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Saalekreis: Gedenkstätte als heißes Eisen in Zöschen

Uhr | Aktualisiert 30.12.2012 20:05 Uhr
Die Alte Turnhalle in Zöschen soll saniert und erweitert werden. (FOTO: MZ) 
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Das Konzept für die Gestaltung des Gemeindeholzes in Zöschen ist fertiggestellt. Das Papier wird in den Ausschüssen debattiert. Vor allem der geplante Bau einer Gedenkstätte sorgt für Diskussionen.
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Zöschen/MZ. 

Werden in Zöschen im nächsten Jahr endlich die Bagger anrollen können? Diese Frage stellt sich Ortsbürgermeister Richard Schaaf jetzt nahezu jeden Tag. Zwar ist das Konzept für die Gestaltung des Gemeindeholzes fertig, aber es gibt heiße Diskussionen dazu. Diese drehen sich weder um den geplanten Abriss von drei Baracken noch um die Erweiterung des Parkes oder die Sanierung der "Alten Turnhalle" und deren Erweiterungsbau.

Debattiert wird über eine Gedenkstätte in Erinnerung an das Arbeitserziehungslager, das von 1944 bis 1945 von den Nazis in Zöschen betrieben wurde. Diese soll auf dem Druschplatz als Neubau mit Teilen einer alten noch vorhandenen Baracke aufgebaut werden. Kostenpunkt 93 000 Euro. Während dieses Vorhaben im Bauausschuss des Stadtrates Leuna Zustimmung fand, wurde im Haupt- und Sozialausschuss teilweise heftig diskutiert.

Einigen Stadträten ist das Projekt zu teuer, zumal die Errichtung der Gedenkstätte eine freiwillige Aufgabe ist, also von der Stadt nicht übernommen werden muss. Sie plädieren deshalb dafür, dem Heimat- und Geschichtsverein Zöschen den kommunalen Grund und Boden, auf dem die Baracke errichtet werden soll, und eine bestimmte Summe x als finanzielle Unterstützung zu übergeben, um die Erinnerungsstätte selbst aufbauen zu können.

Darüber kann Edda Schaaf, Chefin des Vereins, nur den Kopf schütteln. "Wir können die Baracke doch nicht selbst aufbauen. Das übersteigt unsere Möglichkeiten. Immerhin sind wir alle Ehrenämtler", argumentiert sie. Um die Baukosten zu mindern, schlägt sie deshalb vor, dass der Neubau ein Lehrlingsobjekt oder in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter realisiert werden könnte. Auch die Beantragung von Fördermitteln sieht sie als weitere Möglichkeit.

Der Heimat- und Geschichtsverein bemüht sich schon seit einigen Jahren, eine Baracke des Arbeitserziehungslagers Zöschen, in dem einst zwischen 1 500 und 3 000 Menschen untergebracht waren, - 500 überlebten das Martyrium nicht - zu erhalten. Zunächst wollte er eine Baracke aus Privatbesitz über Erbbaupacht unter seine Fittiche nehmen, doch das scheiterte am Geld. Seit 2010 konzentrieren sich die Zöschener deshalb auf eine Baracke im Gemeindeholz, wo einst die Lagerbauleitung und die Küche des Lagers ihren Sitz hatten. Diesen Bau wollten sie übernehmen, ein entsprechender Antrag wurde bei der Stadt Leuna gestellt. "Doch wir sind immer wieder vertröstet worden", so Schaaf.

Vor diesem Hintergrund entstand das Gestaltungskonzept für das Gemeindeholz, bei deren Umsetzung die Baracke im Weg steht. Sie in die ehemalige alte Turnhalle zu integrieren, was zwischenzeitlich auch diskutiert wurde, wäre unwürdig. So unterbreitete das Planungsbüro aus Zöschen den Vorschlag, eine neue Baracke mit Teilen der alten Baracke zu errichten.

In dem Neubau soll ein Dokumentations-, Begegnungs- und Gedenkzentrum entstehen. "Wir haben im Laufe der Jahre soviel Material gesammelt, das wir präsentieren wollen und woran auch großes Interesse besteht", unterstreicht Edda Schaaf. Und: "Wir reden alle über den Rechtsextremismus, da müssen wir auch aufklärerisch tätig werden." In seinem Anliegen wird der Verein von der Geschichtswerkstatt Merseburg-Saalekreis und der Stiftung 16. April 1944 Beverwijk aus den Niederlanden unterstützt. Letzterer gehören ehemalige Häftlinge an, die in Zöschen inhaftiert waren. Sie alle wünschen sich, dass die neue Baracke zum 7. August 2014 eingeweiht werden kann. Dann jährt sich zum 70. Mal der Tag, an dem das Lager in Betrieb genommen wurde.

Das kann allerdings nur gelingen, wenn es schnell eine Entscheidung über das Gestaltungskonzept für das Gemeindeholz gibt. Und die kann letztendlich nur der Leunaer Stadtrat treffen.

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