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Was die Scheibe erzählt

Uhr | Aktualisiert 30.03.2005 14:20 Uhr
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Ute Kaufholz: «Sterne, Mond und Sonne»

Ute Kaufholz: «Sterne, Mond und Sonne»; Anderbeck 250 Seiten, 15 Euro (Foto: MZ)

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Ein Buch über "Das Geheimnis der Himmelsscheibe von Nebra", wie Ute Kaufholz' schmaler Band "Sterne, Mond und Sonne" im Untertitel heißt, müsste in diesen Tagen ein Verkaufshit sein. Da es aber in eher biederer Aufmachung daherkommt, dürfte es an seiner eigenen Unauffälligkeit kranken. Dabei begleitet die Autorin den Leser auf knapp 150 Seiten auf einer durchaus unterhaltsamen Tour durch die vielen kultur- und zeitgeschichtlichen Aspekte des Sensationsfunds vom Mittelberg.
Halle/MZ. 

Es tönt streckenweise im Klischee mittelmäßiger Historienromane, vor allem wenn es darum geht, das Leben von Vorzeit-Menschen auszumalen. Da warten die Bauern eben in "rauen Herbststürmen" auf "das erste Zwitschern der Vögel im Wald". Aber Ute Kaufholz verlässt die Ebene recherchierter Realitäten nur für stimmungshafte Passagen, an denen sie auch als Gerichtsreporterin ihre besondere Freude hat. Tatsächlich ist es die Wiedergabe der Raubgräber- und Hehlergeschichte der Scheibe, die dem Buch ein breites Interesse sichert, sind die Einzelheiten doch bisher noch nirgendwo so kompakt nachzulesen.

So liegt umgekehrt eine Stärke in dem Buch, dass es, wenn auch nicht literarisch absichtsvoll, jeglichen reißerischen Ton vermeidet. Sogar beim oft beschworenen "Krimi" vom nervenzerrenden Katz-und-Mausspiel zwischen den Hehlern und dem Landesarchäologen lässt die Autorin dankenswerterweise die Finger von einschlägigen Stilmitteln. Wenn sie am Ende in mehreren Kapiteln auf das Zerstörungswerk von Raubgräbern eingeht, mit dem die antike Welt immer mehr vernichtet wird, merkt man, wo Ute Kaufholz der volkspädagogische Antrieb zu ihrem Buch beflügelt.