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Hochschulfasching in Mersburg: Ein letzter Knaller zum 60. Mal?

Die anwesenden Elferräte präsentieren sich beim Hochschulfasching für ein Gruppenbild.

Die anwesenden Elferräte präsentieren sich beim Hochschulfasching für ein Gruppenbild.

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Peter Wölk

Merseburg -

Es wird geklatscht, gejubelt und nach Zugaben gerufen, als sich die Protagonisten des Merseburger Hochschulfaschings zum Abschluss noch einmal gemeinsam auf der Bühne präsentieren. Gute Laune beim Publikum hat das abwechslungsreiche Programm hervorgerufen. Überraschen kann das kaum. Schließlich haben ganze Generationen ehemaliger Studenten in Merseburg jede Menge Erfahrung in Sachen Fasching.

Seit 60 Jahren werden die bunten Feten immer wieder auf besondere Art zelebriert. Bei dem einen oder anderen sorgt jedoch ein Satz für Stirnrunzeln, den Elferratsmitglied Hagen Schmidt nach dem Auftritt scheinbar beiläufig fallen lässt: „Das war dann das letzte Mal“, sagt der 42-Jährige. Wird der Hochschulfasching nach mehr als einem halben Jahrhundert ein Fall für die Mottenkiste? Was einige Besucher für einen Scherz halten, kann Schmidt zumindest nicht ausschließen.

Die Veranstaltung zu organisieren werde jedes Mal schwieriger, bedauert er. „Die jungen Leute, die heutzutage hier studieren, kommen tatsächlich überwiegend nur noch zum Studieren“, meint Schmidt. Viele würden pendeln, also ihren Lebensmittelpunkt nicht wirklich in die Hochschulstadt verlagern.

Das studentische Leben spiegele das wider: „Als ich Anfang der 90er Jahre hier Verfahrenstechnik studiert habe, gab es noch um die zehn Studentclubs“, erzählt Schmidt. Mittlerweile seien nur noch drei übrig, die auch längst nicht mehr so aktiv seien wie in früheren Zeiten. Über die Studentclubs hatten auch die Faschingsfreunde der Hochschule häufig engagierte Mitglieder gewonnen. Legendäre Feiern, damals noch in der Mensa, wurden auf die Beine gestellt. Begeistern konnten sich dafür die meisten, „aber eben nicht alle“, schränkt Schmidt ein.

Der Hochschulfasching hatte eben auch das Zeug zur Skandalnudel, schlug ab und an auch über die Strenge. Gegen manche Themenumsetzung gab es Proteste. Kritik gab es auch ab und an wegen der mehr oder weniger künstlerisch gestalteten Vorhänge, mit denen beim Fasching die Räumlichkeiten zum Schutz versehen waren. Die Bilder und Sprüche waren und sind nicht jedermanns Sache.

Sexismus wurde dem Elferrat sogar vorgeworfen. Dass die Bilder eher lustig gemeint waren und keinesfalls ernst, verstehe sich von selbst. Beim Fasching feiern ja erwachsene Leute, argumentiert Schmidt. Für die jüngste Auflage des Faschings im Hauptgebäude der Hochschule wurden viele Ehemalige reaktiviert. „Das letzte Mal habe ich vor 16 Jahren mitgemacht“, erzählt etwa Sinet Schieferdecker. Sozialwesen hatte die Merseburgerin an der Hochschule studiert und sich damals auch für den Fasching begeistert. Am vergangenen Wochenende tritt sie mit der Tanzgruppe „Ballerina Passé“ auf.

„Lampenfieber habe ich nicht, hatte ich auch früher nicht. Ich freue mich auf unseren Auftritt, auch wenn bei unserer Generalprobe nicht alles geklappt hat“, plaudert die Sozialarbeiterin. Spaß beim Fasching hat auch die Leunaerin Annett Bastian. „Ich komme eigentlich immer, war auch schon früher in der Mensa oft mit dabei.“ Passend zum diesjährigen Motto „Mittelalter“ ist sie als mittelalterliche Magd unterwegs. Von einer Freundin, die in Berlin ihren Stand bei Mittelaltermärkten aufbaut, sind die Sachen ausgeliehen.

Hagen Schmidt, der sich auf der Bühne als einer von mehreren Faschingsopas präsentierte, macht indes doch noch ein wenig Hoffnung: „Unser Hochschulfasching wird immer langfristig vorbereitet. Wir werden wohl auch in diesem Jahr wieder mit den Planungen anfangen.“

Vielleicht finden sich ja auch noch ein paar neue Mitglieder, die Lust haben, den Hochschulfasching am Leben zu erhalten. (mz)


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