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Hochschule Merseburg: Fotoblicke ins Leben

Uhr | Aktualisiert 21.01.2013 21:17 Uhr
Johanna Pahl zeigt ihre Klingelschild-Galerie - von den mehr als 100 Klingelschildern an einem Plattenbau bis zum Haus mit Ruf-Aufforderung (FOTO: PETER WÖLK) 
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Defa-Filmtage: Studenten der Hochschule Merseburg präsentieren ihre Aufnahmen aus einem sozial-philosophischen Projekt im Kunsthaus Tiefer Keller.
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MERSEBURG/MZ. 

Na, schauen Sie gern auf Klingelschilder? Interessiert Sie nicht? Könnte aber interessant sein. Johanna Pahl hat bei ihren Streifzügen durch die Klingelschilderlandschaft jedenfalls einiges Interessantes entdeckt. Das Haus einer koreanischen Gemeinde zum Beispiel, deren Mitglieder im Haus nicht nur wohnen, sondern neben einem Gemeinderaum auch einen Laden und ein Restaurant eingerichtet haben. Oder ein Haus, in dem ein Wohnprojekt auf Kommunikation setzt: "Klingel kaputt, also rufen versuchen" steht dort auf einem vergilbten Zettel. Sie fand aber auch ein Haus, dessen Bewohner alle Petzold heißen. "Alles eine Familie denke ich, und die ältesten Petzolds wohnen unten", vermutet die 28-jährige Studentin, denn geklingelt hat sie nirgends. Ihre fotografierten Klingel-Geschichten sind Teil einer Ausstellung, die ab Dienstag im Merseburger Kunsthaus Tiefer Keller zu sehen ist.

15 Studierende der Sozialen Arbeit an der Hochschule Merseburg haben am sozial-philosophischen Fotoprojekt teilgenommen, das in Korrespondenz zu den "8. Merseburger Defa-Filmtagen - Andreas Dresen und Wolfgang Kohlhaase" ausgeschrieben war. Sie dachten über das "Mit-Sein" und das "Anders-Sein" nach, über Eingrenzung und Ausgrenzung und machten sich dann zur fotografischen Arbeit in Leipzig, Merseburg und Halle auf den Weg. Sie betrachteten die Straßen und Briefkästen, die ihnen von den Menschen, die dort wohnen, erzählen. Sie verfolgten den Machtkampf der Fußball-Graffiti-Szene in Leipzig, der auf den Wänden der Stadt ausgetragen wird. Und sie sprachen mit ehemaligen Chemiearbeitern, die seit 40 Jahren in Halle-Neustadt wohnen und dort auch nicht mehr wegwollen.

"Sie haben aber auch Wohnzimmerkonzerte fotografiert, oder die Tatsache abgelichtet, dass immer mehr in Do-it-yourself-Manier gemacht wird. Es wird wieder gestrickt, genäht und auch selbst verkauft", erzählt Professorin Maria Nühlen, die den Anstoß für die Millieustudien gab. Studentin Katrin Bardtke (28) entschied sich bei ihren Aufnahmen sogar für die gute alte Technik mit Film. In Schwarz-Weiß zeigt sie die Straßen von Leipzig-Connewitz mit ihren sanierten und unsanierten Häusern.

Die Ausstellung "Eigenwelten - Innensicht und Außensicht" wird Dienstagabend um 19 Uhr im Kunsthaus Tiefer Keller eröffnet. Sie wird voraussichtlich bis zum 2. Februar zu sehen sein.

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