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Mitteldeutsche Zeitung | Krankheiten: Männer - traurig, krank und depressiv
24. April 2013
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Krankheiten: Männer - traurig, krank und depressiv

Arbeitsplatz

Als Ursachen für psychische Störungen bei Männern nennen die Experten unter anderem höhere Belastungen im Beruf und eine wachsende Gefahr des sozialen Abstiegs.

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dpa/ILLUSTRATION

Berlin/MZ/dpa/AFP -

Männer mit Depressionen, Burnout oder anderen seelischen Störungen werden einer Studie zufolge von deutschen Ärzten unzureichend diagnostiziert und behandelt. Der Männergesundheitsberichts 2013 wurde am Mittwoch von der Stiftung Männergesundheit präsentiert. Nach Aussage der Forscher wird das Thema in weiten Teilen der Medizin kaum beachtet. Das habe unter anderem dazu geführt, dass die Anzahl der Selbstmorde bei Männern in den vergangenen Jahren drastisch gestiegen sei. Die Suizidrate gilt als Hauptindikator für die psychische Gesundheit. Bei Männern liegt sie dreimal höher als bei Frauen.


Insgesamt wurde bei neun Prozent der Männer, das sind 3,6 Millionen in Deutschland, eine Depression festgestellt - was deutlich weniger ist als bei Frauen. Die Dunkelziffer von Depressionen bei Männern ist nach Experten-Ansicht „um ein Vielfaches höher“.

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Als Ursachen nennen die Experten unter anderem höhere Belastungen im Beruf und die wachsende Gefahr eines sozialen Abstiegs. Diese Schwierigkeiten beträfen mehr Männer als Frauen, da der Anteil der Vollzeitbeschäftigten bei Männern deutlich höher liege. Die Ursache des Problems liege aber noch tiefer. „Wir haben es mit einem gesellschaftlichen Problem zu tun. Männer werden selbst dann noch als handlungsmächtig angesehen, wenn sie in Not sind“, sagte der Männerforscher Matthias Stiehler. Noch immer dominiere das Klischee des starken Mannes. Körperliche und seelische Leiden würden tabuisiert.


Die männliche Depression äußert sich demnach häufig in einem erhöhten Sucht- und Risikoverhalten, erhöhter Aggression und Gewaltbereitschaft. Dieses Verhalten verdecke oft die „klassischen“ Depressionsmerkmale wie Niedergeschlagenheit, Schlafstörungen und Antriebslosigkeit, heißt es. „Psychische Störungen bei Männern werden unterschätzt, unterdiagnostiziert und unterbehandelt“, erklärte die Sozialwissenschaftlerin Anne Maria Möller-Leimkühler. Blieben sie unbehandelt, verursache dies neben gravierenden gesundheitlichen und psychosozialen Folgen enorme indirekte Kosten, die die Behandlungskosten bei weitem überstiegen.


Die Wissenschaftler fordern eine Anpassung der Gesundheitsangebote an Männer-Bedürfnisse. Viele Präventions- und Behandlungsangebote seien auf Frauen ausgerichtet und gingen an der Lebenswirklichkeit von Männern vorbei. „Wir brauchen Männerärzte in Analogie zu den Frauenärzten“, so der Gesundheitsexperte der Deutschen Krankenversicherung, Wolfgang Reuter.