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Handarbeit: Häkel-Guerillera macht Pretitz bunter

Andrea Herrling

Obwohl Rot-Töne die Lieblingsfarben von Andrea Herrling sind, hat sie die Dorfpumpe in Pretitz bunt gestaltet.

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Peter Wölk

pretitz/MZ -

Andrea Herrling ist eine Häkel-Guerillera. Denn sie verteilt ungefragt Handarbeiten im öffentlichen Raum, zur Freude und für die Menschen, die drumherum wohnen und leben - ganz so, wie es Künstler manchmal mit ihren Kunstwerken tun. Vielleicht ist sie auch eine Verhüllungskünstlerin, so ähnlich wie es Christo ist.

Outfit für den Dorfbrunnen

Wie auch immer. Andrea Herrling, Fünftplatzierte bei der Häkelweltmeisterschaft im Februar diesen Jahres in Bayern, verteilt seit einiger Zeit ihre Handarbeitskunst in ihrem Heimatdorf Pretitz, einem Ortsteil von Querfurt. Von der Guerilla-Kunst hatte sie gelesen und fand Gefallen an der Idee, mit ihren Häkeleien Gegenstände im Dorf zu verhüllen. Eine Sitzbank sollte es eigentlich sein, an der sie sich „vergreifen“ wollte. „Aber es gibt keine mehr in Pretitz, zumindest keine öffentliche. Da habe ich mich einfach für die Pumpe vom Dorfbrunnen entschieden“, erzählt die 44-Jährige. Heimlich hat sie die Maße genommen, denn schließlich sollte der Pumpenmantel eine Überraschung für den Ort werden. „Ganz frühmorgens bin ich immer zur Anprobe geschlichen“, erzählt sie schmunzelnd. Verarbeitet wurden Wollreste. So um die 150 Gramm waren ausreichend für die kunterbunte Handarbeit. Nach einer Woche war die erste Hülle fertig, die Pumpe erhielt ihr buntes Outfit und die Pretitzer staunten.

Behäkelte Kastanien

„Die Meinungen sind ganz unterschiedlich. Den meisten gefällt es, aber es gibt natürlich auch Leute, die das albern finden. Doch das stört mich nicht“, sagt Andrea Herrling, die in der Küche des Johanniterhauses in Nebra arbeitet und dort unter den älteren Damen natürlich viele Gesprächspartnerinnen zum Thema Handarbeit und Häkeln findet. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass wir in Pretitz einen Häkelzirkel gründen. Interessentinnen gibt es da sicherlich. Aber es könnte an einer Unterkunft scheitern“, erzählt sie von ihren Wünschen für die Zukunft.

Die könnte für Pretitz ziemlich bunt werden, denn längst hat Andrea Herrling weitergehäkelt. An einem Dachrinnenfallrohr prangt inzwischen ebenso eine ihrer bunten Häkelarbeiten wie an zwei Kastanien. „Ich bin zu allen Schandtaten bereit“, schmunzelt sie. Wer etwas eingehäkelt haben wolle, der solle sie einfach nur fragen.


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