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Mitteldeutsche Zeitung | Anschlag in Gräfenhainichen: Nun ermittelt eine Sonderkommission
28. February 2016
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Anschlag in Gräfenhainichen: Nun ermittelt eine Sonderkommission

Spurensicherung in Gräfenhainichen

Kriminalbeamte sichern Spuren am Schleifer-Gebäude in Gräfenhainichen.

Foto:

Thomas Klitzsch

Gräfenhainichen -

Kriminalisten der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost in Dessau-Roßlau gehen nach erneuten Schüssen auf eine geplante Asylbewerberunterkunft in Gräfenhainichen auch dem Verdacht der versuchten Tötung nach. „Diese wird mit dem Ziel eingesetzt, den oder die bislang unbekannten Täter schnellstmöglich zu ermitteln. Die Ermittlungsgruppe wird alle zur Verfügung stehenden polizeilichen Mittel einsetzen“, erklärte Polizeisprecher Ralf Moritz in einer Mitteilung.

Spur in die Innenstadt

Bereits unmittelbar nach Bekanntwerden des Angriffs hatte der polizeiliche Staatsschutz die Ermittlungen vor Ort aufgenommen, die durch den Einsatz der Tatortgruppe des Landeskriminalamtes unterstützt wurden.

Auch ein „atypischer Personenspürhund“ kam bei der Durchsuchung des Tatorts im Gadewitzer Weg zum Einsatz, der eine mögliche tatbezogene Spur aufnehmen und diese bis in das Stadtzentrum von Gräfenhainichen verfolgen konnte.

Im Rahmen der umfangreichen Spurensicherung konnten nach Polizeiangaben in unmittelbarer Tatortnähe bisher 13 Geschosshülsen vom Kaliber 9 Millimeter gesichert werden. Dieses Kaliber ist typisch für Pistolen oder Maschinenpistolen. Die Hülsen werden neben weiteren Spuren kriminaltechnisch untersucht.

In Gefahr gerieten durch die Schüsse nach Moritz’ Informationen nicht nur die Wachleute, die das sogenannte Schleifergebäude seit Ende des Jahres bewachen, sondern auch Streifenpolizisten.

„Neben den Mitarbeitern des Wachschutzes, die glücklicherweise bei der Tatbegehung nicht zu Schaden kamen, waren zur Tatzeit auch Polizeibeamte im Rahmen der ohnehin bereits zuvor intensivierten Objektbestreifung in Tatortnähe. Auch sie blieben unverletzt“, erklärt der Sprecher. Die Fahndung nach dem oder den Tätern wird unverändert unter Hochdruck betrieben.

Kritik am Landkreis

Unterdessen wird auch die Kritik an der Kreisverwaltung erneuert. Diese war seit Herbst unter Druck geraten, weil Flüchtlinge über Monate hinweg in Turnhallen untergebracht wurden, obwohl Neuankömmlinge im Landkreis in Wohnungen gebracht wurden. Sebastian Striegel, der innenpolitische Sprecher der Grünen im Magdeburger Landtag, erklärte dazu: „Der erneute und inzwischen siebte Anschlag auf die geplante Unterkunft für Geflüchtete in Gräfenhainichen zeigt eine weitere Eskalation der Gewalt. Ein Gebäude, das permanent attackiert werden kann, ist für die sichere Unterbringung von Geflüchteten nicht geeignet.“ Der Landkreis solle Möglichkeiten einer dezentralen Unterbringung ausloten.

Die Polizei erneuert auf diesem Weg ihren Zeugenaufruf und bittet Personen, die Angaben zur Tat und/oder den Tätern machen können, um Mitteilung an die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost unter 0340 / 6000-291, an die E-Mail Adresse lfz.pd-ost@polizei.sachsen-anhalt.de oder in jeder Polizeidienststelle. (mz)


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