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Saalekreis: Leipziger Schule macht in Leuna Station

Uhr | Aktualisiert 23.11.2012 22:10 Uhr
Ein Besucher schaut sich das Bild "Großer Puppenkopf II" an. (FOTO: WÖLK) 
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In der Galerie Leuna werden rund 40 Arbeiten von Gudrun Brüne aus den vergangenen 30 Jahren gezeigt.
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Leuna/MZ. 

"Dass ich einmal etwas mit Malerei machen würden", dass war mir eigentlich schon als Kind klar. Ich habe furchtbar gern gemalt", sagt Gudrun Brüne, die Witwe des im vergangenen Jahr verstorbenen Künstlers Bernhard Heisig. Rund 40 ihrer Arbeiten, die in den vergangenen 30 Jahren entstanden, sind seit Donnerstag in der Galerie im Leunaer Kulturhaus zu sehen - es ist die erste Ausstellung der Künstlerin in Leuna. Diese zeigt poetische Landschaften, farbenfrohe Blumenstillleben, starre Puppengesichter, zerstörte Spielzeugpuppen, Masken und Porträts - alle in einer sehr eigenen und einprägsamen Bildsprache. Schon sehr früh haben Gudrun Brünes Arbeiten neben der Maskenwelt des belgischen Malers und Zeichners Ensor auch die kompakten Figuren der deutschen Malerin Paula Modersohn-Becker geprägt. Sehr intensiv setzte sie sich laut den Angaben auf ihrer Homepage mit der Malweise von Otto Dix auseinander, aus dessen Schriften sie sich ihre charakteristische Maltechnik aus Eitempera und Öl erarbeitete. Diese verleiht ihren Bildern Tiefe und Leuchtkraft. Ihre Lieblingsfarbe ist übrigens das Grün, weil es die größten Variationsmöglichkeiten bietet. "Es gibt warmes und kaltes Grün", sagt die Künstlerin.

Gudrun Brüne wurde 1941 in Berlin geboren. Sie zog 1947 nach Leipzig, wo sie später eine dreijährige Ausbildung zur Buchbinderin absolvierte und auch zwei Jahre in diesem Beruf arbeitete. Zeitgleich zu ihrer beruflichen Tätigkeit besuchte sie die Abendakademie der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig. 1961 nahm sie an dieser ein Studium auf. Das Diplom macht sie 1966 und arbeitet zunächst als freischaffende Künstlerin, später als Assistentin an der Hochschule für Industrielle Formengestaltung in Halle. Im Jahr 1979 erhielt sie dann eine Dozentur für Malerei und Grafik für Kunst und Design in Halle. Seit 1999 lebt Frau Brüne als freischaffende Künstlerin in Havelland, in Strodehne. Dort hat die Künstlerin ihren Fluchtpunkt. Dort gab und gibt ihr die Natur einen festen Halt, wie Kunsthistorikerin Annika Michalski in ihrer Einführung in die Ausstellung erwähnte.

Gudrun Brüne ist eine der wenigen prägnanten Frauen der Leipziger Schule, zu deren Gründern Bernhard Heisig, Wolfgang Mattheuer und Werner Tübke gerechnet werden. Alle drei studierten an der heutigen Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig, an der sie später auch als Professoren tätig waren. Ihre unverwechselbare, eigenwillige Bildsprache machte Leipzig zu einem in der DDR sehr beachteten Zentrum der bildenden Kunst und legte so den Grundstein für die internationale Reputation der so genannten Neuen Leipziger Schule seit dem Jahr 2004.

Besonders in den Bann ziehen in der Leunaer Ausstellung die Puppen- und Maskenbilder. Die Künstlerin sagt selbst dazu: "Die Puppe ist die Metapher für den manipulierten Menschen." Die Entdeckung dieses Bildmotivs geht bis in die 70er Jahre zurück: "Auf dem Dachboden ihrer Mutter fand Gudrun Brüne damals auf der Suche nach Spielzeug für ihre Nichte alte Kindheitspuppen wieder und war von dem Anblick der so achtlos in die Ecke geworfenen, teils beschädigten und gebrochen wirkenden Puppen fasziniert. Das Bildmotiv der Puppe entwickelte sich fortan ab 1977 zu einem Leitthema", so Annika Michalski.

Sehr einprägsam sind auch die Arbeiten, die in diesem und im vergangen Jahr entstanden. Darunter sind verschiedene Porträts von Bernhard Heisig oder "Der Tanz um das goldene Kalb", der sich mit den Werten der Menschen auseinandersetzt und zum Nachdenken und Diskussion anregt. Brüne indes wünscht sich für die Zukunft, dass sie noch viele Bilder malen kann und sie auch international noch bekannter wird.

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