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Globale Streamingdienste: HBO will Netflix unter Druck setzen

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Vor gut einem Jahrzehnt begann die Internet-Revolution, die viele Branchen umgekrempelt hat. Den Fernsehsendern konnte das Netz der Netze bislang wenig anhaben. Doch jetzt gehen US-Konzerne mit ihren Internet-Abrufdiensten in die Offensive. Sie wollen globale Marken werden. Netflix ist der Pionier und Marktführer. Die Time-Warner-Tochter HBO will sich aber nicht abhängen lassen.

Das Geschäft mit dem sogenannten Streaming von Filmen und Serien wird in den nächsten Jahren rasant wachsen. Nach einer am Dienstag veröffentlichten Studie des britischen Branchendienstes Digital TV Research wird die Zahl der Abonnenten allein in diesem Jahr weltweit um gut 25 Millionen auf 115 Millionen steigen. 2020 sollen es schon rund 191 Millionen sein. Marktführer wird nach Ansicht der Analysten dann immer noch Netflix sein, dem sie 115 Millionen Nutzer zutrauen - derzeit sind es gut 70 Millionen, davon geschätzte 1,2 Millionen hierzulande.

Netflix mit entscheidenem Schritt

Die 1997 gegründete Firma hat sich einen großen Vorsprung vor der Konkurrenz erkämpft. Gerade erst hat Netflix einen entscheidenden Schritt nach vorne gemacht. Die Filme und Serien sind seit Jahresbeginn nicht mehr nur in 60, sondern in 190 Ländern zu sehen – Netflix lässt sich gut und gerne als erster globaler Fernsehsender begreifen. Schiere Größe bringt einen Riesenvorteil, das lässt sich an der Erfolgsgeschichte anderer Internetunternehmen wie Google, Facebook oder Amazon ablesen: Wer groß ist, hat beste Voraussetzungen noch größer zu werden, um die Konkurrenz wegzubeißen.

Bei Netflix heißt das konkret: Viele Abonnenten machen große Budgets fürs Einkaufen oder Selbstproduzieren von Serien und Filmen möglich. In diesem Jahr sind fünf Milliarden Dollar dafür reserviert. Tendenz steigend. Die populärsten Schauspieler und die besten Regisseure können so angeheuert werden. Die höchsten Erträge lassen sich dann dadurch erwirtschaften, dass die bewegten Bilder von Peking bis Pinneberg und überall anderswo auf der Welt beliebt sind. Genau so hat es Reed Hastings, Gründer und Chef von Netflix gerade formuliert: Das Angebot solle bald überall auf der Welt gleich aussehen. Er spricht davon, in verschiedenen Ländern zu drehen und dann global zu senden. Für den deutschen Zuschauer könnte es dann Science-Fiction aus Brasilien, Animationsfilme aus Japan und Thriller aus den USA geben. Und auch eine deutsche Serie könnte dazu gehören.

Räumt Netflix jetzt alles ab?

Hinter dieser Strategie steckt, dass sich Hastings auf eine Koexistenz mit nationalen Sendern einstellt. Deutscher als das ZDF oder Sat1 kann sein Angebot nicht werden. Netflix soll sich als Ergänzung zum heimischen TV etablieren. Das US-Unternehmen hat ein raffiniertes Werkzeug, um den internationalen Geschmack zu treffen. Riesige Mengen von Nutzerdaten werden gesammelt und analysiert: Was wird wie lange geguckt, wo steigen die Zuschauer aus. So lassen sich Serien wie „House of Charts“ gestalten, deren Erfolg in vielen Ländern schon vor dem Drehbeginn feststeht.

Räumt Netflix jetzt alles ab? Die Time-Warner Manager wollen sich nicht geschlagen geben. Sie wollen mit ihrem eigenen Streamingdienst HBO ausbauen. Ende des Jahres soll er überall in Südamerika verfügbar sein. Und nach den skandinavischen Ländern soll in Europa nun Spanien folgen. Das Land ist besonders gut für Streaming geeignet, da jeder zweite Haushalt zwar einen schnellen Internetanschluss, aber kein Pay-TV-Abo hat. HBO-Manager Simon Sutton hat angekündigt, dass Spanien nicht das letzte europäische Land für den Abrufdienst sei – auch Deutschland dürften die Manager im Blick haben. Viele Branchenkenner trauen der Time-Warner-Tochter jedenfalls zu, zum härtesten Netflix-Konkurrenten zu werden. Es sieht ganz danach aus, dass es wieder US-Konzerne sind, die die globale Dominanz in einem neuen Geschäftsfeld der Internetökonomie erringen.