach wie vor. Es ist unklar, ob er sich direkt schuldig gemacht hat. Beschreibungen der dortigen Situation legen jedoch nahe, dass er vom Schicksal der Zwangsarbeiter gewusst haben dürfte. Ist er mit dem heutigen Wissen um diesen Umstand noch als Namensgeber für eine Straße tragbar? Ich meine: Nein.

Den Autor erreichen Sie unter: michael.bertram@mz-web.de


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