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Interview mit Infra-Leuna-Geschäftsführer: In Leuna stimmt die Chemie

Lars-Helge Peters (r.) und Infra-Leuna-Geschäftsführer Christof Günther.

Lars-Helge Peters (r.), Werkleiter bei Wepa in Leuna, begrüßt Infra-Leuna-Geschäftsführer Christof Günther. Die Papierfabrik will zehn Millionen Euro in die Erweiterung ihrer Anlagen investieren und 20 neue Arbeitsplätze schaffen. Die Produktion soll um 25 000 Tonnen jährlich erweitert werden.

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Peter Wölk

Leuna -

Ein schöneres Geschenk hätte sich der Chemiestandort Leuna zu seinem 100. Geburtstag in diesem Jahr selbst kaum machen können. Die Wirtschaft wächst so stark wie seit Jahren nicht. Acht Unternehmen kündigen Investitionen von fast 200 Millionen Euro an. „Eine bessere Bestätigung der Leistungsfähigkeit dieses Standorts kann es nicht geben“, sagt Christof Günther, Geschäftsführer der Infra Leuna GmbH, die die Infrastruktur im Industriepark betreibt und als Dienstleiter für die ansässigen Firmen arbeitet. Die Infra Leuna hat durch eine tiefgreifende Umstellung ihres Energiekonzeptes die Voraussetzungen geschaffen, dass der Standort für Anlagenerweiterungen aber auch Neuansiedlungen noch attraktiver geworden ist. MZ-Redakteur Dirk Skrzypczak hat mit Christof Günther über die wirtschaftliche Situation aber auch das Jubiläumsjahr gesprochen.

In Leuna ist seit Monaten wieder Aufbruchstimmung zu spüren. Steht der Standort aktuell vielleicht sogar so gut da wie noch nie in den vergangenen 100 Jahren?

Günther: Über einen solch langen Zeitraum zu sprechen, ist schwierig. Aktuell erlebt der Standort aber ein so reges Investitionsgeschehen wie seit Jahren nicht mehr. Dafür haben wir deutliche Indikatoren. Die Infra Leuna existiert seit 20 Jahren. Im vergangenen Jahr wurden so viele Einfahrgenehmigungen und Ausweise ausgegeben wie noch nie seit 1996. Auch haben wir noch nie so viele Gefahrguttransporte abgefertigt wie im vergangenen Jahr. Daraus kann man zwei Schlüsse ziehen. Die Position der Kunden hat sich substanziell verbessert. Und wir konnten als Infrastrukturgesellschaft mit unseren Projekten dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. Wäre der Standort nicht attraktiv und wettbewerbsfähig, würde hier auch niemand investieren. Gerade haben wir die Bestätigung bekommen, dass die Papierfabrik Wepa ihre Produktion erweitern und 20 neue Arbeitsplätze schaffen will. Das sind weitere zehn Millionen Euro, die in den Standort fließen.

Es gab gerade in der jüngeren Vergangenheit Zeiten, da sprachen Sie noch von einer großen Unsicherheit, die die Unternehmen erfasst hatte. Was hat sich verändert?

Günther: 2014 wurde das Erneuerbare-Energien-Gesetz novelliert. Bis dahin war nicht klar, wie stark die energieintensive Industrie belastet werden würde. In dieser Phase hat natürlich niemand an eine Erweiterung von Anlagen gedacht. Es stand sogar zur Diskussion, ob manche Produktionsstätten überhaupt noch betrieben werden können. Die Politik hat sich glücklicherweise zur Industrie bekannt. Die Unsicherheit ist damit raus. Seitdem hat sich gerade das Energieumfeld radikal verändert.

Und die Infra Leuna hat reagiert und ihr Energiemanagement komplett umgekrempelt. In dieser Form hat das noch niemand gewagt.

Günther: Das war ein unglaublicher Kraftakt. Unsere Investitionen greifen so tief, dass man den Prozess nur mit der Umstellung von der Braunkohle auf Erdgas Anfang der 1990er Jahre vergleichen kann. Wir sind jetzt in einer Situation, in der wir unser Energiesystem so flexibel steuern können, wie es nirgendwo anders möglich ist. Dadurch sind wir in der Position, unseren Kunden sehr günstige Konditionen anbieten zu können. Bei uns steigen nicht die Strompreise, sie sinken sogar tendenziell.

Dass derart viele Großinvestitionen geplant sind, muss für die Infra Leuna wie ein Ritterschlag sein.

Günther: Wenn die Marktseite stimmt, dann stellt sich den Firmen die Frage, wo sie investieren. Domo beispielsweise ist international vertreten. Im internationalen Vergleich haben die Vorzüge unseres Standorts überzeugt.

Die Infra Leuna greift selbst tief in die Tasche. Worauf liegt der Fokus?

Günther: Wir haben in der Tat ein Investitionsprogramm in einer Höhe, wie es unsere Gesellschaft seit dem Abschluss der Restrukturierung 2003 nicht erlebt hat. Von 2014 bis 2016 geben wir alleine etwa 100 Millionen Euro aus. Das Geld fließt vor allem in Energieprojekte und die Logistik. Beide sind Garanten dafür, dass unser Geschäft perspektivisch weiter wächst. Unsere Investitionen sollen nicht nur den Status quo halten. Wir wollen einen Sprung nach vorn machen.

Sie hatten bereits erklärt, dass der Transport der Güter auf der Schiene immer mehr an Bedeutung gewinnt.

Günther: Ja, das Bahngeschäft wächst. Der Übergabebahnhof in Großkorbetha wird auf absehbare Zeit aber seine Kapazitätsgrenze erreichen. Deshalb bauen wir im Norden des Standorts einen weiteren Übergabeknoten. Schon heute verlassen 70 Prozent der Produkte, die in Leuna hergestellt werden, etwa acht Millionen Tonnen, den Standort per Zug. Ganz wichtig wird auch unser neues Gefahrstofflager. Wenn es in Betrieb geht, können wir eine neue Dienstleistung anbieten, die wir bisher nicht in unserem Portfolio haben.

Das sind äußerst gute Nachrichten. Da macht das Feiern erst richtig Spaß. Worauf dürfen wir uns im Jubiläumsjahr freuen?

Günther: 100 Jahre Chemie in Leuna. Das ist eine stolze Geschichte, die vielfach maßgeblich für Deutschland und die weltweite Entwicklung in der chemischen Industrie war. Denn viele Verfahren sind hier entwickelt worden. Wir sind in der Pflicht, dieses Jubiläum entsprechend zu würdigen. Höhepunkt wird der Festakt am 3. März. Wir haben die Bundeskanzlerin eingeladen und hoffen, dass sie zusagt. Es sieht ganz gut aus. Im Mai planen wir eine Festwoche mit unterschiedlichen Aspekten von wissenschaftlichen Symposien bis hin zur Kunst. Und am 3. September richten wir einen großen Tag der offenen Tür in Kombination mit dem Kreisfamilientag aus. (mz)


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