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Landessportbund: Kleiner Haken wird zum großen Streitfall

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Streit mit dem Landessportbund hat der SV Grün-Weiß Wittenberg. Sogar ein Anwalt ist inzwischen eingeschaltet worden, der Vorstand berät das Thema: Martin Gruner (Vorsitzender, links), Hans Semlow (stellvertretender Vorsitzender) und Schatzmeisterin Astrid Neubauer.

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Verein/SV Grün-Weiß Wittenberg

Wittenberg -

„Es liegt an einem Häkchen“, meint Martin Gruner etwas salopp und betont, dass es sich „um einen Batzen Geld“ handelt. Exakt um 13612,40 Euro, die der Landessportbund dem Gesamtverein SV Grün-Weiß Wittenberg im Jahr 2015 nicht ausgezahlt hat.

Zur Erklärung: Bis zum Jahresende muss jeder im Kreissportbund organisierte Verein auf einer Internetseite des Landessportbundes (IVY-Datenbank) seine Mitgliedererfassung machen. Nach dem korrekten Eintrag aller Daten kann er mit dem erwähnten Häkchen eine Pauschalförderung beantragen. Die Gelder stellt das Land dem LSB zur Verfügung. Der Gesamtvorsitzende des SV Grün-Weiß, Martin Gruner, versichert, dass er den Haken am 21. Dezember 2014 unter Zeugen an der richtigen Stelle gemacht hat, doch an diesem Tag sei die Internetseite mehrfach abgestürzt. Dies habe ihm eine Mitarbeiterin des LSB auf Nachfrage auch bestätigt. Nach mehrmonatigem Briefwechsel mit dem Landessportbund, der laut Gruner auf die Argumentation des Vereins nicht eingegangen ist, haben sich die Wittenberger entschieden, eine Rechtsanwaltskanzlei einzuschalten, die nach Prüfung der Fakten eine Klage beim Verwaltungsgericht Magdeburg eingereicht hat.

Gestörte Datenübermittlung

Christoph Hasse, von der Kanzlei „Hasse und Siems“ weist darauf hin, dass ein Ausfall der Technik nicht Problem des Vereins sei. Wenn der Server überlastet beziehungsweise die Datenübermittlung gestört war, muss der LSB zum Beispiel Datenvolumen dazukaufen, damit solche Pannen künftig nicht mehr passieren. In der Klagebegründung der Kanzlei an das Verwaltungsgericht heißt es: „Weder das Sportfördergesetz noch die vom Land Sachsen-Anhalt erlassene Verordnung zur Ausführung des Sportfördergesetzes (§ 3) sehen als Ausschlusskriterium das Setzen von zwei Häkchen vor.“ Deshalb ist Hasse zuversichtlich, dass seine Argumentation bei einer Verhandlung auf fruchtbaren Boden fällt.

"Vor dem Hintergrund, dass der Verein 373 Kinder- und 462 Erwachsenenmitglieder in 18 Abteilungen hat, ist der Arbeitsaufwand sehr groß gewesen. Daher wurde der Vorstand von den ehrenamtlichen Helfern Nico Neubauer und Diana Kase unterstützt. Es ist zum Verständnis des Gerichts mitzuteilen, dass nach dem Login sich eine Maske öffnet, die dem jeweiligen Einzelnutzer/Einzelverein es ermöglicht, an dem Datensatz Übungsleiter und Mitglieder Veränderungen vorzunehmen.

Mit Übertragung dieses Datensatzes ist eine Veränderung der eingegebenen Daten nicht mehr möglich, sondern komplett der Datensatz gesperrt. Nur auf gesonderte Freigabe seitens des LSB ist eine Änderung an dem übertragenen Datensatz möglich, nicht jedoch autonom von dem einzelnen Sportverein“, heißt es weiter.

Mehrere Vereine betroffen

Für den Geschäftsführer des Kreissportbundes, Stephan Arnhold, ist der SV Grün-Weiß kein Einzelfall. Auch 2016 werden Vereine auf eine Pauschalförderung verzichten. Ob es sich um ein Übermittlungsproblem oder den fehlenden Haken handelt, lässt er offen. „Das Thema SV Grün-Weiß haben wir im Vorstand diskutiert und beim Landessportbund nachgefragt. Dort hat man uns an den Anwalt, der den LSB vertritt, verwiesen.“ Arnhold weist darauf hin, dass der KSB alle Vereine per Info-Schreiben rechtzeitig informiert, an die Bestandserhebung/Pauschalförderung bis zum 31. Dezember zu denken. „Zudem bieten wir unsere Hilfe an.“ Wenn ein Verein Probleme bei der Eintragung in die IVY-Datenbank hat, kann er mit seinen Unterlagen in die Geschäftsstelle Am Markt 20 kommen. „Wir sind ein Dienstleister“, betont Arnhold.

LSB-Vizepräsident Winfried Melzer kann sich nicht vorstellen, dass der Landessportbund „aus Böswilligkeit“ einem Verein die Pauschalförderung verweigert. Es gebe klare Richtlinien, daran habe sich jeder zu halten. Andererseits findet es Melzer traurig, dass es einen Verein aus seinem früheren Beritt - Melzer war von 1990 bis 2012 Präsident des KSB Wittenberg - erwischt hat. „Ich kann den Verantwortlichen des SV Grün-Weiß nur raten, künftig sorgsam mit der Eingabe der Daten umzugehen und alle Fakten noch einmal gründlich gegenchecken zu lassen.“

Keine Probleme

In diesem Jahr scheint alles glatt zu laufen. Zusammen mit Schatzmeisterin Astrid Neubauer und Stellvertreter Hans Semlow hat Gruner Ende 2015 alle Daten eingetragen und in Sachen Förderung bereits grünes Licht erhalten. Der Vorsitzende erklärt, dass der Verein auch bei Nichtzahlung des Betrages von 13612,40 Euro am Leben bleiben und nicht das Handtuch werfen werde. „Wir geben die Hoffnung auf einen positiven Ausgang nicht auf. Sollten wir bei Gericht mit unserer Forderung nicht durchkommen, trifft uns das natürlich hart.“ Prinzipiell bezeichnet er einen fehlenden Haken als „Witz“. Gruner wünscht sich, dass der LSB vor dem ersten Gerichtstermin einlenkt und das Geld auf das Konto der Grün-Weißen überweist. Unter Sportlern sollte die Fairness stets im Vordergrund stehen. (mz)



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