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Legida-Demonstration in Leipzig: „Nichts wie weg, bevor es kracht“

Polizei

Die Polizei zeigt am 11. Januar starke Präsenz in Leipzig.

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dpa

Leipzig -

Der weltberühmte Leipziger Brühl, die Flaniermeile der Messestadt, liegt weitgehend verlassen da. Nur vereinzelt sind noch Passanten unterwegs. Gleichzeitig drängen sich viele Leipziger an den Haltestellen, um mit den letzten Straßenbahnen der für 18 Uhr angekündigte Sperrung am Hauptbahnhof zu entkommen. Der Feierabendverkehr der Autofahrer hat früher als gewöhnlich eingesetzt. Es sieht so aus, als wären viele Einwohner der Montagsdemonstrationen von Legida und den damit verbundenen Gegendemonstrationen überdrüssig.

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„Nichts wie weg, bevor es kracht“, sagte ein Ingenieur der Wasserwerke, der sich beeilte nach Hause zu kommen. Er hatte im Radio von den Hetz- und Drohaufrufen von rechten und linken Extremisten gehört, die im Internet kursieren. Seine 12-jährige Tochter auf dem Rücksitz des Wagens hatte er vorsorglich von der Schule abgeholt.

Ein Jahr Legida in Leipzig
Leipzig, 11. Januar 2016: Bei der Demo zum ersten Jahrestag von Legida in Leipzig waren rund 3.000 Teilnehmer dabei. Etwa ebenso viele Menschen demonstrierten für Weltoffenheit und Toleranz. Hunterte Rechte zogen randalierend durch Leipzig-Connewitz.

Starker Regen hält die Legida-Demonstranten bisher allerdings ab: Auf dem Kundgebungsplatz am Naturkundemuseum sind bisher erst rund 30 Teilnehmer versammelt. Unterdessen haben sich am Augustusplatz bereits mehrere hundert Gegendemonstranten zusammengefunden, die sich nach 18 Uhr in die geplante Lichterkette gegen linke und rechte Gewalt einreihen wollen.

Reiterstaffel aus Dresden vor Ort

Seit 16 Uhr kreist ein Hubschrauber der Bundespolizei über der City, um mit seinen Spezialkameras jede aufkeimende Unruhe frühzeitig zu erkennen. Noch sind keine Demonstranten der fremdenfeindlichen Legida, die heute Unterstützung aus Dresden erwartet, am Ort des Geschehens eingetroffen. Aber rund um den kleinen Kundgebungsplatz am Naturkundemuseum, der maximal 2.000 Menschen Platz bieten dürfte, stehen Wasserwerfer, gepanzerte Fahrzeuge und Einsatzbusse der Polizei aus Sachsen, Bayern, Berlin und weiteren Bundesländern bereit. Auch eine Reiterstaffel aus Dresden tummelt sich in der Nähe des Zoos. Geschäftsleute stehen dem Treiben hilflos gegenüber. Am Nordplatz haben, dem möglichen Ziel des Legida-Umzuges, haben Läden die Jalousien heruntergelassen. Das Aufgebot der Ordnungskräfte ist immens, obwohl die rechtsextreme Offensive für Deutschland ihre Kundgebung kurzfristig abgesagt haben soll. (mz)