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Geschichte: Trainer setzt auf harte Arbeit

Bei den Deutschen Meisterschaften 1937 zog Ewald Mertens gegen Rudolf Harbig (links), hier hei Olympia 1936, knapp den Kürzeren.

Bei den Deutschen Meisterschaften 1937 zog Ewald Mertens gegen Rudolf Harbig (links), hier hei Olympia 1936, knapp den Kürzeren.

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MZ-Archiv/Ullstein

Wittenberg -

Bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin sind für die Schützlinge von Nationaltrainer Arthur Lambert nicht alle Träume in Erfüllung gegangen. Lediglich Werner Böttcher schaffte es in den Endlauf über 1 500 Meter. Hier belegte er den zwölften Rang. „Wir sind besser als die Olympiaergebnisse“, motivierte Lambert seine Läufer nach der Rückkehr in Wittenberg.

Mit seinem Optimismus sollte der Coach recht behalten. Auf dem Sportplatz an der Wallstraße hatten sich am 19. September 1936 rund 6 000 Zuschauer eingefunden. Sie alle wollten ihre Idole sehen. Mit Lamberts These liefen die Sportler aus der Lutherstadt neuen Zielen entgegen. „Wenn nicht Max Syring, wer denn sonst“, war man sich damals in Fachkreisen einig, als es um den Zieleinlauf über 5 000 Meter ging. Der „eiserne Max“, wie Syring respektvoll genannt wurde, brannte darauf, sich nach der Olympiapleite zu rehabilitieren. Die 3 000-Meter-Zwischenzeit von 8:48 Minuten versprach einiges. Angetrieben vom heimischen Publikum holte Syring die letzten Kraftreserven aus sich heraus. Das Ergebnis war phänomenal. Er lief deutschen Rekord (14:46,6 min). Die Presse lobte diese Leistung in den höchsten Tönen: „Die Wiedergeburt des Wittenberger Läuferstars“, hieß es im „Tagesanzeiger“. „Endlich hat Max zur alten Stärke gefunden. Wir freuen uns nicht nur über seinen Rekord, sondern, dass er sein Selbstbewusstsein nach dem Scheitern in Berlin wieder gewonnen hat“, so Lambert.

Auch Vereinskamerad Walter Schönrock erwischte einen guten Tag. 15:09,0 Minuten bedeuteten Rang drei in der deutschen Bestenliste hinter seinem Wittenberger Trainingskollegen Karl-Heinz Becker.

Nun galt es, die nächsten Ziele ins Auge zu fassen. Das waren die Deutsche Meisterschaften 1937 in Berlin und die Europameisterschaften 1938 in Paris.

Lamberts Appell klang wie eine Binsenweisheit. „Jeder von Euch muss restlos überzeugt sein, dass der Weg zur Spitze nur einzig und allein über harte Arbeit und ein sportgerechtes Leben führt.“ Das Training basierte auf sechs Einheiten pro Woche. Neben der Ausdauer wurden Intervallläufe zur Steigerung der Grundschnelligkeit durchgeführt. Die erwarteten Ergebnisse stellten sich schnell ein. 40 000 Zuschauer verfolgten bei den Deutschen Meisterschaften am 24. Juli 1937 im Berliner Olympiastadion die spannenden Rennen.

Vor einer solchen Kulisse laufend, trieb es Syring und seine Wittenberger Sportkameraden zu Höchstleistungen. Syring holte Gold über 5000 Meter (14:53,0 min), Schönrock gewann den Zehn-Kilometer-Wettbewerb (31:49,4 min), Ewald Mertens belegte über 800 Meter den zweiten Platz (1:54,2 min) hinter dem Dresdener Rudolf Harbig. Die viermal 1 500-Meter-Staffel des KTV Wittenberg (Schönrock, Mertens, Becker, Syring) lief in 16:16,0 Minuten zum Sieg.

Es folgten Länderkämpfe gegen Frankreich und Polen. Am 3. September 1938 schlug bei der EM in Paris die große Stunde von Max Syring. Er wollte es diesmal allen Zweiflern zeigen. Fünf Sekunden fehlten ihm am Ende zur Goldmedaille über die 10 000 Meter. Mit Bronze in 30:57,8 Minuten wurde er für sein beherztes Rennen belohnt.

1940 winkte die Olympiastadt Helsinki. Es wäre vielleicht die letzte Chance für Syring gewesen, mit 32 Jahren noch einmal in den olympischen Medaillenkampf einzugreifen. Doch mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs platzten alle Olympiahoffnungen. Die Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften wurden letztmalig 1943 ausgetragen. Dies schon in abgespeckter Form ohne Marathon und 10 000-Meter-Lauf.

Im Krieg ließen Werner Böttcher und Rudolf Harbig ihr Leben.

Im nächsten Teil berichtet die MZ über den weiteren Verlauf der Wittenberger Erfolgsgeschichte unter Trainer Arthur Lambert.