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Leserforum zum Thema Allergie: Kampf gegen die Pollen

Etwa 15 Prozent der erwachsenen Deutschen haben Heuschnupfen. Vor 20 Jahren sind es gut zehn Prozent gewesen.

Etwa 15 Prozent der erwachsenen Deutschen haben Heuschnupfen. Vor 20 Jahren sind es gut zehn Prozent gewesen.

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dpa

Regine P., Querfurt: Wie kann ich verhindern, dass meine Allergie gegen Gräserpollen immer schlimmer wird und sich ein allergisches Asthma entwickelt?

Antwort: Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt in diesem Zusammenhang die sogenannte Hyposensibilisierung, auch bekannt als Allergie-Impfung. Mit ihr können Allergien ursächlich und langfristig behandelt werden. Das ist allein mit Allergiemedikamenten aus der Apotheke nicht möglich. Diese sind eher geeignet, ausschließlich die akut auftretenden Symptome zu lindern.

Nicole S., Merseburg: Was geschieht eigentlich bei einer Hyposensibilisierung?

Antwort: Steht fest, dass ein Betroffener auf ein bestimmtes Allergen reagiert, wie etwa auf Gräserpollen, kann er dagegen hyposensibilisiert werden. Er bekommt ein Pollenpräparat in ansteigender Dosis gespritzt oder als Tropfen unter die Zunge geträufelt mit dem Ziel, dass das Immunsystem gegenüber diesen Pollen tolerant wird. In der Regel dauert die Therapie drei Jahre.

Manuela R., Saalekreis: Ich habe eine Gräserpollenallergie. Daher soll bei mir eine Hyposensibilisierung durchgeführt werden. Ich habe gehört, dass sie neben der Spritzentherapie auch als Therapie mit Tropfen oder Tabletten möglich ist. Wie funktioniert das?

Antwort: Bei einer Gräserpollenallergie ist alternativ zur Spritze eine Therapie mit Tabletten oder Tropfen möglich, die über drei Jahre geht. Sie kann bei Erwachsenen und Jugendlichen angewandt werden. Dabei wird einmal täglich eine Tablette unter der Zunge zergehen gelassen oder es werden Tropfen unter die Zunge appliziert. Die Tabletten oder Tropfen enthalten Gräserpollenallergene, die der Körper über die Mundschleimhaut aufnimmt und die das Immunsystem unempfindlicher gegen Gräserpollen machen. Allerdings setzt die Therapie mit Tropfen oder Tabletten ein optimales Mitmachvermögen der Patienten voraus.

Daniela K., Eisleben: Wird bei einem Kind die Hyposensibilisierung genauso durchgeführt wie bei Erwachsenen?

Antwort: Im Grunde genommen ja. Allerdings empfiehlt sich bei Kindern meist die Hyposensibilisierung in Form einer Tabletten- oder Tropfentherapie, da Kinder oft Angst vor einer Spritze haben. Übrigens kann es vorkommen, dass auch mancher Erwachsene eine Spritzentherapie ablehnt, zum Beispiel weil er viel unterwegs ist und keine Zeit für die regelmäßigen Arztbesuche hat. Für einen solchen Patienten sind Tabletten oder Tropfen geeigneter. Welche Therapie letztlich angewandt wird, wird entsprechend den individuellen Gegebenheiten von dem behandelnden Arzt festgelegt. Bei Kindern ist das meist der Kinderarzt, bei Erwachsenen ein allergologisch geschulter Hausarzt, ein Arzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, ein Hautarzt oder ein Lungenfacharzt.

Svenja M., Naumburg: Wegen Allergieverdachts soll bei mir ein Pricktest gemacht werden. Was ist das?

Antwort: Der Pricktest ist ein Hauttest, bei dem Allergene auf die Haut aufgetragen werden. Anschließend wird die Haut leicht angeritzt, damit das Allergen in den Organismus gelangt. Tritt eine Rötung auf, weist das auf die Möglichkeit einer allergischen Reaktion vom sogenannten Soforttyp hin, bei der die Symptome innerhalb weniger Minuten auftreten. Dazu zählen zum Beispiel Heuschnupfen, Milben- und Tierhaarallergien sowie Allergien gegen Insektengift.

Bärbel M., Mansfeld-Südharz: Ich habe in diesem Jahr sehr viele Erdbeeren gegessen. Danach hatte ich auf dem Kopf, im Nacken und auf den Oberarmen sehr starken Juckreiz. Ein Bluttest ergab, dass ich Allergien habe, jedoch nicht hervorgerufen durch die Erdbeeren. Als ich später Erdbeertorte gegessen habe, traten die Beschwerden wieder auf. Habe ich nicht doch eine Erdbeer-Allergie?

Antwort: Eine Erdbeer-Allergie ist sehr selten. Meistens kommt sie als sogenannte Kreuzallergie im Rahmen einer Allergie gegen Frühblüher vor. Nach Ihrer Schilderung liegt bei Ihnen höchstwahrscheinlich eine Erdbeer-Unverträglichkeit vor. Inwieweit sich diese Unverträglichkeit bemerkbar macht, ist abhängig von der Menge der gegessenen Früchte und von der individuellen Tagesform des Betroffenen. Ein Allergologe kann Ihre Reaktion auf Erdbeeren testen, indem er ein Stück Erdbeere auf Ihrer Haut reibt und die Reaktion beobachtet. Darüber hinaus kann ein Prick-to-Prick-Test angewendet werden: Der Allergologe ritzt mit der Spitze einer Lanzette erst die Erdbeere und dann die Haut oberflächlich ein. Möglich wäre eine Sofortreaktion. Ergeben sich nach 30 Minuten keine Hautveränderungen, ist eine Erdbeer-Allergie unwahrscheinlich. Eine letzte Möglichkeit könnte eine bestehende Sensibilisierung auf ein anderes Allergen sein, das mit dem der Erdbeere verwandt ist. Über alle diese Möglichkeiten wird Sie der allergologisch versierte Hautarzt informieren.

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Ralph S., Saalekreis: Seit einem Jahr plage ich mich mit einer Rosazea herum. Die vom Hautarzt verschriebene Salbe und Gel helfen nur bedingt. Welche Behandlungsmöglichkeiten gäbe es noch?

Antwort: Rosazea ist keine Allergie, sondern eine entzündliche, reizbare Hauterkrankung unbekannter Ursache, die im Gesicht auftritt. Sie kann auftreten als Rötung, als Rötung mit Knötchen oder Pusteln, sich aber auch durch eine Knollennasen-Entwicklung bemerkbar machen. Auslösende Faktoren sind Gefäß weitende Einflüsse: UV-Licht, sprich Sonne, scharfe Gewürze, säurehaltiges Obst, ein Kälte-Wärme-Wechsel, Kaffee, Tee, Alkohol, aber auch Saunabesuche. Es gilt herauszufinden, was bei Ihnen einen Rosazea-Schub auslöst. Wichtigster Wirkstoff in der Lokaltherapie ist Metronidazol. Seit Juni neu auf dem Markt ist eine Salbe mit dem Wirkstoff Ivermecitin. Reicht das nicht aus, lässt sich die Erkrankung medikamentös von innen mit den Wirkstoffen Minozyclin oder Doxycyclin behandeln. In schweren Fällen kann eine medikamentöse Behandlung mit Vitamin A-Säure helfen.

Lore F., Mansfeld-Südharz: Seit sechs Jahren habe ich eine Allergie gegen Frühblüher und eine Nahrungsmittelkreuzallergie. Eine entsprechende Hyposensibilisierung habe ich damals durchgeführt, die Wirkung lässt aber allmählich nach. Würden Sie mir zu einer erneuten Hyposensibilisierung oder zu einer Depot-Cortisonspritze raten?

Antwort: Eine erneute Hyposensibilisierung wäre anzuraten, wenn Sie weiter allergische Symptome haben. Sie ist die beste Möglichkeit, eine Allergie ursächlich zu behandeln. Damit könnte im Oktober vor dem Pollenflug begonnen werden. Zusätzlich empfiehlt sich die Einnahme von Allergie-Tabletten und antiallergischen Augentropfen. Das sollten Sie mit Ihrem behandelnden Allergologen besprechen. Eine Depot-Cortisonspritze hingegen würde die Allergie nicht ursächlich behandeln, sondern nur die Symptome der Allergie lindern. Hinzu kämen bei langzeitiger Anwendung mögliche Nebenwirkungen infolge der Cortisonspritze, beispielsweise das Entstehen von Osteoporose und Hautveränderungen an der Stelle der Injektion.

Ruth S., Coswig: Mein Mann hat seit einem halben Jahr Ausschlag am gesamten Körper, verbunden mit extremen Juckreiz und Hautschuppungen. Er kratzt sich unaufhörlich und friert auch. Wie kann ihm geholfen werden?

Antwort: Wichtig wäre, die Ursachen für den Hautausschlag herauszufiltern: Handelt es sich um eine Austrocknung der Haut, liegt eine Medikamenten-Allergie vor, treten die Symptome unter Sonneneinfluss auf oder liegt eine andere schwerwiegende Hautkrankheit vor? Erst wenn das klar ist, kann eine zielgerichtete Behandlung erfolgen. Ihr Mann sollte sich unverzüglich von seinem Hausarzt zu einem Dermatologen mit Allergieschwerpunkt überweisen lassen. Eventuell wären einige Tage stationären Aufenthalts in einer Hautklinik anzuraten. Lassen Sie sich dorthin überweisen oder bitten Sie selbst dort um einen Termin. Gegen den Juckreiz können gegebenenfalls Medikamente aus der Gruppe der Antihistaminika helfen, die Ihnen der Hausarzt verschreiben sollte.

Anja K., Bitterfeld-Wolfen: Ich leide unter einer Pollenallergie. Haben Sie einen Tipp, um mir das Leben zu erleichtern?

Antwort: Schauen Sie in den Pollenallergie-Kalender und passen Sie Ihren Tagesrhythmus entsprechend an. Die Pollenbelastung ist in ländlichen Gebieten in den frühen Morgenstunden am höchsten. Hier sollten daher die Fenster in dieser Zeit geschlossen bleiben. Die beste Zeit zum Lüften ist im ländlichen Gebiet abends. In Stadtgebieten tritt die Hauptbelastung abends auf. Hier sind die Morgenstunden die beste Zeit zum Lüften. Da die Kleidung pollenbelastet sein könnte, sollte man sich außerhalb des Schlafzimmers entkleiden und jeden Abend vor dem zu Bett gehen die Haare waschen. Selbstverständlich ist im Auto ein Pollenfilter. Allergiker sollten ihren Urlaub im Gebirge oder am Meer planen. Ratsam ist es, den Reiseanbieter nach einem Allergiker-Zimmer zu fragen.´

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Sophie L., Burgenlandkreis: Mit Blick auf unseren künftigen Nachwuchs: Können wir irgendetwas tun, damit das Kind später nicht unter einer Allergie leidet?

Antwort: Allergische Reaktionen bei Kindern völlig auszuschließen, ist leider nicht möglich. Allerdings haben sich einige Dinge bewährt und sind durch Studien belegt, um das Risiko zu verringern: Sie sollten das Kind mindestens bis zum vierten Monat stillen. Dabei werden Antikörper durch die Muttermilch übertragen. Zudem sollte das Kind im ersten Lebensjahr keine histaminreichen Lebensmittel essen, dazu gehören etwa Schokolade, Käse, Fisch und Hühnereiweiß. Verzichten Sie außerdem auf übermäßige Hygienemaßnahmen.

Katrin H., Quedlinburg: Wie merke ich, dass ich einen Heuschnupfen habe? Meine Nase läuft ziemlich oft.

Antwort: Typisch sind Niesreiz, eine juckende Nase, ein wässriger Schnupfen sowie oft Brennen und Jucken der Augen. Außerdem sollten Sie hellhörig werden, wenn die Beschwerden mehrere Wochen anhalten und während der Pollensaison auftreten – also außerhalb der üblichen Erkältungszeit.

Marieluise R., Burgenlandkreis: Könnte ich mir ein Notfall-Set verschreiben lassen? Ich bin Multiallergikerin und reagiere vor allem auf Lebensmittel, auch Erdnüsse, allergisch.

Antwort: Mit einem solchen Set soll ein durch eine lebensgefährliche Allergie bedingter Schockzustand verhindert werden. Dieser kann bei einer Wespenstich-Allergie oder einer schweren Nahrungsmittel-Allergie zum Beispiel auf Erdnuss auftreten und lebensgefährlich sein. Das Set enthält Medikamente zum Schlucken und eine Notfallspritze, die sich ein Betroffener gegebenenfalls auch selbst durch die Kleidung setzen kann. Ist ein solches Set aufgrund Ihrer Allergien begründet, wird es Ihnen der Sie behandelnde Arzt sicher verschreiben. Allerdings sollte darauf geachtet werden, dass die Medikamente nur eine begrenzte Haltbarkeit haben. Sie müssen daher regelmäßig ausgetauscht werden.

Maria H., Sangerhausen: Ein Arzt hat bei mir mit einem Bluttest eine Vorstufe zu einer Allergie festgestellt. Ich merke aber gar nichts. Wie kann das sein? Brauche ich eine Behandlung?

Antwort: Was Ihr Arzt festgestellt hat, ist wahrscheinlich eine sogenannte Sensibilisierung gegen bestimmte Stoffe. Das bedeutet, dass Ihr Körper mit dem entsprechenden Stoff in Kontakt gekommen ist und das Immunsystem darauf reagiert hat. Von einer Allergie spricht man aber erst, wenn eine solche Sensibilisierung auch Beschwerden verursacht. Erst dann muss behandelt werden – schließlich wollen wir keine Laborwerte behandeln, sondern Menschen, die Beschwerden haben.

Kerstin Metze und Dorothea Reinert notierten Fragen und Antworten.

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