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Unesco-Weltkulturerbe: Frühaufsteher aus Sachsen-Anhalt beraten Leipziger

Uhr | Aktualisiert 24.01.2013 00:45 Uhr

Eine Tafel weist neben der Thomaskirche Leipzig auf einen Punkt der Leipziger Notenspur hin. (FOTO: DPA)

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So wichtig wie die Pyramiden müsse sie sein, eine Welterbestätte. Die Leipziger "Notenspur" will es auf die Welterbeliste der Unesco schaffen. Noch ist der sächsische Vorschlag aber nicht einmal unter den nationalen Bewerbern.
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Leipzig/MZ. 

So wichtig wie die Pyramiden müsse sie sein, eine Welterbestätte. Denn wer sich in Deutschland für den Unesco-Titel bewirbt, darf sich nicht mit Weimar vergleichen, sondern sollte global denken. "Sie müssen sich hochzoomen, ganz große Geschichten schreiben." So lautete einer der Ratschläge der Landeskonservatorin von Sachsen-Anhalt Ulrike Wendland (Foto) an Werner Schneider. Der "Vater der Leipziger Notenspur" diskutierte am Dienstagabend in Leipzig mit Fachleuten über sein Musikprojekt. Und vor allem darüber, wie die "Notenspur" es auf die Welterbeliste der Unesco schaffen kann. Noch ist der sächsische Vorschlag nicht einmal unter den nationalen Bewerbern.

Geladen waren ins Grassimuseum - neben Ulrike Wendland - noch zwei weitere Weise aus dem Land der Frühaufsteher oder vielmehr dem Land der Welterbestätten: der Quedlinburger Oberbürgermeister Eberhard Brecht (SPD) und der Bauhaus-Direktor Philipp Oswalt.

Bereits seit 15 Jahren arbeitet der Wissenschaftler Schneider mit seinem Verein an der "Leipziger Notenspur": "Musik bekommt mit dem Projekt einen Ort", sagte Schneider bei der Vorstellung seiner Arbeit. Die "Notenspur" ist ein über fünf Kilometer langer Rundgang durch das Zentrum von Leipzig. Am Wegesrand liegen 23 wichtige Wohn- und Schaffensstätten berühmter Leipziger Komponisten wie das Mendelssohn-Haus, die Grieg-Begegnungsstätte oder die Thomaskirche. Leipzig sei neben Wien der einzige Ort weltweit, an dem Musikkultur mit Gebäuden sichtbar gemacht werden könne, betonte Schneider.

Für die Idee und die Umsetzung gab es von den Sachsen-Anhaltern Lob. Vor allem Ulrike Wendland, die derzeit an der Unesco-Bewerbung für den Naumburger Dom und die Region Saale-Unstrut schreibt, war beeindruckt von "der wunderbaren Verbindung zwischen immateriellem und materiellem Erbe und dem starken bürgerschaftlichen Engagement". Derzeit bereiten auch die Franckeschen Stiftungen einen Antrag vor.

Viele Faktoren sprächen im Allgemeinen für eine Unesco-Bewerbung, aber auch einige dagegen: "Drum prüfe, wer sich ewig bindet", brachte es Wendland auf den Punkt. Unbestritten sei, dass der Titel den Tourismus ankurbele, Bekanntheit und Wertschätzung für das Kulturgut steigere und den Standort generell aufwerte. Auch bei Förderprogrammen gebe es mehr Chancen, wenn die Stätte "zum exklusiven Kreis" der Titelträger gehöre. Doch Welterbe mache auch viel Arbeit, gab Wendland, die seit 2005 Welterbestätten in Sachsen-Anhalt betreut, zu Bedenken. "Man gibt Teile der kommunalen Autonomie auf." Und: "Es gibt keinen Weg zurück." Denn aus dem Welterbe könne man nicht aussteigen, nur rausgeschmissen werden. "Wenn man Welterbestätte ist, gibt man Souveränität ab", sagte der Quedlinburger Brecht aus eigener Erfahrung. Der Titel komme eben vor Energiesparplänen und persönlichen Geschmäckern, fügte Bauhaus-Chef Oswalt hinzu. Auch wenn er den Welterbestatus als "kraftvolles Instrument empfinde", forderte er in diesem Kontext eine realistische Sichtweise auf dessen Möglichkeiten. Derzeit verfolge er in Dessau die Diskussion um die Umbenennung der Stadt in "Bauhausstadt". Was immer davon zu erhoffen sei, sagt er: "Wir werden die Stadt nicht retten." FOTO: WINKLER

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