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Hochschule Merseburg: Erstes großes EU-Projek zur selbstbestimmten Sexualität von Behinderten

Sexualität von Behinderten darf kein Tabuthema sein

Sexualität von Behinderten darf kein Tabuthema sein

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dpa

Merseburg -

Am Dienstag hat eine Konferenz an der Hochschule begonnen, die den Start eines neuen Projektes namens TRASE (kurz für Training in Sexual Education for People with Disabilities) einleitet. Was es mit diesem internationalen Projekt auf sich hat und warum die Hochschule darin eine besondere Rolle spielt, erklärt Heinz-Jürgen Voß, Professor für Sexualwissenschaft und sexuelle Bildung. Mit ihm sprach Melain van Alst.

Es gibt ein neues Projekt an der Hochschule, worum geht es dabei?

Voß: TRASE ist ein internationales Projekt, bei dem ein Trainingsprogramm gestaltet werden soll, dass den Umgang mit Sexualität in Einrichtungen der Behindertenhilfe erleichtert. Dabei geht es sowohl um geistig behinderte Menschen als auch um Autisten. Im Ergebnis sollen auch konkrete Angebote stehen, die selbstbestimmte Sexualität von behinderten Menschen und Menschen aus dem Autistenspektrum ermöglichen und sexualisierte Gewalt in den Einrichtungen vorbeugen.

Welche Rolle spielt dabei die Hochschule Merseburg?

Voß: Wir sind die leitende Einrichtung und koordinieren das Projekt. Damit haben wir ein erstes großes EU-Projekt an die Hochschule geholt – Fachhochschulen passen durch ihre Praxisnähe gut zu EU-Förderung. Nun gibt es ein erstes Treffen verschiedener Akteure aus den teilnehmenden Ländern. Wir wollen strukturelle und organisatorische Dinge klären und auch die Themen und Schwerpunkte verteilen. Damit jeder weiß, welche Aufgaben er im Projekt hat.

Zurück zum Thema: Warum braucht es solche Handlungsempfehlungen?

Voß: Sexualität ist noch immer ein Tabuthema, gerade in Bezug auf Behinderte. Zum Beispiel gibt es Männer- und Frauentoiletten, aber dennoch ganz selbstverständlich eine geschlechtsunspezifische Behindertentoilette. Dennoch haben Behinderte ihr Geschlecht und sexuelle Bedürfnisse, wie Nicht-Behinderte auch. Außerdem wollen wir uns auf Menschen aus dem Autistenspektrum konzentrieren. Was bedeutet es etwa, wenn ein Mensch keine Zärtlichkeit erträgt, sie für ihn physisch großen Schmerz bedeutet? Auch hier braucht es Konzepte, um sexuelles Wohlergehen zu fördern.

Kann mit diesem Projekt auch ein Stück weit Integration geleistet werden?

Voß: Ja. Die Einrichtungen haben oftmals ganz verschiedene Voraussetzungen. Es geht aber darum, das Personal für dieses Thema zu sensibilisieren und diesem etwas an die Hand zu geben. Ganz konkret ist der Tag in den Einrichtungen oftmals durchgeplant, aber man sollte den Bewohnern und Bewohnerinnen der Einrichtungen auch hin und wieder ungestörte Zeiten einräumen.

Wie lange geht das Projekt?

Voß: Bis Ende August 2017 sollen die Ergebnisse vorliegen, die dann schon in der Praxis getestet wurden. Bis dahin läuft auch die Förderung von 255 000 Euro. Aber wir würden danach gern weitermachen und einen Folgeantrag stellen.

(mz)


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