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Brockenbahn bringt das meiste Geld: Warum die Schmalspurbahn die Preise erhöht

Brockenbahn

Die Brockenbahn erwirtschaftet für die Harzer Schmalspurbahnen den Löwenanteil des Umsatzes.

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Ingo Kugenbuch

Wernigerode -

Für die etwa 550 Kilometer lange Strecke von Wernigerode nach München bezahlt man bei der Deutschen Bahn als Sparangebot 29 Euro. Nur zwei Euro weniger kostet seit Mittwoch die Fahrt mit der Dampflok von Wernigerode zum Brocken. Sie ist 34 Kilometer lang.

Hin und wieder muss sich Dirk Bahnsen, der Sprecher der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB), diesem Vergleich stellen. Gerade Anfang März, wenn - wie auch in diesem Jahr - die Tickets für Fahrten mit den Schmalspurbahnen im Harz teurer geworden sind. Der Kilometerpreis für die Selketal- und Harzquerbahn ist um 3 Cent auf 52 Cent gestiegen, und der Einheitspreis zum Brocken kletterte sowohl für die Hinfahrt als auch für Hin- und Rückfahrt um je 2 Euro auf 27 bzw. 41 Euro.

Einmal Lok-Tüv kostet 600.000 Euro

„Das sind zwei völlig verschiedene Sachen“, sagt Bahnsen im Gespräch mit der MZ. „Wir fahren hier mit uralter Technik, die aufwendig gewartet und gepflegt werden muss.“ Die Kosten für den Betrieb des 140,4 Kilometer langen Streckennetzes mit Museumstechnologie stiegen, sagt Bahnsen und nennt Beispiele. So müssten von den 16 betriebsfähigen Dampfloks jedes Jahr eine oder zwei zu einer Tüv-ähnlichen Hauptuntersuchung nach Meiningen. Das habe 1994 noch rund 250.000 Mark pro Lok gekostet, heute liege der Preis bei 600.000 bis 700.000 Euro.

Außerdem müssten Brücken und Durchlässe instand gehalten und drei bis vier Kilometer Gleis pro Jahr erneuert werden. „Da hat ein Kilometer mal 600.000 Euro gekostet“, sagt Bahnsen. „Mittlerweile sind es rund eine Million.“ Möglichkeiten, Kosten zu senken, gebe es kaum: Die Mitarbeiterzahl solle bei etwa 250 konstant gehalten werden, weil zum Betrieb der historischen Bahn eben kein Fahrkartenautomat passe, sagt Bahnsen.

Fahrgastzahlen verharren knapp über einer Million

Da auch die Fahrgastzahlen bei gut einer Million auf gleichem Level bleiben, stehe man bei der HSB vor der Aufgabe, 60 Prozent der Kosten aus eigener Kraft zu erwirtschaften. Den Rest schießen die Länder Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie die neun Gesellschafter - Kommunen in Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie die Braunlage Tourismus GmbH - dazu.

„Mit der Brockenstrecke verdienen wir das Geld, das wir zur Unterhaltung des gesamten Netzes benötigen“, sagt Bahnsen. „Darum müssen wir regelmäßig den Preis anheben. Das wird sich auch in Zukunft nicht ändern.“

In den nächsten zwei Jahren steht die HSB außerdem vor einem finanziellen Kraftakt: Der Bau der neuen Dampflokwerkstatt in Wernigerode wird rund zehn Millionen Euro kosten. Zudem müssten dort Mitarbeiter eingestellt werden, sagt Bahnsen. Am Ende soll die Großinvestition jedoch Geld sparen: Die Loks müssen dann nicht mehr zur Hauptuntersuchung nach Meiningen gebracht werden.

Dennoch gilt eines als sicher: In einem Jahr wird die Fahrt zum Brocken genauso viel kosten wie ein Sparticket von Wernigerode nach München. (mz)