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Einzelhandel in Merseburg: Das Fach-Geschäft zieht um

Manuela Brückner-Bol bietet die kreativen Produkte ihrer Fach-Mieter jetzt in der kleinen Ritterstraße an.

Manuela Brückner-Bol bietet die kreativen Produkte ihrer Fach-Mieter jetzt in der kleinen Ritterstraße an.

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Peter Wölk

Merseburg -

„Hier findet man eigentlich immer etwas - auch wenn man gar nicht will“, sagt Nicole Kötitz schmunzelnd und stellt ihren gefüllten Einkaufskorb neben die Kasse. Aber diesmal war sie ganz gezielt ins „einFach - meinFach“-Geschäft von Manuela Brückner-Bol gekommen. „Ich brauchte ein Geschenk, und meine Geschenke kaufe ich immer hier.“

Manuela Brückner-Bol strahlt. „Solche Kunden bräuchten wir noch mehr.“ Dabei kann sie sich gar nicht beschweren, und das tut sie auch nicht. Denn auch mit dem Umzug vom Merse-Center in die Kleine Ritterstraße wird sie sich vor Kunden kaum retten können.

Ihr Geschäft ist ein Paradies für Sucher, Finder und Macher, und das Prinzip ist denkbar einfach: Wer etwas verkaufen möchte, mietet sich ein Fach im „einFach - meinFach“-Geschäft. Darin kann er oder sie Waren präsentieren. Wird etwas verkauft, bekommt Manuela Brückner-Bol Prozente, der Löwenanteil geht aber an den Verkäufer. Das Angebot reicht von Bio-Säften über selbst gemachte Marmeladen, Handytaschen, pfiffige Glückwunschkarten, wunderbar duftende Seifen, Röcke und Stulpen aus Filz oder Merino-Wolle und unendlich viele weitere Kleinigkeiten, die sich super dazu eignen, sich selbst oder anderen eine Freude zu machen.

Größte Standbeine

„Unsere beiden größten Standbeine sind zum einen Handmade-Sachen für Kinder, also Jäckchen, Hosen, Kindertaschen oder auch der Rucksack für den kleinen Ritter in Ausbildung, und zum anderen Schmuck“, erzählt die Geschäftsinhaberin. Zehn Prozent seien Secondhand-Ware.

Die Leute, die ein Fach mieten, seien eigentlich bunt gemischt. Die meisten seien hauptberuflich Selbstständige. „Da ist die Qualität am besten, und man kann bei ihnen bei Bedarf auch etwas nachbestellen“, erklärt die 42-jährige Fach-Frau. Aber es kämen auch viele Senioren, die das Basteln für sich entdeckt haben und durch den Verkauf lediglich die Materialkosten wieder reinbekommen wollen. „Auch krebskranke Frauen, die während ihrer Erkrankung begonnen haben, kreativ zu sein, mieten bei uns Fächer.“

Für jeden nehme sie sich Zeit. Oft würden auch private Geschichten ausgetauscht. „Das ist mittlerweile ein richtiger Tante-Emma-Laden geworden, wo man sich meist zufällig trifft, vielleicht ein bisschen stöbert oder das eigene Fach neu bestückt.“ Dieses kostet übrigens drei Euro pro Woche bei einer Mindestmietdauer von vier Wochen.

Familiäre Atmosphäre

Für Grundschullehrerin Nicole Kötitz (27) gehört der Laden in Merseburg mittlerweile zum guten Lebensgefühl. „Die Atmosphäre ist geradezu familiär, es herrscht ein ganz lieber Umgang, und man bekommt hier Dinge, die einzigartig sind und mit viel Aufwand hergestellt wurden. Wer das zu schätzen weiß, ist hier richtig“, sagt sie lächelnd. Selbst wenn man nichts kaufe, habe man nach dem Besuch im Laden einfach gute Laune.

Im neuen Domizil hat Brückner-Bol bereits eine Kinder- und Stillecke eingerichtet. „Viele unserer Kundinnen haben ja kleine Kinder.“ Außerdem will sie den Eingang mit einer Rampe auch noch behindertengerecht machen.

In den nächsten Wochen soll es auch wieder die ersten Workshops geben. Dann werden unter anderem Windlichter oder Filzartikel gebastelt. „Und wir wollen uns mal an Schutzengeln versuchen.“ (mz)

„einFach - meinFach“ hat Montag bis Freitag von 10 bis 18 Uhr geöffnet.


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