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Supermarathon des 9. Ottonenlauf in Quedlinburg: Rot angestrichen

Start in Meisdorf: Für einen Start-Ziel-Sieg beim 26,1 Kilometer langen Halbmarathon sorgte der TSG-Läufer und WM-Teilnehmer Mike Poch (l.).

Start in Meisdorf: Für einen Start-Ziel-Sieg beim 26,1 Kilometer langen Halbmarathon sorgte der TSG-Läufer und WM-Teilnehmer Mike Poch (l.).

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Detlef Anders

Quedlinburg -

Den ersten Samstag im August hat Karl-Heinz Buchholz seit Jahren rot im Kalender angestrichen. Dann läuft der Bad Suderöder nämlich beim Ottonenlauf mit, der in in diesem Jahr bereits zum neunten Mal auf dem Selketal-Stieg zwischen Stiege und Quedlinburg durchgeführt wurde. „Nur im letzten Jahr war ich krank, sonst war ich immer dabei.“

Der 68-Jährige jubelte schon auf dem Markt seines Heimatortes, wo Jürgen Schiele und einige andere Suderöder ihm zuwinkten. Buchholz kam als Dritter seiner Altersklasse beim Halbmarathon über die 26,1 Kilometer (2:28:04 h) gemeinsam mit Klaus-Dieter Schulz von der LG Konradsburg und Florian Filgertshofer (Uffingen) ins Ziel.

278 Läufer und 25 Wanderer, fast 80 mehr als im Vorjahr, hatten die drei Strecken in Angriff genommen. Mit 120 Läufern gab es auf der Super-Marathon-Strecke einen neuen Teilnehmerrekord, berichtete Hans-Jürgen Sandt vom Selketalstieg-Laufverein, der das Event organisierte und sich besonders über den Besuch von Landrat Martin Skiebe in Stiege um 7 Uhr morgens bei kaum drei Grad freute.

Mehr Interesse am langen Kanten

„Die Tendenz geht dahin, dass es auf den kurzen Strecken weniger werden und auf den langen proportional mehr“, sagte Sandt. Die Zehn-Kilometer-Strecke war deshalb gestrichen worden, auch wenn manche Frau, wie Ingrid Schonsky, sich gerade diese Strecke wieder wünschte. Zwei Streckenrekorde fielen diesmal. René Jäger aus Garbsen schaffte die 45,2 Kilometer zwischen Alexisbad und Quedlinburg in 3:06:16 Stunden und Patricia Rolle aus Berlin verbesserte den Frauen-Rekord beim Ultramarathon über 69 Kilometer auf unter sechs Stunden (5:59:55 h). Von den angemeldeten ausländischen Läufern seien aber nur zwei dabei gewesen, sagte Sandt.

Der nächste Bad Suderöder nach Buchholz im Ziel war Andreas Klaschka. „So eine Strecke bin ich vor 30 Jahren das letzte Mal gelaufen“, gestand der 51-Jährige ausgepumpt und seit dem Hagental von Krämpfen geplagt. Aber stolz, die mehr als drei Stunden durchgehalten zu haben. „Das letzte Stück ab Quarmbeck, wo die Sonne scheint und man die Fahnen von der Tankstelle schon sieht, ist das schlimmste“, fand der 76-jährige Helmut Krüger aus Quedlinburg, der als ältester Teilnehmer Zweiter der M70 wurde.

Sieger im Halbmarathon wurde der für die TSG GutsMuths Quedlinburg startende Thalenser Mike Poch, der in zwei Wochen bei der Senioren-WM in Lyon den Marathon in Angriff nehmen will. Schon vor dem Start in Meisdorf hatte er zehn Kilometer in den Beinen, da am Samstag laut Trainingsplan 35 Kilometer dran waren. Die ersten zehn Kilometer des Halbmarathons wollte er verhalten laufen, um dann in sein Marathon-Tempo zu wechseln. Mit Eike Eyermann vom Brockenlaufverein Ilsenburg habe er einen starken Läufer neben sich gehabt. „Der hat mich bis Bad Suderode gut gezogen.“ Doch dann habe Poch noch einmal richtig Gas geben können und 400 Meter Vorsprung heraus gelaufen. „Für mich ist es optimal gelaufen.“

Der Zweitälteste Jan Gawlowski aus Seesen (75), marschierte 26 Kilometer als Wanderer in weniger als dreieinhalb Stunden. „Früher bin ich mal gelaufen“, gestand er.

Nach 190 Kilometern noch mal 69

Der Vorjahressieger des Supermarathons, Yves König aus Stiege, räumte ein, dass er sich etwas übernommen hat. Im Frühjahr machte er in Radebeul den 24-Stunden-Treppenlauf mit. Vor fünf Wochen war er dann bei den Deutschen Meisterschaften im 24-Stunden-Lauf in Reichenbach und wurde dort mit 190 Kilometern Zweiter. Nun nahm er auch noch die 69 Kilometer vor der Haustür in Angriff. „Ich habe zwischendurch ein paar Einbrüche gehabt und gemerkt, dass ich die langen Läufe ein bisschen reduzieren muss.“ Seine Vorjahreszeit verbesserte er trotzdem um vier Minuten. Diesmal bedeutete dies Rang fünf.

Supermarathon-Sieger wurde Christof Marquardt aus Deiringsen (NRW). „Ich bin das erste Mal überhaupt so eine lange Strecke gelaufen“, sagte er und nannte den Selketalstieg eine „schon sehr anspruchsvolle Strecke“ angesichts von Graspassagen und steilen Abstiegen. „Aber landschaftlich war es ein sehr super Lauf.“ Nach einigen Krämpfen fand er, „die letzten Kilometer waren nicht vergnügungssteuerpflichtig“. Trotzdem will er 2016 wiederkommen. „Die Strecke war absolut super“, lobte die neue Rekordhalterin Patricia Rolle. Dieter König vom Selketalstieg-Laufverein dankte den vielen Helfern an der Strecke und im Ziel, sowie den Vereinsmitgliedern, die beim Transport oder dem Kassieren halfen, oder wie Walter Büchner im Vorfeld tagelang die Strecke markierte. „Viel besser geht es nicht“, fand Christof Marquardt.



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