In der Saale-Elster-Aue zwischen Schkopau und Ammendorf steht das Wasser wieder in der Flur. Die Schneeschmelze und starker Regen haben die Flüsse anschwellen lassen. Die Böden in der Aue sind gesättigt, das drückt auch das Grundwasser nach oben. Bei extremen Hochwasserlagen - die derzeit nicht herrschen - ist der Ort Hohenweiden besonders bedroht. Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) will die Gefahr dauerhaft bannen und von Rattmannsdorf bis Benkendorf einen vier Kilometer langen Deich bauen. Nur kommt das Millionenprojekt nicht voran. Grund: Es fehlen Flächen für Ausgleichspflanzungen.
Ursprünglich sollte das Verfahren zur Planfeststellung in diesem Jahr beginnen. Die technische Planung ist zwar fertig. "Wir haben aber große Schwierigkeiten, Flächen für die Ausgleichsmaßnahmen zu finden", sagt Manfred Wagenschein, im LHW Leiter für den Flussbereich Merseburg. Da diese Ausgleichsgebiete laut Gesetz räumlich wie zeitlich mit dem Bauvorhaben in Verbindung stehen müssen, "können wir das Verfahren derzeit nicht vorantreiben". Bis 2015 sei daher auch nicht mit einem Baubeginn zu rechnen.
Nicht nur der LHW hat Probleme durch den Neubau des knapp 21 Kilometer langen ICE-Strecken-Teilstücks zwischen dem Osterbergtunnel bei Steigra und der Saale-Elster-Brücke im Raum Schkopau / Halle. Auch Landwirte klagen über die opulenten Ausgleichspflanzungen, die die Bahn in der Region vornehmen muss. So würden beispielsweise Bäume mitten auf Felder gepflanzt, wertvolle Ackerböden zu naturnahen Biotopen umgestaltet.
Die Bahn sieht sich freilich nicht als Buhmann und verweist auf das Baurecht für die ICE-Trasse, das bereits seit 1996 vorliegt. "Wir halten uns streng an die seinerzeit erteilten Genehmigungen und an europäische Naturschutzziele, die eine Vernetzung von Biotopen vorsehen", hatte Bahnsprecher Ralf niestet schon vor Monaten gegenüber der MZ erklärt. Zu 85 Prozent liegen die Ausgleichsflächen in unmittelbarer Nähe der neuen Hochgeschwindigkeitsroute. Alleine der Agrarbetrieb Steigra muss bis zu 25 Hektar abtreten.
Der Landesbetrieb für Hochwasserschutz sucht die Zusammenarbeit mit der Bahn, auch wenn es schwierig wird, gemeinsame Nenner zu finden. Deshalb hat sich der LHW nach Alternativen umgeschaut und ist am Salzigen See an der Grenze zum Mansfelder Land auch fündig geworden. "Wir haben dort 20 Hektar gekauft und wollen die Fläche zu einem Biotop entwickeln", sagt Wagenschein. Auf diese Weise gewinne man Ökopunkte, die für den Deichbau an der Saale eingesetzt werden sollen.
Ist diese Pflicht schließlich erfüllt, folgt noch die Kür: die Finanzierung des Projektes. Rund vier Millionen Euro wird der neue Deich kosten. Die Summe muss das Land berappen. Ob das Geld tatsächlich vorhanden ist, weiß jetzt noch keiner.