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Hochschule: Das große Fressen, Teil zwei

Uhr | Aktualisiert 05.06.2012 20:18 Uhr
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Unappetitliche Fressorgie

Die Studentinnen wollen die Wegwerfgesellschaft kritisieren und deshalb artet ihr Essen in eine unappetitliche Fressorgie aus. (FOTO: PETER WÖLK)

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Übermäßiger Fleischkonsum und das Wegwerfen noch genießbarer Lebensmittel sind heutzutage zur Normalität geworden. Sechs Studentinnen der Fachhochschule Merseburg wollen mit einer besonderen Kunstform auf diese Missstände hinweisen.
MERSEBURG/MZ. 

Übermäßiger Fleischkonsum und das Wegwerfen noch genießbarer Lebensmittel ist in unserer heutigen Gesellschaft zur Normalität geworden. Um auf diese bedauerliche Tatsache hinzuweisen, haben sich sechs Studentinnen der Fachhochschule Merseburg einer besonderen Kunstform bedient, und zwar der Performance, eine Darbietung, in der die Künstler das Werk selbst verkörpern.

Das geschah jetzt im Rahmen des Moduls "Kulturpädagogische Projektarbeit", das Bestandteil des Studienganges "Kultur- und Medienpädagogik" ist, in dem die Akteure im sechsten und siebten Semester eingeschrieben sind. Die jungen Frauen luden in den Tiefkeller der Merseburger Fachhochschule ein. Zusätzlich zu dem schon zugegebenermaßen tristen Kellergewölbe erwartete die Zuschauer erstmal ein Schock, mutete der Zugang zum Aufführungsraum doch an wie ein Darmausgang.

Nichtsdestotrotz wagten alle den Eintritt und waren umso erstaunter, was sie dort erwartete. Hinter einem wie mit Blut getränkt wirkenden Trog aßen vier vornehme Damen bei gedämpft rötlichem Licht von einem Büfett, das sich vielen erst auf den zweiten Blick als menschlich offenbarte. Doch das anfangs gesittete Dinner bei klassischer Musik wurde bei gleichzeitig immer schneller werdenden Klängen auch immer zügelloser, bis es zu einer regelrechten Fressorgie ausartete.

Kurze Zeit später räkelten sich die 21- bis 28-Jährigen auf dem Esstisch sowie in dem erwähnten Trog, fütterten sich gegenseitig und besprühten sich mit Sahne. Diese ekstatisch, erotisch und doch skurril wirkende Szenerie machte einen starken Eindruck bei den Zuschauern, denen das Erstaunen, aber auch die Neugier ins Gesicht geschrieben stand. Als sowohl die Musik als auch die jungen Frauen zur Ruhe gekommen waren, endete die Aufführung, indem eine Angebotsdurchsage eines bekannten Discounters ertönte: "Fleisch heute im Sonderangebot" und die Studentinnen daraufhin losstürmten. Begeisterter Applaus erfüllte daraufhin das Kellergewölbe.

"Wir wollten mit unserer Performance die heutige Konsumgesellschaft kritisieren", erklärt Nadine Mühlner. Inspiriert habe sie dafür der Film "Das große Fressen" aus dem Jahr 1973, ist von Sarah Modeß zu erfahren. "Wir wollten mit diesem Stück Ekel erzeugen und hoffen so auf eine Reflexion bei den Leuten", fügt Sarah Scholl-Rembrand hinzu. Die Lebensmittel, die sie für die Performance praktisch als Requisiten nutzten, haben sie von Sponsoren erhalten, wie Elisa Sieweck erklärt: "Das ganze Essen wäre sonst weggeschmissen worden". "Dabei hat es wirklich noch geschmeckt", ergänzt ihre Kommilitonin Anna-Leena Lutz.

Ob sie in Zukunft Ähnliches geplant haben, konnten die Studentinnen aber noch nicht sagen. "Es wäre schön, noch mal so etwas zu machen. Zuerst einmal haben wir jedoch unsere Bachelorarbeiten vor uns", sagt Christin Wenig.

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