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Präsidentschaftswahl: Danke, Amerika

Uhr | Aktualisiert 07.11.2012 20:56 Uhr

Holger Schmale (FOTO: MZ)

Holger Schmale meint, dass die Amerikaner mit der Wiederwahl Obamas die richtige Entscheidung getroffen haben.
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Das war eine gute Wahl. Es gibt viele Gründe,weshalb die Wiederwahl von Barack Obama den USA und der Welt gut tun wird. Einen aber konnte man noch in der Wahlnacht erleben, mit seiner Dankesrede an die Amerikaner. Wenn es noch jemanden gibt, der das Pathos der amerikanischen Idee glaubwürdig und mitreißend formulieren kann, dann ist es dieser Präsident.

"The best is yet to come", Das Beste liegt noch vor uns, die in diesem Satz liegende Überzeugung ist nicht nur der Kern des unbezwingbaren Optimismus, der das Land immer noch prägt. In ihm steckt eine Botschaft des schwarzen Präsidenten an das weiße, konservative Amerika: Wir erzählen diese Geschichte weiter, sie ist unsere gemeinsame Geschichte.

Nichts brauchen die zerrissenen USA jetzt so sehr wie einen, der das Land an seine alten Ideale erinnert, der versöhnt und verspricht, es zu neuen Ufern zu führen. Er hat auch schon vor vier Jahren, nach seiner ersten Wahl, eine Epoche der Versöhnung versprochen. Das gehört zu den nicht wenigen Versprechen, die er nicht hat halten können. Weil er damals zu naiv war, weil er die von seinem Vorgänger George W. Bush zurückgelassene ökonomische, politische und moralische Trümmerlandschaft unterschätzt hat. Das besondere an Barack Obama aber ist, dass ihm dennoch nicht die Glaubwürdigkeit abhanden gekommen ist. Die Menschen nehmen es ihm immer noch ab, dass er mit seinem oft gezeigten eisernen Willen das Ziel immer wieder anstreben wird.

Manche sagen, die US-Bürger hätten Obama mit der Wiederwahl eine zweite Chance gegeben. Doch das klingt so, als habe er seine erste Chance vertan. Das stimmt nicht. Seine Wiederwahl ist womöglich eine noch größere Leistung und von noch größerer Bedeutung als die erste Wahl. Nun hat er aus eigener Kraft und mit durchaus gemischter Bilanz gegen einen in den Augen vieler Amerikaner veritablen Herausforderer gewonnen. Er hat dies als Schwarzer geschafft, und damit die USA im noch lange nicht gewonnenen Kampf gegen den Rassismus noch weiter vorangebracht. Die Stärke Obamas aber ist, dass er eben nicht wie ein schwarzer Bürgerrechtler auftritt. Und für viele weiße Wähler mag gegolten haben: Sie gaben ihm ihre Stimme, nicht weil, sondern obwohl er Schwarzer ist.

Nun ist er wiedergewählt, und die Probleme sind kaum kleiner geworden. Er führt ein überschuldetes und in vielen Bereichen marodes Land, die Republikaner beherrschen das Parlament, und der Nahe Osten bedarf dringend einer Friedensstrategie. Die Welt wartet darauf, dass sich der Friedensnobelpreisträger Barack Obama seine Auszeichnung noch verdient.

Der Präsident hat in seiner Rede seine Vision der USA umschrieben, die er als starkes und selbstbewusstes Land beschreibt, das sich dem Frieden, der Freiheit und Würde für alle Menschen verpflichtet fühlt. Er sprach von einem großzügigen, weltoffenen, und toleranten Amerika, in dem jeder die Chance erhalten soll, alles zu schaffen, wenn er nur will. Die Bürger haben eine gute Wahl getroffen. Danke, Amerika.

Kontakt zum Autor: Holger Schmale

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