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Gastbeitrag: Wir sind Papst - aber bitte nicht so!

02.02.2009 22:31 Uhr | Aktualisiert 02.02.2009 22:35 Uhr
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Von HANS-DIETRICH GENSCHER
Zu den großen historischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts gehört der verstorbene Papst Johannes Paul II. Er, der eher konservative Katholik, ging auf seinen Reisen unmittelbar auf die Menschen in aller Welt zu.
Halle/MZ. 

Er war ein Brückenbauer auch zwischen den Religionen. Für eine heranwachsende Generation von Katholiken wurde er zum Idol. In seinem Heimatland wurde er zum Symbol polnischen Freiheitswillens.

Wiederholt habe ich mit ihm vertiefte Gespräche geführt über aktuelle genauso wie über letzte Fragen. Johannes Paul II. hat mein Bild von der Verantwortung des Oberhauptes der Katholischen Kirche geprägt.

Da schmerzte es schon, dass Papst Benedikt XVI. bei seinem Besuch in Deutschland der Evangelischen Kirche die Respektierung als Kirche verweigerte. Ja, er entschied auch, wer sie in einem Gespräch mit ihm vertreten sollte. Hatte er Sorge der Bischöfin Margot Käßmann zu begegnen, weil für ihn die Vorstellung einer Frau als Bischöfin noch inakzeptabler erscheint, als das einer Frau auf der Kanzel? Als evangelischer Christ hätte ich mir damals mehr Selbstbewusstsein meiner Evangelischen Kirche gewünscht.

In Regensburg hielt er eine spektakuläre Rede, die von den Gläubigen des Islam als Provokation empfunden werden musste. Dass er dabei zum Stilmittel der Provokation durch Zitat griff, machte die Regensburger Provokation nur noch schlimmer.

Was wollte er jetzt ausdrücken als er die vier Bischöfe - darunter einen Holocaust-Leugner - wieder aufnahm, die sein verehrungswürdiger Vorgänger aus der katholischen Kirche ausgeschlossen hatte? Wusste er nicht, wen er da rehabilitierte? Die Frage, um die es jetzt geht, hat eine andere Qualität als die Verweigerung des Respekts vor der Evangelischen Kirche oder die Regensburger Provokation des Islam. Beides ist schlimm genug. Jetzt aber geht es nicht allein um eine Glaubensfrage. Es geht um eine zutiefst moralische und politische Frage. Es geht um den Respekt vor den Opfern des Menschheitsverbrechens.

Für mich ist die große Rede unvergesslich, die Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 im Deutschen Bundestag gehalten hat. Ich bin sicher, der damalige Kardinal Joseph Ratzinger hat diese Rede genauso empfunden wie sie weltweit, nicht nur in Deutschland, verstanden wurde. Dankbar habe ich die Stimmen katholischer Mitbürger und ihrer Bischöfe zu den jüngsten Entscheidungen Benedikt XVI. gehört. Auch Benedikt XVI. sollte jetzt die Kraft finden zu einem offenen Wort und einer klaren Entscheidung.

Um auf Johannes Paul II. zurück zu kommen, auf ihn konnten und können alle Polen stolz sein - ob sie Katholiken sind oder nicht. Wie hieß es doch nach der letzten Papstwahl: Wir sind Papst! - Aber bitte nicht so!