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Saalekreis: Polizei stürmt das falsche Haus

Uhr | Aktualisiert 05.06.2012 20:48 Uhr
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Sicherheitsglas der Balkontür

Bei dem Polizeieinsatz im falschen Haus ging auch das Sicherheitsglas der Balkontür zu Bruch. (FOTO: PETER WÖLK)

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Bei einer Razzia gegen einen mutmaßlichen Drogenhändler ist es am Dienstag in Obhausen (Saalekreis) zu einer schweren Panne gekommen. Beamte wollen gegen Drogenhändler vorgehen und verletzen dabei unschuldige Nachbarn.
Obhausen/MZ. 

Bei einer Razzia gegen einen mutmaßlichen Drogenhändler ist es am Dienstag in Obhausen (Saalekreis) zu einer schweren Panne gekommen. Kurz vor 7 Uhr stürmten vermummte Einsatzkräfte der Polizei das falsche Wohnhaus. Dabei wurde ein 17-jähriger Schüler verletzt, seine Mutter erlitt einen Schock. Beide mussten im Querfurter Krankenhaus behandelt werden. Der amtierende Leiter des Polizeireviers im Saalekreis, Thomas Aust, hat sich mittlerweile bei der Familie entschuldigt. Gegen die beteiligten Polizisten wurde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Außerdem will die Polizei den Schaden am Haus schnell ersetzen.

Unklar ist, wie es zu der Verwechslung kommen konnte. „Das Gericht hat einen Durchsuchungsbeschluss ausgestellt, in dem die betreffende Hausnummer auch gestanden hat“, sagte Polizeisprecher Ralf Karlstedt. Auch sei es üblich, vor Einsätzen dieser Art den Tatort zu observieren. „Der zentrale Kriminaldienst in der Polizeidirektion Halle hat die Ermittlungen übernommen“, so Karlstedt.

Die Einsatzkräfte aus Magdeburg, Halle und dem Merseburger Revier waren nach Angaben der betroffenen Familie resolut vorgegangen. „Zunächst gab es einen lauten Knall, dann brüllte jemand, dass wir uns hinlegen sollten. Erst später gaben sich die Männer als Polizisten zu erkennen“, schilderte die betroffene Dörte Müller. Das Sonderkommando war gewaltsam mit vorgehaltenen Waffen über den Balkon in das Haus eingedrungen und hatte dabei das Sicherheitsglas der Balkontür zertrümmert. Die beiden 17-jährigen Söhne der Familie waren gerade dabei, sich für das Gymnasium fertig zu machen, die Eltern lagen noch im Bett. „Einem unserer Jungen wurde Pfefferspray in die Augen gesprüht. Außerdem wurde er zu Boden gerissen und mit Handschellen gefesselt. Den Abdruck eines Polizeistiefels hat er noch immer auf dem Rücken“, sagte die Mutter, die die Beamten nach eigenen Worten auf den Irrtum aufmerksam machte. „Daraufhin war der Spuk vorbei.“

Wenig später durchsuchte die Polizei das Nachbarhaus. Dort fand sie Beweise wie Drogen und eine größere Menge Bargeld. Der 36-jährige Beschuldigte bleibt aber vorerst auf freiem Fuß. Die Panne hat für die Polizei auch ein rechtliches Nachspiel. Die betroffene Familie hat Anzeige wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs erstattet.

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