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Mitteldeutsche Zeitung | Was ist sie nur, die deutsche Leitkultur? : AfD will Schluss machen mit Multikulti
20. February 2016
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Was ist sie nur, die deutsche Leitkultur? : AfD will Schluss machen mit Multikulti

André Poggenburg

André Poggenburg, AfD-Chef in Sachsen-Anhalt.

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dpa/archiv

Halle (Saale) -

Mit breiter Brust - so sieht sich die Führung der Partei Alternative für Deutschland (AfD) selbst vor der anstehenden Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Dafür hat sie, angesichts der jüngsten Umfragewerte, auch allen Grund. 17 Prozent der Stimmen würde sie demnach am 13. März gewinnen, der AfD-Landesvorsitzende André Poggenburg glaubt, dass es sogar noch mehr werden könnten.

Das wird sich zeigen. Lohnend ist es indes sich anzuschauen, wofür die Partei inhaltlich, auch kulturpolitisch, steht. Die AfD hat ein mehr als 60 Seiten umfassendes Wahlprogramm vorgelegt, in dem die Kultur allerdings auf den ersten Blick eher knapp abgehandelt wird - auf wenig mehr als einer Seite. Worum geht es, und was findet sich an entsprechenden Aussagen noch anderswo in dem Papier?

Von der „Pflege der deutschen Leitkultur“ ist die Rede, die sich aus AfD-Sicht allerdings eher als ein „Dagegen“ als ein „Dafür“ positioniert. Das Wort Leitkultur ist vor einiger Zeit schon von Konservativen in der CDU und CSU debattiert worden, hier kehrt es nun wieder und richtet sich besonders gegen „die Internationalisierung aller Lebensbereiche, die Herausbildung einer multikulturellen Gesellschaft auf deutschem Boden“.

Das Deutsche ist überhaupt das A und O in diesem Programm: „Museen, Orchester und Theater sind in der Pflicht, einen positiven Bezug zur eigenen Heimat zu fördern“, heißt es. Die Bühnen sollen nicht nur „stets auch klassische deutsche Stücke spielen“, sondern „sie so inszenieren, dass sie zur Identifikation mit unserem Land anregen“. Den Erhalt kleiner Kultureinrichtungen fordert die AfD - und überhaupt mehr Geld für die Kultur. Woher sie es nehmen will, sagt sie einstweilen nicht. Löblich bleibt die Absicht immerhin, allerdings legen die zuvor zitierten Ansprüche an die Theater die Vermutung nahe, Förderung könnte auch von ästhetisch-politischer Willfährigkeit der Künstler abhängig sein. Das passte nicht sonderlich gut zum Freiheitsbegriff, der sich mit Demokratie zwingend verbindet.

Damit wäre das kulturpolitische Programm der AfD in Sachsen-Anhalt wesentlich umrissen. Wenn da nicht noch die Präambel wäre, die der Landesvorsitzende der Partei höchstselbst formuliert - oder doch unterzeichnet hat. Und schon dort kann man schnell merken, woher der Wind tatsächlich weht.

Nach rühmenden Worten über die außerordentlich reiche Kulturgeschichte Sachsen-Anhalts, denen man kaum widersprechen wollen wird, kommt Poggenburg auf des Pudels Kern. Man kann es getrost Geschichtsrevisionismus nennen. „Eine einseitige Konzentration auf zwölf Unglücksjahre unserer Geschichte verstellt den Blick auf Jahrhunderte, in denen eine einzigartige Substanz an Kultur und staatlicher Ordnung aufgebaut wurde“, steht im Programm.

Dass diese staatliche Ordnung auch den Holocaust organisieren konnte - ein solches Argument rechnet Poggenburg vermutlich linkem Zeitgeist zu, den er ebenso stoppen will wie die „zügellose Masseneinwanderung“, die „unseren bescheidenen Wohlstand“ bedrohe. Man muss es wirklich lesen. (mz)