Dicker, schwarzer Rauch schlug den Polizeibeamten entgegen, als sie die Einraumwohnung in der neunten Etage aufbrachen. Das Zimmer lag direkt über der Wohnung, in der gegen 5 Uhr ein verheerender Brand ausgebrochen war. Wenig später fanden Feuerwehrmänner einen leblosen Mann. "Wir haben den 57-Jährigen bis in die sechste Etage nach unten getragen und dort an den Notarzt übergeben", schilderte Feuerwehr-Einsatzleiter Michael Kiepsch. 30 Minuten versuchten die Rettungskräfte vergeblich, den Mieter zu reanimieren.
Offenbar wurde dem Mann giftiges Rauchgas zum Verhängnis, das über das Bad vom Brandherd in der achten Etage in die Wohnung des 57-Jährigen gezogen sein soll. Ob die Rauchmelder in den Zimmern funktionierten, müssen Kriminaltechniker klären. Außerdem waren Experten der Kripo am Sonntag mehrere Stunden damit beschäftigt, die Ursache für das verheerende Feuer zu finden. Nach Aussagen von Polizeisprecher Jürgen Müller könnte ein technischer Defekt in der Wohnung eines 75-Jährigen den Brand ausgelöst haben. Der Senior selbst konnte von der Feuerwehr gerettet werden. Er kam mit Verdacht auf Rauchgasvergiftung ins Krankenhaus. Unter anderem konzentrieren sich die Untersuchungen auf das Sauerstoffgerät, das der Rentner zur Unterstützung der Atmung in seiner Wohnung hatte.
"Das Feuer hatte sich jedenfalls rasend schnell ausgebreitet", sagte Kiepsch. Schon bei der Anfahrt habe man die Flammen aus den Fenstern schlagen sehen. Sie reichten bis in die beiden oberen Etagen. "Zum Glück haben sich die Mieter wirklich besonnen verhalten und sind zumeist in ihren Wohnungen geblieben", so Kiepsch. 56 Einsatzkräfte der Feuerwehr aus Bad Dürrenberg, Tollwitz, Nempitz in Leuna rückten aus. Sie evakuierten 45 Wohnungen in den drei obersten Etagen. Polizisten sicherten die Treppenhäuser. Die betroffenen Mieter kamen vorläufig unter anderem in einem Pflegeheim unter. Zwei Anwohner klagten über Beschwerden. Sie mussten aber nicht in die Klinik gebracht werden. "Ich bin schockiert. Anfangs hat es nach Verbranntem gerochen. Und dann heulten auch schon die Melder und es ging die Sirene", erzählte Ingrid Vetter. Mit ihrem Mann besucht sie zum Weihnachtsfest die Mutter in Bad Dürrenberg. In dem Zehngeschosser hat sich das Ehepaar eine Wohnung für die Zeit gemietet. "Zum Glück ist uns nichts passiert", sagte sie.
Das Hochhaus mit seinen 260 zumeist Einraumwohnungen gehört zum Bestand der Wohnungswirtschaft Bad Dürrenberg. Die meisten Mieter waren von dem Brand nicht betroffen und durften in ihren vier Wänden bleiben. "Das ist ein ganz schlimmer Tag. Dass einer unserer Mieter gestorben ist, macht uns betroffen", erklärte Elke Schipper, Betriebsleiterin der Wohnungswirtschaft. Die Gesellschaft habe über mehrere Jahre viel Geld in den Brandschutz investiert. Alle Wohnungen verfügten über zwei Brandmelder. In das Hochhaus ist eine Steigleitung für die Versorgung mit Löschwasser eingebaut. Außerdem seien die Treppenhäuser durch feuerfeste Türen gesichert. 1996 war der Block von Grund auf saniert worden.
Bis auf zwei Mieter dürfen alle Bewohner in ihre Wohnungen zurück. "Und dort, wo es nicht geht, können wir Ersatz anbieten", sagte Elke Schipper. Außerdem wolle man möglichst schnell damit beginnen, die Schäden zu beseitigen. Unter anderem war Löschwasser von der achten Etage bis nach unten gelaufen, obwohl die Feuerwehr selbst 1 000 Liter abpumpte, um den Schaden zu begrenzen.