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Mitteldeutsche Zeitung | Ein neues Haus für Stella aus Merseburg: Großer Bahnhof für ein kleines Mädchen
05. March 2015
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Ein neues Haus für Stella aus Merseburg: Großer Bahnhof für ein kleines Mädchen

Überglücklich: Coralie Linke, Stella, Dominik Adler und der kleine Erik in Stellas neuem, bunten Zimmer.

Überglücklich: Coralie Linke, Stella, Dominik Adler und der kleine Erik in Stellas neuem, bunten Zimmer.

Foto:

Peter Wölk

Das Geschenk für Stella ist bunt, hat lange Ohren und kann sogar sprechen. „Hallo Stella“, sagt der kleine Plüschhase.

Es dauert eine Weile, doch irgendwann kommt es: ein Lächeln auf dem Gesicht eines kleinen Mädchens. Es kann nicht verstehen, dass ihm und seiner Familie gerade ein noch viel größeres Geschenk gemacht wurde. Das zu begreifen, den tiefen Dank in Worte zu fassen, fällt selbst Erwachsenen schwer. „Wahnsinn, Wahnsinn, Wahnsinn!“, sagt Stellas Mutter Coralie Linke und kämpft mit den Tränen. „Es ist rührend, wie sich so viele Menschen um ein kleines Mädchen kümmern.“ Nach neun Monaten ist es vollbracht: Die Familie des schwerkranken Kindes erhält ein zum größten Teil durch Sponsorenleistungen errichtetes Haus in Merseburg. Und Linke ist überzeugt: „Für Stella wird es hier eine wunderschöne Zukunft sein.“

Das Angelman-Syndrom

Die Vierjährige leidet am Angelman-Syndrom, einem sehr seltenen Gendefekt, der die körperliche und geistige Entwicklung des Mädchens deutlich verzögert. Stella hat epileptische Anfälle, kann nicht selber sitzen, wird vielleicht nie laufen können. Sie kann auch nicht reden. Ihre Eltern haben ein ganz eigenes Kommunikationssystem mit ihr entwickelt. „Wir verstehen ihr Schreien, können Quietschgeräusche deuten und auch ein bestimmtes Lachen“, sagt die Mutter. „Stella ist einzigartig und manchmal auch ein bisschen frech“, schwärmt die 28-Jährige. „Sie weiß uns um die Finger zu wickeln.“

Nur die Pflege, die sie rund um die Uhr braucht, war in der alten Wohnung alles andere als einfach: Das Bad war „grausam eng“, jedes Kochen wurde zur Herausforderung, weil Stellas schwerer Therapiestuhl nicht in die Küche passte, das Mädchen wegen seiner Anfälle aber ständig im Auge behalten werden muss. Und dann noch eine Außentreppe in den ersten Stock...

Anderthalb Jahre waren Linke und Stellas Vater Dominik Adler (31), der als Produktionsingenieur in der Textilindustrie arbeitet, auf der Suche nach einer behindertengerechten Wohnung. Dann zeigte sich, dass Fußball weit mehr ist als ein Spiel für 22 Spieler. Da war zunächst eine Spendensammlung des SV 99 Merseburg, bei dem Adler spielt, für eine Delfintherapie. Dann waren da die Merseburger HFC-Fans, die Stellas Geschichte zum Halleschen Fußballclub trugen. Und da war insbesondere Gerd Micheel, Küchenstudio-Inhaber, Sponsor des HFC und Gründer des Vereins „Pro Handicap“ in Halle. Angesprochen vom HFC-Präsidium, hat er Stellas Familie vor einem Jahr besucht.

Auf der nächsten Seite lesen Sie wie die Idee zum Hausbau entstand und wie 70 Investoren eine einmalige Spendenaktion auf die Beine stellten.

„Es war total rührend, wie ihre Eltern mit ihr umgegangen sind. Aber es war auch eine traurige Geschichte“, erinnert er sich. Auf der Rückfahrt kam ihm die Idee: Wenn sich keine Wohnung finden lässt, „bauen wir als HFC-Familie ein Haus.“ Er sei zuerst für verrückt erklärt worden, sagt der 57-Jährige. Im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft, habe er sich dann aber gedacht, musste es doch möglich sein, ein eigenes Weltmeisterstück zu liefern.

Micheel, Großvater eines kleinen Mädchens, bestens vernetzt und mit einer Art zu überzeugen, die ein Nein-Sagen schwer macht, begann sich unter HFC-Sponsoren und in der mitteldeutschen Wirtschaft umzuhören. Es hat nicht lange gedauert, bis er mehr als 70 Sponsoren hatte, die das Projekt mit Geld und Eigenleistungen im Wert von rund 250.000 Euro zu stemmen bereit waren. „Das ist einmalig in Deutschland.“ Den Tag, an dem Micheel ihr den Plan eröffnete, werde sie nie vergessen, sagt Linke. Spatenstich war am 12.Juni - zum Start der Fußball-WM.

Neun Monate später sind sie noch einmal alle da: Bauleiter Micheel, Sponsoren, HFC-Präsidium, Landrat und Bürgermeister - selbst Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), der die Schirmherrschaft übernommen hat. „Das zeigt, dass die Gesellschaft zusammensteht“, sagt er beeindruckt. Und HFC-Präsident Michael Schädlich ergänzt: „Es ist ein Projekt, das aus dem Herzen entstanden ist.“ Das 124 Quadratmeter große Haus für Stella, ihre Eltern und ihren 15 Monate alten Bruder Erik ist ebenerdig, behindertengerecht ausgestattet. Es hat eine Wohnküche, ein Bad mit einer Liege für Stellas Pflege, endlich wieder ein eigenes Schlafzimmer für die Eltern und sogar ein Gästezimmer, sollte die Hilfe einer Nachtschwester nötig sein.

Im Flur haben Linke und Adler zur Schlüsselübergabe ein Bild aufgehängt mit einem (noch) kahlen Baum und dem Satz: „In einem dankbaren Herzen herrscht ewiger Sommer.“ Jeder Beteiligte soll auf dem Baum einen bunten Daumenabdruck hinterlassen, ihn so zum Blühen bringen. In den nächsten zwei Wochen zieht die Familie ein - diesen blühenden Baum mit dem besonderen Zeichen ihrer Helfer wird sie in ihrem neuen Leben täglich sehen. (mz)

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