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MZ-Serie zur Männergesundheit - Teil 4: Krebs-Test - Segen oder Fluch?

Professor Paolo Fornara erläutert einem Patienten das Ergebnis der Prostata-Untersuchung.

Professor Paolo Fornara erläutert einem Patienten das Ergebnis der Prostata-Untersuchung.

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Andreas Stedtler

Halle (Saale) -

Prostatakrebs ist bei Männern der häufigste Tumor. Die Zahl entsprechender Diagnosen steigt Jahr für Jahr. 2011 wurden deutschlandweit etwa 67.000 Neuerkrankungen registriert. Im vergangenen Jahr waren es bereits 75.000. Professor Paolo Fornara hat dafür zwei Erklärungen. „Prostatakrebs ist eine typische Wohlstandserkrankung“, sagt der Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Urologie an der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. Neben genetischen Faktoren spiele die Ernährung in unseren Breiten eine gewichtige Rolle. „Bei Koreanern und Japanern tritt der Tumor wesentlich seltener auf. Sie essen viel Gemüse, Reis und Fisch. Das sind keine Bratwurstesser.“ Mehr muss er gar nicht sagen.

Außerdem registriert der Mediziner, dass heute doch mehr Männer diesem Thema Beachtung schenken als noch vor ein paar Jahren. Das gehe einher mit der breiten Verfügbarkeit diagnostischer Möglichkeiten. Doch gerade diese Tests sind nicht unumstritten.

Die Krankenkassen werben unermüdlich für die kostenlose Früherkennung, auf die jeder Mann ab 45 Jahren Anspruch hat, die aber nur wenig mehr als zehn Prozent nutzen. Kostenlos ist jedoch lediglich eine Tastuntersuchung. Fornara winkt ab. „Das ist ein Späterkennungstest“, sagt er. „Wenn der Tumor die Oberfläche erreicht hat, so dass er getastet werden kann, dann hat er den Mann schon eingeholt.“ Er nennt diese Methode ein Überbleibsel aus den 70er Jahren, als es keine bessere gab. Das Sozialgesetzbuch V, in dem sie als Früherkennungsinstrument festgehalten wird, sei in diesem Punkt seit 1976 nicht mehr aktualisiert worden.

Blutuntersuchung als Früherkennungsmethode

Heute gibt es eine Blutuntersuchung, bei der das Prostataspezifische Antigen (PSA) gemessen wird. PSA ist ein Eiweiß, das die Aufgabe hat, das Ejakulat des Mannes flüssig zu halten. Wird übermäßig viel davon gebildet, ist das ein Zeichen für eine erhöhte Aktivität der Prostata. „Das kann wiederum der Fall sein, weil der Mann das ganze Wochenende Fahrrad gefahren ist. Es kann aber auch sein, dass da ein Tumor wächst“, erklärt der Urologe.

Für den sogenannten PSA-Test müssen die Männer selbst ins Portemonnaie greifen. Zumindest wenn er zu reinen Früherkennungszwecken durchgeführt wird. Denn, so das Argument der Kassen, es sei keineswegs erwiesen, dass diese Untersuchung, regelmäßig vorgenommen, zu längerem Leben führt. Sie zahlen erst, wenn eine Erkrankung der Prostata diagnostiziert wird. Nebenbei: Der Test kostet etwa 25 Euro. Der Preis variiert von Praxis zu Praxis.

Ist der PSA-Test dann eigentlich sinnvoll? Fornara holt ein wenig aus. In den 90er Jahren, so sagt er, habe das PSA als große medizinische Entdeckung gegolten. „Damals dachten wir: Mensch, jetzt haben wir einen Marker im Blut, der uns sagt, ob der Mann an Krebs erkrankt ist oder nicht.“ Es habe eine Welle der Euphorie gegeben, die sehr schnell von einer Welle der Ernüchterung eingeholt worden sei. Denn der Marker erwies sich bei weitem nicht so eindeutig wie es zunächst schien. Oft sei mit der Methode auch unqualifiziert umgegangen worden. „Nach bereits einer Messung wurden Schlussfolgerungen gezogen“, sagt der Urologe. Oft seien das die falschen gewesen. Das habe zu vielen Fehldiagnosen und letztlich zu einer Überbehandlung der Männer - sprich: zu vorschnellen Operationen - geführt. „Erst heute“, so betont er, „fangen wir an, differenziert mit diesem Instrument umzugehen.“

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